Zeit 18.08.2026
16:21 Uhr

Wohnungslosigkeit: Etliche Obdachlosencamps in Berlin seit 2025 geräumt


Wohnungslosigkeit: Etliche Obdachlosencamps in Berlin seit 2025 geräumt
In Berlin sind seit Anfang 2025 mehrere Hundert Obdachlosencamps und ähnliche Lager geräumt worden. Im Bezirk Mitte etwa waren es rund 190 Camps, in Tempelhof-Schöneberg 110, in Friedrichshain-Kreuzberg 54 und in Pankow 14, wie aus einer Antwort der Sozialverwaltung auf eine Anfrage der AfD-Abgeordneten Kristin Brinker hervorgeht. In Marzahn-Hellersdorf wurden demnach zwei Zeltlager insgesamt dreimal geräumt, Steglitz-Zehlendorf berichtet von einer Räumung. Eine einheitliche Erfassung gibt es nicht, weshalb einige Bezirke keine Zahlen nennen. Die Antwort wurde am 4. Juni veröffentlicht. Zum Teil bleiben die Zelte nur für einige Zeit stehen, an manchen Orten aber haben sich dauerhafte Camps entwickelt. Ein Beispiel ist die Lewishamstraße in Charlottenburg, wo den Angaben nach zum Teil bis zu 15 Menschen schlafen. In Mitte bereitet derzeit vor allem der Kleine Tiergarten in Moabit Sorgen. In dem Park an der Turmstraße halten sich viele Wohnungslose und auch Drogenabhängige auf. Um die Situation für alle angenehmer zu machen und die Sicherheit zu erhöhen, setzt der Bezirk ab sofort an drei Gebieten eine Parkbetreuung ein. Neben dem Kleinen Tiergarten und umliegenden Parks gehören der Badestraßenkiez in Gesundbrunnen und der Bereich rund um den U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße dazu, wie der Bezirk mitteilte. Das Konzept sieht vor, dass in jedem Gebiet von nun an täglich mindestens zwei Parkbetreuer unterwegs sind. Sie beseitigen Müll, weisen auf Regelverstöße hin, melden relevante Vorkommnisse an die entsprechende Stelle und sind Ansprechpersonen für Bürgerinnen und Bürger. Jetzt im Sommer seien sie täglich mehr als zehn Stunden vor Ort, hieß es. Zusätzlich gebe es jeweils einen Parkmanager, die die fachliche Koordination übernehme. In jedem Gebiet gebe es einen Bauwagen, der als Anlaufstelle diene. «Öffentliche Räume müssen für alle da sein - sauber, sicher und lebenswert», sagte Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger laut Mitteilung. «Wo Vermüllung, Verwahrlosung und soziale Probleme zu einer immer stärkeren Belastung werden, dürfen wir nicht wegsehen.» Wie die Bezirke mit solchen Situationen umgehen und nach welchen Kriterien ein Camp geräumt wird, ist nicht einheitlich geregelt. Viele Bezirke berichten, dass den Menschen zunächst Unterstützung angeboten und gegebenenfalls versucht werde, eine Unterkunft zu vermitteln. Tempelhof-Schöneberg nennt das als Voraussetzung für eine mögliche Räumung. Häufig wird dann im Einzelfall entschieden, ob das Camp geräumt oder geduldet wird, wie aus den Antworten hervorgeht. Dabei spielt unter anderem eine Rolle, ob es in der Nähe sensible Orte wie etwa einen Spielplatz, Probleme mit Müll oder Beschwerden von Anwohnern gibt. Immer wieder gehen bei den Bezirken Beschwerden ein. Über die Website sowie die App des Ordnungsamtes seien 2025 rund 3.280 Meldungen in der Kategorie «Grünanlagen/Park - Campieren/Zelten» eingegangen, hieß es. Dieses Jahr seien es bis Ende April bislang rund 780 gewesen. © dpa-infocom, dpa:260818-930-547170/2