Zeit 05.06.2026
04:00 Uhr

Wohnprojekt: Buhlen um Zuzug: Probewohnen in Brandenburger Kommunen


Wohnprojekt: Buhlen um Zuzug: Probewohnen in Brandenburger Kommunen
Viele Kommunen in Brandenburg kämpfen seit langem gegen ihren Bevölkerungsschwund und den Ruf der öden Provinz. Als ein Mittel hat sich für einige Städte das Probewohnen etabliert. Die Idee: Menschen können für ein paar Wochen auf Probe in der Stadt wohnen, nehmen an Kulturveranstaltungen teil und gehen im besten Fall sogar einer Beschäftigung in dem Ort nach. In Eisenhüttenstadt, Guben und Eberswalde gab es bereits Durchläufe. Trägt die Idee schon Früchte? »Der Aufwand hat sich gelohnt«, hieß es zuletzt von der Stadtverwaltung in Eisenhüttenstadt. Es gebe konkrete »Zuzugsperspektiven, die aus dem Projekt entstanden sind«. Aber auch wegen der vielen positiven Rückmeldungen der Teilnehmer spreche man von einem Erfolg. Auch die Stadt Guben, die derzeit den dritten Probewohn-Durchgang plant, ist von dem Projekt überzeugt. »Bereits in den vergangenen Staffeln konnten wir mehrere Teilnehmer zu einem Umzug bewegen«, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung in der Doppelstadt an der Oder. Auch in Eberswalde habe man eine »durchweg positive Resonanz und zufriedene »Kurzzeitbewohner«» erlebt, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Seit 2019 habe es jedoch keinen weiteren Anlauf mehr gegeben, auch weil die Leerstandsquote der Wohnungsbau- und Hausverwaltungs GmbH seitdem deutlich gesenkt werden konnte. Inwieweit das mit dem Probewohnen zusammenhänge, sei ungewiss. Worin besteht der Reiz des Projektes? Eines ist den Projekten gemein: Die Menschen sollen den Ort nicht wie Touristen kennenlernen. »Man kann Bewerbern und Medien nichts vormachen und man sollte es auch nicht versuchen. Wer Menschen für einen Ort begeistern möchte, muss ehrlich zeigen, wie das Leben vor Ort tatsächlich aussieht«, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung Eisenhüttenstadt. Das umfasse auch die Herausforderungen, die es zweifelsohne gebe. Es gehe darum, aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, führte Gubens Stadtsprecherin aus. Freizeitangebote zu erkunden und die Lebensqualität vor Ort zu entdecken, gehöre genauso dazu wie berufliche Perspektiven auszuloten. Kommen denn viele Bewerbungen? »Wir haben zu der dritten Staffel Hunderte Bewerbungen erhalten und die Teilnehmer nun ausgewählt«, so Gubens Sprecherin. Bereits in den Vorjahren hatte es für das Projekt zig Interessenten gegeben. »2025 war das Projekt Probewohnen in Eisenhüttenstadt medial so erfolgreich, dass die Stadt mit dem Projekt weltweit in den Medien vertreten war«, betonte die dortige Sprecherin. CNN, The Guardian, ABC Radio Sydney, BBC und The Washington Post hätten berichtet. Damit habe die Stadt auch für das Probewohnen 2025 im Anschluss rund 2.000 Bewerbungen aus allen Kontinenten der Erde erhalten. In diesem Jahr gingen für das Probewohnen in Eisenhüttenstadt 300 Bewerbungen ein. Sind Menschen wegen des Probewohnens geblieben? In Eisenhüttenstadt sind aus dem Probewohnen 2025 mittlerweile 13 Menschen nachweislich über das Projekt in die Stadt gezogen. Zehn Mietverträge seien so entstanden, erklärte die Sprecherin. Das Probewohnen 2026 ist gerade vorbei und von den fünf Teilnehmern hätten vier ernste Absichten geäußert, sich hier niederzulassen. In Guben nennt man gern das »Musterbeispiel Anka Franze«, sie lebt seit dem ersten Durchlauf in der Stadt. © dpa-infocom, dpa:260605-930-175661/1