Zeit 03.06.2026
11:46 Uhr

US-Zölle: USA drohen 60 Staaten mit neuen Zöllen auf Produkte aus Zwangsarbeit


Die USA wollen Handelspartner, darunter die EU, mit neuen Zöllen zwingen, konsequent gegen Zwangsarbeit vorzugehen. Das Motiv: Benachteiligung US-amerikanischer Arbeiter.

US-Zölle: USA drohen 60 Staaten mit neuen Zöllen auf Produkte aus Zwangsarbeit
Die USA haben mehreren Volkswirtschaften mit neuen Zöllen gedroht. Als Grund dafür nannte das Büro des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer, dass diese Importe von Produkten aus mutmaßlicher Zwangsarbeit nicht verhindern oder ausreichend überprüfen würden. So müssten etwa die Europäische Union, Großbritannien und die Schweiz, aber auch Länder aus Afrika, Asien und Lateinamerika sowie Kanada und China mit neuen Zöllen von 10 bis 12,5 Prozent rechnen. Insgesamt sprach Greer eine Drohung gegen 60 verschiedene Staaten aus. Dass die wichtigsten Partner der USA nichts gegen Produkte aus Zwangsarbeit unternehmen, sei »inakzeptabel«, sagte Greer. US-amerikanische Arbeitnehmer seien so gezwungen, »weltweit unter ungleichen Wettbewerbsbedingungen zu konkurrieren«. Diese Ungleichheit werde man »nicht länger hinnehmen«. Zölle sollen nicht sofort greifen Seine Vorwürfe stützte der US-Handelsbeauftragte auf eine Untersuchung aus dem März, welche das »Versäumnis verschiedener Volkswirtschaften« untersuchte, ein Einfuhrverbot für Waren zu erlassen und durchzusetzen, die unter Zwangsarbeit hergestellt wurden. Allerdings würden die Zölle nicht sofort in Kraft treten: Bis zum 6. Juli können zunächst Einwände der Partnerländer geltend gemacht werden, zu denen ab dem 7. Juli dann entsprechende Anhörungen stattfinden sollen. In der juristischen Debatte um seine umstrittene Zollpolitik hatte US-Präsident Donald Trump Mitte Mai einen Erfolg erzielt. Ein Berufungsgericht setzte die Entscheidung einer unteren Instanz vorläufig aus , die Trumps temporäre Zölle auf Einfuhren aus der ganzen Welt als rechtswidrig eingestuft hatte. Importeure müssen nun zunächst weiter die veranschlagten Zölle in Höhe von 10 Prozent zahlen. Zwangsarbeit nimmt zu China kritisierte das Vorhaben der USA bereits. Außenamtssprecherin Mao Ning sagte in Peking, die Volksrepublik spreche sich gegen jegliche Art von Zollmaßnahmen aus, da Zoll- und Handelskriege nicht im gegenseitigen Interesse lägen. Zum Vorwurf der Zwangsarbeit sagte sie: »In China gibt es keine sogenannte Zwangsarbeit.« Berichten zufolge mussten im Jahr 2021 rund 27,6 Millionen Menschen Zwangsarbeit leisten . Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte in ihrem Bericht zur Lage der Menschenrechte 2025/26 (PDF) vor einem Anstieg der Zwangsarbeit vor allem im Asien-Pazifik-Raum, etwa in Kambodscha und Myanmar, wo Menschen zur Arbeit in sogenannten Scam-Fabriken gezwungen würden. Sie verwies zudem auf Berichte zu möglicher Zwangsarbeit in den Lieferketten für in China hergestellte Solarmodule.