Zeit 27.09.2026
19:21 Uhr

UN-Generalversammlung: Johann Wadephul erläutert Gründe für Treffen mit Sergej Lawrow


Unter anderem wegen des Drohnenvorfalls in Leipzig habe er mit dem russischen Außenminister gesprochen, sagte Johann Wadephul. Kritik kommt indes aus den eigenen Reihen.

UN-Generalversammlung: Johann Wadephul erläutert Gründe für Treffen mit Sergej Lawrow
Außenminister Johann Wadephul ​(CDU) hat die Hintergründe seines überraschenden Treffens mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow erläutert. Ein wichtiger Grund sei gewesen, dass Russland kürzlich ​am Leipziger Flughafen bewaffnete Drohnen ⁠eingesetzt habe. »Es ist zum ​Glück nichts Schlimmes geschehen«, sagte der CDU-Politiker in ‌der ⁠ARD. Hier sei ​aber eine Grenze überschritten worden. Er habe klarmachen wollen, dass sich Deutschland ​widersetzen und wehren werde. Außerdem hätten ihn Länder aus dem sogenannten Globalen Süden gebeten, mit Russland zu reden. Sie bekämen keine Getreidelieferungen mehr aus Russland und auch nicht aus der ⁠Ukraine. Deswegen drohten Hungersnöte. Es brauche ‌für das Schwarze ‌Meer einen Waffenstillstand, damit die Exporte ​wieder möglich werden, sagte Wadephul. Er bezeichnete die diplomatische Funkstille nach dem russischen Angriff auf die ​Ukraine als richtig. Nun sei aber der Zeitpunkt gekommen, um wieder zu sprechen. Man dürfe die ‌Verhandlungen mit Russland nicht nur ​den USA überlassen, forderte der Außenminister. Deutschland und Europa hätten eigene ⁠Interessen. ​Es gebe aber noch keinen Anlass ‌für Normalität. Das Treffen zwischen Wadephul und Lawrow fand am Samstag am Rande der UN-Generalversammlung ‌in New York statt. Es war das erste Mal, dass sich die Außenminister Deutschlands und Russlands seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor mehr als viereinhalb Jahren trafen. Eine Annäherung gab es aber nicht. Parteikollege Kiesewetter kritisiert Wadephul Kritik an dem Treffen kam aus den eigenen CDU‑Reihen. Der Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung : »Ich sehe das Treffen sehr kritisch. Im Nachhinein wäre ein Telefonat klüger gewesen. Denn das Ergebnis bleibt das Gleiche.« Den Glauben, dass sich mit Russland verhandeln lasse, habe Lawrow »wie immer lächerlich gemacht«. Bei dem Treffen sei weder für die Ukraine etwas erreicht worden noch für die Sicherheit Deutschlands, kritisierte Kiesewetter. Im Gegenteil erlebten die zwischen Deutschland und Russland liegenden Staaten den »alten Albtraum« einer Kommunikation zwischen Berlin und Moskau über ihre Köpfe und den der Ukraine hinweg. Das Treffen hinterlasse den Eindruck eines deutschen Sonderwegs. »Die deutsche Außenpolitik hat damit leider nichts erreicht außer falschen Hoffnungen und Verwirrung«, sagte Kiesewetter. Lob kommt aus der SPD Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner lobte indes das Treffen. Das Signal sei: »Die Europäer sind noch da«, sagte Stegner der FAZ . Es sei klar, dass es nach so einem ersten Gespräch kein direktes Entgegenkommen gebe. Trotzdem sei es wichtig, die Diplomatie nicht allein den USA zu überlassen. Stegner begrüßte auch die Einladung von US-Präsident Donald Trump an den russischen Staatschef Wladimir Putin zum Gipfel der G20-Staatengruppe im Dezember in Miami im US-Bundesstaat Florida. Diese Einladung könne eine Chance sein, sagte der SPD-Politiker. Lesen Sie alle aktuellen Entwicklungen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine in unserem Liveblog .