Zeit 09.10.2026
06:00 Uhr

Tierschutz: Qualzucht bei Hunden: Wenn Schönheit krank macht


Tierschutz: Qualzucht bei Hunden: Wenn Schönheit krank macht
Hunde geh\u00f6ren zu den beliebtesten Haustieren in Deutschland. F\u00fcr viele Menschen sind sie Familienmitglieder, Begleiter im Alltag oder Partner beim Sport und in der Freizeit. Bei der Wahl eines Vierbeiners spielt auch das Aussehen eine Rolle: Manche m\u00f6gen besonders kleine Hunde, auff\u00e4llige Fellfarben oder kurze Schnauzen. Doch Merkmale, die Menschen s\u00fc\u00df oder besonders finden, k\u00f6nnen f\u00fcr die Tiere gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Wenn Hunde gezielt auf Merkmale gez\u00fcchtet werden, die ihrer Gesundheit oder ihrem Wohlbefinden schaden, spricht man laut Tierschutzgesetz von Qualzucht. Ein \u00dcberblick zum Welthundetag am 10. Oktober: Kurze Schnauzen k\u00f6nnen das Atmen erschweren Besonders betroffen sind Hunde mit sehr kurzen Schnauzen. Bei M\u00f6psen und Franz\u00f6sischen Bulldoggen treten Atemwegserkrankungen vergleichsweise h\u00e4ufig auf. Ihre ver\u00e4nderte Sch\u00e4del- und Gesichtsform kann die Atemwege verengen. \u00abDer Gro\u00dfteil leidet unter Atemnot und einer St\u00f6rung der W\u00e4rmeregulation\u00bb, sagt Tier\u00e4rztin Lisa Hoth-Zimak vom Deutschen Tierschutzbund. Eine m\u00f6gliche Folge ist das brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom, kurz BOAS. Betroffene Hunde haben Schwierigkeiten beim Atmen. Ihre Atmung kann laut und ger\u00e4uschvoll sein. Bei Bewegung und hohen Temperaturen k\u00f6nnen sie schnell \u00fcberhitzen. Auch die Belastbarkeit und der Schlaf sind mitunter beeintr\u00e4chtigt, in schweren F\u00e4llen droht eine Operation. Nicht nur die Schnauze kann zum Problem werden Der Deutsche Tierschutzbund nennt auch andere m\u00f6gliche Qualzuchtmerkmale. Dazu geh\u00f6ren bestimmte Formen von Haarlosigkeit und das sogenannte Merle-Gen. Es sorgt f\u00fcr ein Fellmuster mit helleren und dunkleren Bereichen. Bestimmte genetische Kombinationen, insbesondere die Verpaarung zweier Merle-Tr\u00e4ger, k\u00f6nnen mit Augen- und H\u00f6rsch\u00e4den verbunden sein. \u00abJedes Merkmal, das vererbbar ist und zu Schmerzen, Leiden oder Sch\u00e4den f\u00fchrt, ist zu vermeiden\u00bb, sagt Hoth-Zimak. Der Tierschutzbund kritisiert, dass bei der Zucht teilweise das Aussehen wichtiger sei als die Gesundheit. Menschen z\u00fcchteten oder kauften Hunde, weil sie ihnen besonders s\u00fc\u00df oder sch\u00f6n erschienen. Die Tiere w\u00fcrden dadurch nach den optischen Vorstellungen der Menschen \u00abdesignt\u00bb, so der Verband. Bei anderen Hunderassen gibt es ebenfalls erbliche Gesundheitsrisiken. Bei gro\u00dfen Tieren etwa k\u00f6nnen H\u00fcftgelenksdysplasien und andere Gelenkerkrankungen auftreten. Zucht und Gesundheit: Kann das funktionieren? Auch Zuchtverb\u00e4nde besch\u00e4ftigen sich mit den Problemen. Der Verband f\u00fcr das Deutsche Hundewesen (VDH) stellt nach eigenen Angaben die Gesundheit der Hunde in den Mittelpunkt. Typische Merkmale einer Rasse seien grunds\u00e4tzlich erw\u00fcnscht, d\u00fcrften aber nicht zu gesundheitlichen Problemen f\u00fchren. F\u00fcr M\u00f6pse und Franz\u00f6sische Bulldoggen gelten besondere Anforderungen. Der VDH setzt dabei auf den wissenschaftlich gepr\u00fcften Cambridge-Test. Damit soll die Atemfunktion von Hunden mit kurzer Schnauze beurteilt werden. Die Hunde werden kontrolliert k\u00f6rperlich belastet. Danach wird gepr\u00fcft, ob sie Atemger\u00e4usche oder andere auff\u00e4llige Probleme beim Atmen machen. Die Cambridge-Arbeitsgruppe empfiehlt den Test vor dem ersten Einsatz in der Zucht und eine Wiederholung sp\u00e4testens nach zwei Jahren. Der Tierschutzbund fordert strengere Regeln Der Deutsche Tierschutzbund h\u00e4lt die bisherigen Regeln gegen Qualzucht f\u00fcr nicht ausreichend. Er fordert unter anderem eine verbindliche Regelung. Darin soll genauer festgelegt werden, welche Merkmale als Qualzucht gelten. Auch Zucht, Haltung und Import solcher Tiere sollen nach Vorstellung des Verbands st\u00e4rker geregelt werden. Das Tierschutzgesetz verbietet zwar Z\u00fcchtungen, wenn vererbte Merkmale bei Tieren zu Schmerzen, Leiden oder gesundheitlichen Sch\u00e4den f\u00fchren. \u00abDieser sogenannte Qualzuchtparagraph ist jedoch in seiner Formulierung unkonkret und bleibt in der Umsetzung vage und individuell\u00bb, sagt Hoth-Zimak vom Tierschutzbund. Wie gro\u00df das Risiko bei kurznasigen Hunden ist Wie h\u00e4ufig Atemwegsprobleme bei kurznasigen Hunden auftreten, zeigt eine im Februar 2026 ver\u00f6ffentlichte Untersuchung der University of Cambridge. Daf\u00fcr wurden knapp 900 erwachsene Hunde aus 14 Rassen untersucht. Besonders h\u00e4ufig stellten die Forschenden das Atemwegssyndrom BOAS bei Pekinesen (89 Prozent der Tiere betroffen) und Japan Chins (82 Prozent) fest. Damit lagen die Werte in einer \u00e4hnlichen Gr\u00f6\u00dfenordnung wie bei M\u00f6psen, Franz\u00f6sischen Bulldoggen und Englischen Bulldoggen. Bei weiteren Hunderassen wie King Charles Spaniel, Shih Tzu und Boston Terrier stellten die Forschenden ein mittleres Risiko fest. Auch Griffon Bruxellois und Dogue de Bordeaux wurden dieser Gruppe zugeordnet. Bei Staffordshire Bullterriern, Cavalier King Charles Spaniels, Chihuahuas, Boxern und Affenpinschern war das Risiko geringer, klinisch relevante Erkrankungen traten dort nur bei wenigen Tieren auf. \u00a9 dpa-infocom, dpa:261009-930-812704/1