Zeit 01.06.2026
11:32 Uhr

Terroranschlag in Bielefeld: Täter nach Messerangriff in Bielefeld zu lebenslanger Haft verurteilt


Nach einem Angriff in Bielefeld mit vier Verletzten im Mai 2025 erhält der Täter die Höchststrafe. Zudem ordnete das OLG Düsseldorf anschließende Sicherungsverwahrung an.

Terroranschlag in Bielefeld: Täter nach Messerangriff in Bielefeld zu lebenslanger Haft verurteilt
Für den Terroranschlag auf feiernde Menschen in Bielefeld vor rund einem Jahr ist der Täter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Wie die Nachrichtenagentur dpa meldete, sprach das Oberlandesgericht Düsseldorf den 36-jährigen Syrer wegen vierfachen versuchten Mordes schuldig. Das Gericht stellte demnach auch die besondere Schwere der Schuld fest und ordnete Sicherungsverwahrung an. Damit kann der Verurteilte nach Verbüßung seiner Strafe weiter in Haft bleiben, wenn er als gefährlich für die Allgemeinheit eingeschätzt wird. Damit verhängte das Gericht die Höchststrafe, wie sie von der Bundesanwaltschaft beantragt worden war. Er habe mit dem Anschlag seine dschihadistischen Ziele verfolgt, sagte der Vorsitzende Richter. Dem Verurteilten fehle jegliche Empathie mit den Opfern. Wegen seiner radikal-islamischen Gesinnung sei der Syrer nach wie vor gefährlich und seine Prognose ausgesprochen ungünstig, hatte die Bundesanwaltschaft zuvor ausgeführt. Die Verteidiger hatten auf eine schwere Kindheit des Angeklagten verwiesen und auf die Depression, die ihm ein psychiatrischer Gutachter attestiert hatte. Opfer berichten von Folgen des Angriffs Im Mai 2025 hatte der Mann beim Feiern vor einer Bar in Bielefeld Menschen angegriffen und durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Er soll dabei »Allahu Akbar« gerufen haben. Unter den Feiernden waren zahlreiche Fans des Fußballvereins Arminia Bielefeld. Die vier Opfer hatten im Prozess berichtet, dass sie noch immer unter den Folgen des Anschlags litten. Der Angeklagte hatte die Tat in der Untersuchungshaft gestanden und im Prozess in seinem Schlusswort eingeräumt. In der Untersuchungshaft hatte er darüber hinaus erzählt, bereits in Syrien zwei Menschen getötet zu haben, darunter seinen Halbbruder im Auftrag der radikalislamischen Terrororganisation »Islamischer Staat« (IS). IS-Vergangenheit in Syrien Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der 36-Jährige bereits in Syrien mehrere Jahre in den Reihen des IS aktiv . Später sei er von kurdischen Einheiten als IS-Mitglied festgenommen und etwa acht Monate inhaftiert worden. Im Jahr 2023 kam er nach Deutschland. Kurz vor dem Anschlag soll er ein Bekennervideo an einen Kontaktmann beim IS geschickt haben, das jedoch nicht veröffentlicht wurde. Außerdem hatte er laut Ermittlern einen Zettel bei sich, auf dem er die IS-Flagge selbst gezeichnet hatte. Bei dem Angriff habe er laut Anklage möglichst viele Menschen töten wollen. Erst als er seine selbst gebaute Waffe verlor und auf entschlossenen Widerstand traf, habe er von seinem Vorhaben abgelassen und sei geflohen. Schließlich wurde er in Heiligenhaus bei Düsseldorf festgenommen. Den entscheidenden Hinweis soll ein Cousin gegeben haben, der die Polizei informierte. »Tiefgreifend islamistisch radikalisiert« Laut psychiatrischem Gutachter ist der Angeklagte tiefgreifend islamistisch radikalisiert . Die islamistisch-dschihadistische Ideologie sei fester Bestandteil seiner Persönlichkeit und seines Wertesystems. Dafür habe er sogar den Kontaktabbruch zu seinen Kindern in Kauf genommen. Er sei kränkbar, intolerant und gewaltbereit. In Deutschland habe sich seine psychische Lage verschlechtert, nachdem der Familiennachzug gestoppt worden sei, er keine Arbeit gefunden und kein Deutsch gelernt habe. Die Teilnahme an einem Deradikalisierungsprogramm hatte der Syrer abgelehnt.