Zeit 20.03.2026
13:08 Uhr

Tarifbindung: Nur knapp die Hälfte der Beschäftigten wird nach Tarifvertrag bezahlt


49 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeitete 2025 in einem tarifgebundenen Betrieb. Noch in den 1990er Jahren hatte die Quote bei etwa 85 Prozent gelegen.

Tarifbindung: Nur knapp die Hälfte der Beschäftigten wird nach Tarifvertrag bezahlt
49 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland haben im vergangenen Jahr in einem tarifgebundenen Betrieb gearbeitet. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Damit blieb die Tarifbindung im Vergleich zu den Vorjahren konstant. Mitte der 90er Jahre wurden laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung dagegen etwa 85 Prozent aller Beschäftigten nach Tarifvertrag bezahlt. Große Unterschiede zeigen sich zwischen den Branchen. Die vollständige Tarifbindung von 100 Prozent erreichte erneut die Öffentliche Verwaltung einschließlich Verteidigung und Sozialversicherung. Dahinter folgen die Energieversorgung (84 Prozent), der Bereich Erziehung und Unterricht (79 Prozent) sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (68 Prozent). Auch Gesundheits - und Sozialwesen (54 Prozent) und das Verarbeitende Gewerbe (52 Prozent) liegen über dem Durchschnitt. Am unteren Ende der Skala rangiert die Land - und Forstwirtschaft, einschließlich Fischerei mit lediglich zehn Prozent. Ebenfalls gering ist die Bindung in der Kunst-, Unterhaltungs- und Erholungsbranche sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen (jeweils 21 Prozent) und im Gastgewerbe (23 Prozent). Moderate Unterschiede zwischen Bundesländern Auch zwischen den Bundesländern bestehen Unterschiede. Bremen wies mit 56 Prozent die höchste Tarifbindung aus, gefolgt vom Saarland (52 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (51 Prozent). Die geringste Bindung verzeichnete Sachsen mit 42 Prozent. "Tarifverträge sind der wichtigste Garant für gute Löhne und Arbeitsbedingungen", sagte Thorsten Schulten, Tarifexperte am WSI. Sie leisteten einen wesentlichen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt. "Deshalb ist es erschreckend, dass nicht einmal mehr die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland noch durch einen Tarifvertrag geschützt wird." Das Ende Februar vom Bundestag beschlossene Tariftreuegesetz, das öffentliche Aufträge des Bundes künftig an die Einhaltung von Tarifbedingungen knüpft, könne laut Schulten "nur ein erster Schritt sein". Das Gesetz war ein zentrales Vorhaben der schwarz-roten Koalition .