Zeit 20.03.2026
08:09 Uhr

Problematische Inhalte in Klassenchats: Lehrerverband sieht mögliche WhatsApp-Regulierung für Kinder skeptisch


Bundesbildungsministerin Karin Prien hat sich für eine Regulierung von Messengerdiensten wie WhatsApp ausgesprochen. Der Lehrerverband hält das nicht für umsetzbar.

Problematische Inhalte in Klassenchats: Lehrerverband sieht mögliche WhatsApp-Regulierung für Kinder skeptisch
Der Deutsche Lehrerverband bezweifelt, dass eine Regulierung von Messengerdiensten wie WhatsApp umsetzbar ist. "Ein generelles Verbot oder weitreichende Nutzungseinschränkungen" seien "in der Praxis kaum realistisch", sagte der Präsident des Verbandes, Stefan Düll, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Zuvor hatte sich Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) im WDR für einen solchen Schritt ausgesprochen. "Ich glaube, wir müssen nicht nur über Social-Media-Regulierung, sondern auch über Messengerdienstregulierung sprechen", sagte Prien. Hintergrund ist eine Umfrage unter Kindern und Jugendlichen von Infratest dimap im Auftrag des WDR. Dabei ging es um belastende Inhalte in Klassenchats , wie etwa Beleidigungen und Mobbing. Jedes dritte Kind gab dabei an, schon belastende Inhalte in Klassenchats gesehen zu haben. Die Erfahrungen reichen der Umfrage zufolge von Beleidigungen oder Bloßstellungen von Schülern oder Lehrkräften über Ausgrenzung und Hass bis zu Nacktaufnahmen. Experte: Haben Kinder und Jugendliche zu lange allein gelassen im digitalen Raum "Solche Fälle kommen vor und werden an Schulen durchaus als belastend erlebt", sagte Düll. Gleichzeitig sei es schwierig, aus diesen Einzelfällen den tatsächlichen Gesamtumfang problematischer Inhalte in Klassenchats zuverlässig abzuschätzen. "Eine systematische Beobachtung findet nicht statt, da Lehrkräfte bewusst nicht in diesen Chats vertreten sind." Als Grund hierfür nannte Düll datenschutzrechtliche Hindernisse: Lehrer und Schulleiter bekämen erst dann Einblick in Klassenchats , wenn es zu Beleidigungen und Bedrohungen komme und Schüler und Eltern die Chats dann vorlegten. Der Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger kritisierte, dass Kinder und Jugendliche seit mindestens zwei Generationen im digitalen Raum komplett alleingelassen worden seien . "Wir haben zugelassen, dass sie mit extremistischen Inhalten, mit gewalttätigen Inhalten und mit pornografischen schweren Delikten konfrontiert werden", sagte der Leiter des Instituts für Cyberkriminologie an der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg dem WDR.