Zeit 02.06.2026
11:06 Uhr

Jeffrey Epstein: Jeffrey Epstein soll Missbrauchsopfer über Modelagenten gefunden haben


Junge Europäerinnen wurden einem Medienbericht zufolge von Mittelsmännern Jeffrey Epsteins aktiv angeworben. Ihnen wurde demnach eine Modelkarriere versprochen.

Jeffrey Epstein: Jeffrey Epstein soll Missbrauchsopfer über Modelagenten gefunden haben
Im Auftrag von Jeffrey Epstein sollen mehrere vermeintliche Modelscouts in Europa Missbrauchsopfer gesucht haben. Das geht aus Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung (SZ ) hervor. Durch die Auswertung der vom US-amerikanischen Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten und weiterer Dokumente konnte der Rechercheverbund eigenen Angaben zufolge 19 Europäerinnen namentlich identifizieren, die Epstein offenbar über diesen Weg getroffen haben. Zudem sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Die Masche funktionierte den Recherchen zufolge immer ähnlich: Die vermeintlichen Scouts sprachen demnach in ganz Europa junge, attraktive Frauen gezielt an und stellten ihnen eine Modelkarriere in Aussicht. Die Frauen sendeten den Medien zufolge anschließend Fotos von sich an die Scouts, die diese an Epstein weiterleiteten – häufig unter Angabe von Nationalität und Alter. Einer der Scouts soll demnach Epstein zwischen 2005 und 2019 Fotos von mindestens 52 verschiedenen Frauen geschickt haben. Hätten Epstein die Fotos gefallen, sei in der Regel ein Kennenlerngespräch über Skype oder an einem von Epsteins Wohnsitzen vereinbart worden, berichteten WDR, NDR und SZ . Dann habe der Missbrauch begonnen. Jung, weiß, nicht tätowiert, keine Piercings Wie die SZ schreibt, sind manche Frauen später »aussortiert« worden, wenn sie Epstein nicht mehr genügten oder ihm zu alt wurden. Andere hingegen seien jahrelang in seiner Gunst verblieben, indem sie ihm ihrerseits weitere Frauen »lieferten«. Seine Kriterien seien gewesen: jung, weiß, nicht tätowiert, keine Piercings, dünn, möglichst jugendlicher Körperbau. Daran habe sich auch nichts geändert, nachdem Epstein 2008 in Florida wegen Anstiftung zur Prostitution zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt worden war. Eine zentrale Rolle in Epsteins Netzwerk soll den Berichten zufolge der Modelagent Jean-Luc Brunel gespielt haben. Er vermittelte Epstein den Zugang zu vielen Frauen, wie auch die ZEIT kürzlich berichtet hatte . Vor seinem Tod warfen mehrere Topmodels Brunel Vergewaltigung vor. Französische Ermittler untersuchen seinen Fall nun erneut . Bislang warf die Staatsanwaltschaft ihm vor, »den Transport und die Unterkunft von jungen Mädchen oder jungen Frauen für Jeffrey Epstein organisiert« zu haben – bis zum Jahr 2015, als sich die beiden Männer offenbar zerstritten. Tod wenige Wochen nach der Festnahme Epstein war ein US-amerikanischer Multimillionär und Sexualstraftäter. Nach Erkenntnissen des FBI und des US-Justizministeriums soll er über Jahre mehr als 1.000 Minderjährige und junge Frauen missbraucht haben. Teilweise soll er die Opfer auch an Prominente weitervermittelt haben. Nach einer ersten, überraschend milden Verurteilung im Jahr 2008 in Florida wurde Epstein 2019 erneut festgenommen und auf Bundesebene angeklagt. Wenige Wochen später fand man ihn tot in seiner Gefängniszelle in Manhattan . Laut Gerichtsmedizin beging er Suizid . Aufgrund des Ausmaßes der Taten ist das öffentliche Interesse an dem Fall immens. Insbesondere die Kontakte Epsteins zu zahlreichen Prominenten wie Bill Clinton , Bill Gates und Andrew Mountbatten-Windsor sowie Epsteins Tod in seiner Gefängniszelle sorgen für zahlreiche Spekulationen. US-Präsident Donald Trump , der selbst in den Epstein-Unterlagen auftaucht und Kontakt zu dem Straftäter hatte, versprach im Wahlkampf Aufklärung sowie die Veröffentlichung der Ermittlungsakten. Nach seinem Amtsantritt gab das US-Justizministerium allerdings nur unsystematisch und in kleinen Schritten Informationen zum Fall Epstein heraus. Dafür wurde Trump auch von seiner eigenen Anhängerschaft kritisiert.