Zeit 27.05.2026
18:23 Uhr

Israelische Angriffe im Libanon: Bewohner von libanesischer Küstenstadt fliehen nach Norden


Israel weitet seine Angriffe im Südlibanon aus. In der Küstenstadt Tyros flüchten die Menschen in Panik an den Strand. Richtung Norden bilden sich lange Staus.

Israelische Angriffe im Libanon: Bewohner von libanesischer Küstenstadt fliehen nach Norden
Israels Armee hat erstmals seit Verkündung der Waffenruhe im Libanon fast alle Einwohner der Küstenstadt Tyros und umliegender Orte zur Flucht aufgerufen. Als Grund nannte ein Militärsprecher auf X bevorstehende Angriffe gegen die Terrormiliz Hisbollah. Er forderte die Menschen auf, sich nördlich des Sahrani-Flusses zu begeben, der etwa 40 Kilometer von der israelisch-libanesischen Grenze verläuft. Unter den Einwohnerinnen und Einwohnern von Tyros brach Panik aus. Viele flüchteten sich an den Strand. Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur dpa, wie sich lange Staus in Richtung Norden bildeten. Zuvor hatte das israelische Militär bereits Bewohner der Stadt Nabatäa und anderer Orte im Süden des Libanons zur Flucht aufgerufen. Tyros liegt deutlich hinter der Pufferzone Libanesische Sicherheitskreise deuteten den Evakuierungsaufruf für die Bewohner in Tyros als Zeichen dafür, dass die israelische Armee den Umfang ihrer Einsätze ausweiten wolle. Bereits am Dienstag hatte Israel angekündigt, auch nördlich der sogenannten gelben Linie im Süden des Libanon anzugreifen. Mit der gelben Linie meint die israelische Armee die Abgrenzung zu einer Art Pufferzone im Süden des Libanon , die rund zehn Kilometer hinter der Grenze liegt. Tyros liegt zwanzig Kilometer hinter der israelisch-libanesischen Grenze. Die aktuelle Waffenruhevereinbarung, die seit Mitte April gilt , erlaubt Israel Verteidigungsmaßnahmen gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe. Sie untersagt jedoch offensive Einsätze auf libanesischem Gebiet. Die Konfliktparteien werfen sich gegenseitig vor, gegen diese Vereinbarung zu verstoßen. Israels Militär meldet Drohnenangriffe in Nordisrael An diesem Mittwoch kam es erneut zu schweren israelischen Luftangriffen im Süden und im Osten des Libanon, unter anderem im Gebiet um die Stadt Nabatäa. In Gebieten nahe der Stadt Baalbek wurden mindestens sieben Luftangriffe gemeldet. Zu Toten und Verletzten gibt es bisher keine Angaben. Israels Militär meldete erneut Einschläge von Sprengstoffdrohnen aus dem Libanon in Nordisrael. In mehreren Gegenden dort heulten die Warnsirenen. Zudem habe die Armee auch »verdächtige Flugobjekte« in der Nähe von israelischen Soldaten im Südlibanon registriert. Mindestens eines sei abgefangen worden. Die israelische Regierung hatte Ende März 2026 angekündigt, nach Ende des Krieges gegen die Hisbollah-Miliz das Gebiet im Süden des Libanon bis zum Fluss Litani langfristig besetzen zu wollen. Die Vertriebenen aus dem Gebiet sollen demnach vorerst nicht in ihre Heimat zurückgelassen werden. Die schiitische Hisbollah gilt als Stellvertreter des Iran. Gegen die Organisation geht die israelische Armee im Südlibanon bereits seit Längerem vor.