Zeit 09.03.2026
02:55 Uhr

Iran: Chameneis Sohn Modschtaba zum neuen Obersten Führer Irans ernannt


Das iranische Regime hat einen neuen Obersten Führer gewählt: Modschtaba Chamenei. Der Präsident und die Islamische Revolutionsgarde sprechen ihm ihre Unterstützung aus.

Iran: Chameneis Sohn Modschtaba zum neuen Obersten Führer Irans ernannt
Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten iranischen Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei , wird dessen Nachfolger und damit Anführer des iranischen Regimes. Das Gremium für die Ernennung hatte bereits am Vormittag mitgeteilt, sich auf einen Nachfolger Ali Chameneis geeinigt zu haben – nannte den Namen des neuen Anführers zunächst aber nicht. Der Expertenrat habe "trotz der akuten Kriegssituation und der direkten Drohungen der Feinde" keinen Augenblick gezögert, hieß es in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur Irna veröffentlichten Mitteilung des Gremiums. Die Entscheidung sei nach "sorgfältigen und umfassenden Prüfungen" erfolgt. Modschtaba Chamenei hat bereits enge Verbindungen zu der einflussreichen Revolutionsgarde (IRGC). Insidern zufolge hat er sich als "Torwächter" seines Vaters eine Schlüsselposition ⁠im politischen und sicherheitspolitischen Gefüge erarbeitet, ohne je ein formelles Regierungsamt bekleidet zu haben, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. "Er hat einen starken Rückhalt innerhalb der IRGC, insbesondere bei der jüngeren, radikalen Generation", sagte demnach Kasra Aarabi von der US-Organisation United Against Nuclear Iran. Modschtaba Chamenei agiere bereits wie ein "Mini-Oberhaupt". Der Präsident lobt die Wahl Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hielt Modschtaba Chamenei sich während des Angriffs am vergangenen Samstag vor einer Woche, bei dem sein Vater und weitere Familienmitglieder und Führungskräfte getötet wurden , nicht in Teheran auf. Der iranische Präsident Massud Peseschkian begrüßte die Wahl Modschtaba Chameneis. "Diese wertvolle Entscheidung zeigt den iranischen Willen, die nationale Einheit zu stärken", sagte er laut Nachrichtenagentur Reuters. Die iranische Revolutionsgarde sagte dem neuen Anführer umgehend ihre Gefolgschaft zu. Auch die Huthi-Rebellen im Jemen äußerten sich positiv zu der Ernennung. "Wir gratulieren der Islamischen Republik Iran, ihren Anführern und ihrem Volk, zur Wahl von (…) Modschtaba Chamenei als oberstem Anführer der Islamischen Revolution in dieser wichtigen und entscheidenden Phase", teilte die vom Iran finanzierte jemenitische Miliz im Onlinedienst Telegram mit. Die Wahl sei ein "neuer Sieg für die Islamische Revolution und ein vernichtender Schlag gegen die Feinde der Islamischen Republik und die Feinde der Nation", schrieben die Huthis. Oberster Führer hat höchste Machtposition inne Das geistliche Oberhaupt ist die höchste politische und religiöse Autorität im Iran. Der sogenannte Oberste Führer hat in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort. Seine Macht beruht gemäß der Staatsideologie auf der sogenannten Welayat-e Fakih, der Herrschaft eines islamischen Rechtsgelehrten. Der Oberste Führer ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, ernennt Schlüsselpositionen in Justiz und Militär und kontrolliert mächtige Gremien. Eine festgelegte Amtszeit gibt es nicht. Kritiker sehen in der Institution eine kaum kontrollierbare Machtposition. Seit dem Sturz des Schahs und der Ausrufung der Islamischen Republik 1979 hat es nur zwei geistliche Oberhäupter im Iran gegeben: Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini und Ajatollah Ali Chamenei. 2024 hatte Ali Chamenei eine Art Thronfolge – wie bei der Schah-Herrschaft – noch abgelehnt. Trump hatte Chameneis Nachfolger gedroht Vor der offiziellen Bekanntgabe hatte US-Präsident Donald Trump dem zu dem Zeitpunkt noch unbekannten künftigen Obersten Führer des Iran gedroht . Ohne die Zustimmung der US-Regierung werde sich der nächste Oberste Führer des Iran "nicht lange halten", sagte Trump dem US-Sender ABC News. Modschtaba Chamenei wurde 1969 als zweiter Sohn des Ende Februar getöteten Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei in der nordöstlichen Pilgerstadt Maschhad geboren. In seiner Kindheit erlebte er den Sturz der Monarchie. Das Ereignis mündete 1979 in der Islamischen Revolution. Mit 18 Jahren trat er in den letzten Jahren des Iran-Irak-Kriegs der Revolutionsgarde bei. Sein Vater, damals noch Präsident, hatte sich bereits im iranischen Machtzentrum positioniert. Modschtaba Chamenei entschied sich schließlich für den Weg der schiitischen Theologie und studierte bei konservativen Gelehrten in Ghom, dem spirituellen Zentrum des Iran. Laut einer Untersuchung der Finanznachrichtenagentur Bloomberg hat Modschtaba Chamenei durch den Aufbau eines umfangreichen Netzwerks von Briefkastenfirmen im Ausland ein beträchtliches Vermögen angehäuft. Westlichen Geheimdiensten zufolge verfügt Chamenei demnach über rund 100 Millionen US-Dollar (rund 86 Millionen Euro). Laut Bloomberg wurden Chameneis Einnahmen aus dem Ölverkauf über Briefkastenfirmen in Steueroasen in britische Luxusimmobilien, Hotels in Europa und Immobilien in Dubai investiert. Alle weiteren Entwicklungen lesen Sie in unserem Liveblog .