Zeit 08.10.2026
22:18 Uhr

Fall Maricarmen: Nach Seniorin-Tod neue Proteste gegen Wohnkrise in Spanien


Fall Maricarmen: Nach Seniorin-Tod neue Proteste gegen Wohnkrise in Spanien
Zehntausende Menschen haben in Spanien an die aus ihrem Zuhause vertriebene und nur zwei Wochen sp\u00e4ter verstorbene 87-j\u00e4hrige Maricarmen Abascal erinnert - und dabei erneut lautstark gegen Zwangsr\u00e4umungen und Wohnungsnot demonstriert. In Madrid marschierten die Demonstranten am Abend von einem Protestcamp auf der Puerta del Sol zur einstigen Wohnung der Rentnerin im Stadtteil Retiro. Gedenkm\u00e4rsche gab es am Abend nicht nur in der Hauptstadt, sondern in vielen anderen St\u00e4dten des Landes. Die Polizei sch\u00e4tzte die Teilnehmerzahl allein in Madrid auf mindestens 20.000. Die Menschen skandierten dort unter anderem \u00abGeier raus aus unseren Vierteln!\u00bb und \u00abWir alle sind Maricarmen!\u00bb \u00abDer Fall Maricarmen\u00bb war landesweit zum Ausl\u00f6ser und zum Symbol des Kampfes f\u00fcr bezahlbaren Wohnraum geworden. Die Seniorin war erst vor zwei Wochen unter Polizeieinsatz aus der Wohnung geholt worden, in der sie seit gut 70 Jahren gelebt hatte. Am Mittwoch war sie dann v\u00f6llig unerwartet gestorben. Die Zwangsr\u00e4umung der Rentnerin hatte umgehend riesige Emp\u00f6rung und eine landesweite Protestbewegung ausgel\u00f6st. Seitdem gibt es immer wieder Demonstrationen mit Zehntausenden Teilnehmern. In Madrid und auch anderswo entstanden Protestcamps. F\u00fcr den 11. November ist inzwischen ein landesweiter Generalstreik f\u00fcr bezahlbares Wohnen angek\u00fcndigt. \u00abDie Immobilienspekulanten haben Maricarmen umgebracht\u00bb Die Teilnehmer der j\u00fcngsten Demonstration in Madrid z\u00fcndeten auf dem Protestcamp und vor dem langj\u00e4hrigen Wohnhaus Maricarmens Kerzen an. Andere legten Blumen nieder, hinterlie\u00dfen schriftliche Beileidsbekundungen oder \u00e4u\u00dferten sich ebenso best\u00fcrzt und traurig wie emp\u00f6rt vor TV-Kameras. Unmittelbar nach ihrer Zwangsr\u00e4umung war die Rentnerin am 23. September ins Krankenhaus eingeliefert worden. Kurz vor ihrem Tod war eine Vereinbarung erzielt worden, die ihr die R\u00fcckkehr in die Wohnung erm\u00f6glicht h\u00e4tte. Dazu kam es nicht mehr. Ihr Tod macht sie f\u00fcr viele zu einer M\u00e4rtyrerin. \u00abDie Immobilienspekulanten haben Maricarmen umgebracht\u00bb, sagte die Sprecherin des spanischen Mieterverbandes, Alicia del R\u00edo, im spanischen Fernsehen. Zwangsr\u00e4umung der Seniorin f\u00fchrt zur Neuwahl des Parlaments Kurz nach der Todesnachricht waren am Mittwochabend bereits Hunderte Menschen spontan zum Parlamentsgeb\u00e4ude gezogen. Dort waren am vergangenen Freitag Regierungsdekrete der linken Regierung f\u00fcr mehr Mieterschutz an der Mehrheit konservativer und rechtspopulistischer Parteien gescheitert. Der sozialistische Ministerpr\u00e4sident Pedro S\u00e1nchez setzte daraufhin f\u00fcr den 29. November eine vorgezogene Parlamentswahl an. Die Wohnungsnot geh\u00f6rt zu den dr\u00e4ngendsten sozialen Problemen Spaniens. In vielen St\u00e4dten sind die Mieten stark gestiegen, bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper. Die spanische Zentralbank sch\u00e4tzte das Wohnungsdefizit im ganzen Land zuletzt auf insgesamt circa 750.000 Einheiten. \u00a9 dpa-infocom, dpa:261007-930-805952/3