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29.05.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Freitag – Mit einem unveröffentlichten Manuskript von James Krüss, den Chancen Deutschlands auf Olympia und Militärübungen am Flughafen

Liebe Leserin, lieber Leser, ich möchte heute ein paar Zeilen über Hauptgerichte schreiben. Und das, obwohl sich etwas in mir dagegen sträubt. Schon das Wort klingt in meinem Ohr piefig, wie »Butterbrot« oder »Untersetzer«. Dann das ganze Konzept eines Menüs, das sich von Gang zu Gang bis zu seinem Höhepunkt steigert – Alte-Leute-Kram, oder? Wer heute als Gastwirt cool sein will, stellt seinen Gästen ein paar Teller in die Tischmitte zum Teilen (was nebenbei viel Arbeit spart). Aber die klassische Speisefolge verrät viel über ein Restaurant. Mit einer Vorspeise Eindruck zu schinden, gelingt vielen Köchen. Beim Hauptgang aber helfen keine Effekte mehr. Da muss man etwas komponieren, das einen schon halb satten Esser auch beim zehnten Bissen noch überzeugt. So ein Gericht durfte ich vor Kurzem erleben. Das war im jfk, einem recht neuen Lokal-im-Lokal innerhalb der Bullerei. Die beiden Betreiber, aus deren Initialen sich der Name zusammensetzt, werben (oder verschrecken) mit dem Slogan »F@#k off fine dining«. Und das eklektische Eigenbau-Ambiente mit der sehr offenen Küche passt auch gut dazu. Aber was auf den Tisch kommt, ein Fünf-Gänge-Überraschungsmenü, ist eindeutig Fine Dining: Yakitori vom Maibock, gratinierte Stab- und Venusmuscheln mit Sanchopfeffer und Entenfett … solche Sachen. Außerdem das neue Trendgericht Toast Hawaii – kein Highlight hier übrigens. Erzählen wollte ich aber vom Hauptgang: Congee. Das ist diese schlabbrige Reissuppe, die es in China zum Frühstück gibt – hätte ich niemals bestellt. Aber die Version von Kevin Bürmann ist sensationell. Er nimmt als Grundlage Graupen, die er mit östlichen Aromen anreichert, aber auch hamburgisch mit kleinsten Stücken von Röstkartoffeln und Aal. Und das Grüne da – Spinat? Nein, eine immense Menge von scharf eingelegtem Thai-Basilikum. Bei dieser wilden Mischung schmeckt jeder Löffel anders. Daran erkennt man ein gutes Hauptgericht. Und am guten Hauptgericht meistens ein gutes Restaurant. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier PS: Seit gestern können Sie am Kiosk die neue Ausgabe der ZEIT kaufen – wie immer Ende des Monats mit eigenem Hamburg-Teil. Dieses Mal haben wir für Sie daraus eine Kultur-Spezialausgabe gemacht – denn nie gab es im Juni so viele spektakuläre Veranstaltungen in Hamburg wie in diesem Jahr. Wieso dem so ist und worauf Sie sich freuen können, das erfahren Sie darin auch. Was heute wichtig ist Die Luftwaffe plant zwischen dem 8. und dem 12. Juni eine Militärübung am Hamburger Flughafen . Sechs Tornado-Kampfflugzeuge sollen dort Starts und Landungen trainieren. Ziel sei laut einer Sprecherin des Flughafens, die Zusammenarbeit mit zivilen Einrichtungen zu stärken und die Verteidigungsfähigkeit im Bündnisfall realitätsnah zu üben. Der zivile Flugverkehr soll davon nicht beeinträchtigt werden. 43 Jahre nach dem Mord an einer trans Frau (Z+) in Hamburg hat das Landgericht einen Angeklagten zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Die Strafkammer sprach den heute 62 Jahre alten Mann in einem Indizienprozess schuldig. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Hamburger Otto Group hat ihren Gewinn im jüngsten Geschäftsjahr nahezu verdoppelt . Grund dafür ist laut Konzernchefin Petra Scharner-Wolff vor allem das Wachstum der Plattform otto.de. Wie aus dem jüngsten Geschäftsbericht des Konzerns hervorgeht, ging der Umsatz hingegen um rund 7,4 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro zurück, was mit dem Verkauf des Onlinemodehändlers About You an Zalando zusammenhängt. Die Zahl der Beschäftigten sank um ungefähr 1.500 auf rund 34.800. Die Fertigstellung der neuen Müllverbrennungsanlage am Volkspark verzögert sich . Auch der für den Bau des Zentrums für Ressourcen und Energie (ZRE) freigegebene Kostenrahmen von 534 Millionen Euro ist der Umweltbehörde zufolge nicht mehr zu halten. Das ZRE ist ein wichtiger Baustein der Hamburger Wärme- und Energiewende. Auswirkungen auf die geplante Abschaltung des Kohle-Heizkraftwerks Wedel haben die Verzögerungen laut Senat aber nicht. Bei einem Verkehrsunfall ist am Mittwochmorgen in Winterhude ein neunjähriges Mädchen schwer verletzt worden. Das Kind war mit einem Roller auf einem Fahrradstreifen unterwegs und wurde beim Überqueren einer grünen Ampel von einem abbiegenden Kleinwagen erfasst. Der Fahrer oder die Fahrerin flüchtete. Die Polizei sucht nach Zeugen. Nachricht des Tages Kurz vor der Hamburger Olympia-Abstimmung zieht Michael Mronz, der seit 2023 Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ist, in der ZEIT Bilanz zum Wettbewerb zwischen Hamburg, Berlin, München und dem Ruhrgebiet. Mronz äußert sich dabei unter anderem zur Forderung von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher, durch Olympia Bundesförderungen für Großprojekte nach Hamburg zu holen – und nicht den Bayern zu überlassen. »Ich kann seine Argumentation nachvollziehen, blicke gleichzeitig etwas differenzierter darauf«, sagt Mronz im Interview mit der ZEIT. »Wir werden international nur erfolgreich sein, wenn wir es wirklich professionell angehen und jenseits von bestimmten Orten als ganzes Land mit einer Stimme sprechen.« Am Sonntag noch können die Hamburgerinnen und Hamburger in einem Referendum darüber abstimmen, ob sich die Stadt für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben darf. Die Wahllokale dafür sind bis 18 Uhr geöffnet. Mronz ist Sportmanager und Unternehmer, er vertritt das IOC in Deutschland und ist zudem Präsidiumsmitglied des Deutschen Olympischen Sportbunds. Am 26. September wird er – mit einer von 123 Stimmen – mitentscheiden, welcher der vier deutschen Bewerber um die Ausrichtung der Spiele ins internationale Rennen gehen soll. Mronz sieht zwar eine »veritable Chance« dafür, dass überhaupt eine deutsche Stadt den Zuschlag bekommt. Ein Schwachpunkt Deutschlands aber sei, dass sich das Land schwertue, Projekte erfolgreich und fristgerecht umzusetzen. »Aber wenn wir die Spiele für 2040 bekämen, müssten alle Themen, die wir uns vornehmen, bis dahin fertig sein.« Warum Michael Mronz glaubt, dass Deutschland im internationalen Sport viel Vertrauen verloren hat, wie er die anderen – nationalen und internationalen – Konkurrenten für die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 und 2044 sieht, lesen Sie im vollständigen Interview von ZEIT-Redakteur Christof Siemes mit Michael Mronz auf zeit.de (Z+) . Aus Hamburg »Ich kenne James’ Handschrift sehr gut« Man sagt, dass der berühmte Kinderdichter James Krüss es liebte, rauschende Feste auszurichten. Seinen 100. Geburtstag am 31. Mai kann er aber nicht mehr feiern, Krüss starb im Sommer 1997. Seine Heimatinsel Helgoland aber richtet an dem Tag ein großes Kinderfest aus . Und der Hamburger Oetinger Verlag bringt anlässlich seines Geburtstags ein neues Buch heraus – denn Silke Weitendorf, die viele Jahre lang den Verlag leitete, fand in ihrem Keller in Hamburg-Duvenstedt ein bislang unveröffentlichtes Manuskript von ihm. Über die Geschichte des Buchs »Die Haiteks« schreibt ZEIT-Redakteurin Katrin Hörnlein, lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem Text: Wenn Silke Weitendorf in ihrem Keller steht und »Oioioi« sagt, dann hat sie einen Schatz gefunden. Manchmal ist es ein kleiner, ein Brief oder ein Foto. Vor zwei Jahren aber stieß sie auf etwas Großes: einen unbekannten Text des berühmten Helgoländer Kinderdichters James Krüss. Wie gut, dachte Weitendorf damals, wenn man nicht voreilig Dinge wegwirft. Weitendorf ist die Tochter der Verlegerin Heidi Oetinger, nach ihrer Mutter führte sie die Geschäfte des renommierten Oetinger Verlags. 60 Jahre lang war das Familienunternehmen in Hamburg-Duvenstedt zu Hause, im Verlegerhaus übernachteten berühmte Gäste wie Astrid Lindgren. Die Oetingers waren mit vielen ihrer Autoren nicht nur geschäftlich, sondern auch freundschaftlich verbunden. 85 Jahre alt ist Weitendorf im April geworden, die Leitung des Familienunternehmens hat sie längst an ihre Tochter Julia Bielenberg übergeben. Die zog 2020 mit dem Verlag nach Hamburg-Altona. Ihre Mutter blieb in Duvenstedt und gründete in der alten Villa, dem »Heidi-Haus«, eine Stiftung zur Förderung der Kinderliteratur. Das Fundament dieser Stiftung ist ein reicher Fundus an Büchern und Briefen, Fotos und Illustrationen aus inzwischen 80 Jahren Verlagsgeschichte. Vieles davon lagert im Keller – und ist noch nicht gesichtet. Deshalb stand Weitendorf vor zwei Jahren dort unten und sagte »Oioioi«. Dieses Mal hatte sie einen echten Schatz gehoben. In einem Umschlag war sie auf eine blaue Mappe gestoßen, eine Art Schnellhefter. Darin lagen zwei Kopien eines Textes von James Krüss mit dem Titel »Die Haiteks«. Getippt auf einer Schreibmaschine. Weitendorf begann zu lesen und wunderte sich. In Die Haiteks erzählt Krüss davon, wie der Mensch sich von Technik und Konsum abhängig macht. Die Geschichte war ihr vollkommen unbekannt. Sie recherchierte und fragte vorsichtig herum. Doch nirgends war etwas zu diesem Text zu finden. Wo kam er her? Und wie war er im Heidi-Haus gelandet? Was Silke Weitendorf über den Text herausgefunden hat, und warum sie nicht glaubt, dass er das Buch 1991 geschrieben hat, obwohl die Jahreszahl auf dem Manuskript steht, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? Der große Durchbruch Im August 2021 bohrten sich Unbekannte in den Tresorraum einer Bank in Norderstedt und plünderten 600 Schließfächer. Nun forderten die Kunden vollen Schadensersatz – und scheiterten vor Gericht. ZEIT-Autorin Elke Spanner war bei der Urteilsverkündung dabei. → Zum Artikel (Z+) Darauf können Sie sich freuen Am kommenden Sonntag lädt die Hauptkirche St. Nikolai zu einem Abend mit Buchvorstellung, Musik, Lesung und Gespräch ein: »Auf den Spuren von Paul Gerhardt« . Anlass ist der 350. Todestag des barocken Kirchenlieddichters, dessen Lieder bis heute zum Kernbestand geistlicher Musik zählen. Im Zentrum steht eine Lesung und ein Gespräch über das Leben und die bleibende Bedeutung Paul Gerhards. Musikalisch gestalten der Chor St. Nikolai, das Männervokalensemble Vocallegro und der Engelchor von St. Nikolai den Abend. »Auf den Spuren von Paul Gerhardt«, 31. Mai, 17 Uhr; Hauptkirche St. Nikolai am Klosterstern, Harvestehuder Weg 118; um Anmeldung wird gebeten , telefonisch 040/441134-0 oder über info@hauptkirche-stnikolai.de Meine Stadt Hamburger Schnack Frühmorgens in der U1. Ein Beagle durchbricht die Stille mit mehrfachem Bellen, obwohl kein anderer Hund oder auch sonst keine »Bedrohung« zu sehen ist. Andere Passagierin: »Da riecht jemand nach Katze.« Gehört von Wiebke Neelsen Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .