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05.06.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Freitag – Mit Hamburgs Phototriennale, der Rettung des Schanzenzelts und vielen jungen Störchen

Liebe Leserin, lieber Leser, was bringt man sich für die Küche mit von einem Ausflug ins Alte Land? Erdbeeren, hätte ich gesagt. In der Saison natürlich Äpfel. Vielleicht auch Fisch aus der Elbe oder den letzten Spargel. Worauf ich nicht gekommen wäre, ist Essig. Der hat ja durchaus seinen Platz in norddeutschen Speisen von Rollmops bis Grünkohl. Doch die Manufakturen, die richtig guten erzeugten, lagen alle weit entfernt in Süddeutschland und Österreich. Danny Riewoldt ist der Mann, der das geändert hat. Bis 2024 führte er, mehr oder minder allein mit seiner Frau Kerstin, das beste Restaurant der Gegend, Die Mühle in Jork. Heute betreiben die beiden mit dem gleichen Perfektionismus ein paar weniger aufreibende Projekte von daheim aus, in ihrer Jorker ZeiT-Genusswerkstatt (die mit unserem Verlag ausdrücklich nichts zu tun hat). Die Idee mit dem Essig kam Riewoldt im Lockdown, als er einige Fässer Bier verwerten musste. Man kann ja aus jedem Saft Essig brauen, wenn er nur genug Zucker oder Alkohol enthält. Die ersten Flaschen nutzte der Koch zur Verfeinerung seiner Gerichte. Mittlerweile wird fast alles verkauft, online oder vor Ort. Besuchern zeigt Riewoldt gern seinen Keller, der blitzsauber, aber trotzdem ein bisschen unheimlich ist. Die Fermentation braucht nun mal reichlich Bakterienschlabber, die sogenannte Essigmutter. Wenn Riewoldt sagt, dass sein Essig »lebt«, heißt das auch: Er gehört in den Kühlschrank. Nun kann man natürlich immer fragen, ob die Welt Bieressig braucht, Zwetschgen- oder Spargelessig. Aber er schmeckt (mein Favorit: Sauerkirsch) – und das nicht bloß irgendwie gut, sondern nach dem Alten Land, aus dessen Früchten er gemacht ist, ohne alle Chemie. Und man hat länger etwas davon als von Erdbeeren oder Fisch. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, oder wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an hamburg@zeit.de . WAS HEUTE WICHTIG IST Hamburg steuert auf ein Storchen-Rekordjahr zu: Im Stadtgebiet leben derzeit 56 Storchenpaare. Der Naturschutzbund Nabu rechnet damit, dass 2026 noch mehr Jungstörche großgezogen werden als im bisherigen Rekordjahr 2024. Die meisten Tiere leben in den Vier- und Marschlanden. Vor 50 Jahren gab es in Hamburg lediglich acht Storchenpaare. Am Sonntag werden wegen der Ironman-EM zahlreiche Straßen in Hamburg gesperrt . Die Sperrung für das Radrennen reicht nach Angaben der Veranstalter von Othmarschen über die Innenstadt und an der Norderelbe entlang bis zum Zollenspieker in Kirchwerder. Für die Laufstrecke sind viele Straßen am westlichen Ufer der Alster reserviert. Für das Schwimmen sind zudem die Binnen- und der südliche Teil der Außenalster gesperrt. Nach dem Angriff auf Vollzugsbeamte des Jugendgefängnisses Hahnöfersand bei Jork hat die Staatsanwaltschaft Hamburg Ermittlungen wegen des Verdachts der Gefangenenmeuterei aufgenommen. Das Verfahren werde gegen einen 19-Jährigen und zwei 21-Jährige geführt, sagte ein Sprecher der Justizbehörde. Bei dem Vorfall am Pfingstsamstag waren vier Bedienstete verletzt worden. Wegen eines bundesweiten Protesttags könnten am Mittwoch zwischen 8 und 10 Uhr viele Arztpraxen in Hamburg geschlossen bleiben. Ärzteverbände wenden sich gegen die geplante Gesundheitsreform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und warnen vor möglichen Folgen wie längeren Wartezeiten. Die Hamburger Energiewerke haben im vergangenen Geschäftsjahr deutlich weniger Gewinn gemacht als im Jahr zuvor. Insgesamt seien 19,3 Millionen Euro erzielt worden, teilte das städtische Unternehmen mit. Im Jahr zuvor seien es noch 48,9 Millionen Euro gewesen. Gründe für den Gewinneinbruch seien höhere Zinsaufwendungen und Abschreibungen sowie rückläufige Marktpreise. Nachricht des Tages Und Protest lohnt sich doch: 2025 stand die Kulturinitiative Schanzenzelt , die seit 1992 jeden Juni und Juli Konzerte, Kinderzirkus- und Tanzvorstellungen im Schanzenpark organisiert, vor dem Aus. Die Miete, die das Altonaer Bezirksamt für den Standort forderte, war nicht mehr tragbar. Offenbar wollte das Grünamt des Bezirks Altona das Zelt loswerden und hatte die Gebühren ab 2023 drastisch erhöht. Als das Aus bekannt wurde, organisierte die Zirkusschule Rotznasen, die jährlich im Zelt gastierte, eine Petition – und viele regionale Medien berichteten, so auch die ZEIT (Z+) . Im Juli 2025 kam dann die politische Kehrtwende. Schanzenzelt-Geschäftsführer Arne Köhler erhielt einen Anruf aus dem Bezirksamt: Man wolle nun doch über die Gebühr sprechen. Eine Woche vor dem Ende der Spielzeit fand sich Köhler im Büro des Altonaer Bezirksamtsleiters Sebastian Kloth wieder. Dort erklärte er, wie die Gastronomie des Zeltes die gemeinnützigen und kulturellen Angebote finanziert. Ein paar Tage später hieß es aus dem Bezirksamt: Das Schanzenzelt könne künftig gebührenfrei im Park gastieren. Außerdem solle es Planungssicherheit für mehrere Jahre geben. »Das ist mehr, als wir erwartet haben«, sagt Arne Köhler. Am Sonntag startet die neue Saison im Schanzenpark. Um 16 Uhr spielt die Kinderband Radau!, um 20 Uhr liest König Boris aus seinem Buch FC St. Pauli – Eine Liebeserklärung . Der ehemalige Fettes-Brot-Rapper ist bekennender Fan des Vereins und hat ihm ein eigenes Buch gewidmet. Von Christoph Twickel AUS HAMBURG »Was leisten Bilder? Und für wen?« Mark Sealy ist der neue Leiter der Phototriennale. Er will Hamburg mithilfe von Fotografie verändern. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview. Die Fragen stellte ZEIT-Redakteur Oskar Piegsa. Am 5. Juni 2026 beginnt die 9. Triennale der Photographie, ein Festival, bei dem alle großen – und viele kleinere – Ausstellungshäuser in Hamburg einen Sommer lang Fotos zeigen. Jedes Mal wird ein Kurator engagiert, um der Triennale eine Richtung zu geben. Dieses Mal ist es der Brite Mark Sealy, der in London das Fotomuseum Autograph mit aufgebaut und Ausstellungen verantwortet hat, in denen es oft um Fotografie und soziale Beziehungen ging. Das Gespräch findet im Berliner Bahnhof statt, dem Café in den Deichtorhallen. DIE ZEIT: Herr Sealy, als Motto für die Phototriennale haben Sie die Zeile aus einem Jazzsong ausgegeben: »The greatest thing you’ll ever learn / is just to love and be loved in return« . Das ist schön, aber was hat es mit Fotografie zu tun? Mark Sealy: Oh, das ist einfach: nichts! Aber lassen Sie uns über die Zeit sprechen, in der die Zeile geschrieben wurde. Damals, 1948, war der Zweite Weltkrieg gerade erst vorbei. Im selben Jahr wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte beschlossen, die Apartheid in Südafrika, die Berliner Blockade. Neue Welten entstanden, neue Rechte, aber auch neue Grenzen – und alte, imperiale Narrative lebten fort. In dieser Zeit traf Eden Ahbez, ein weißer Außenseiter und Proto-Hippie, auf den afroamerikanischen Jazzsänger Nat King Cole. Aus dieser Partnerschaft entstand ein Riesenhit: Nature Boy war ein Jazzsong, der alle sozialen Grenzen überwand und acht Wochen lang auf Platz 1 der Charts stand. ZEIT: Halten Sie unsere historische Situation für vergleichbar? Sealy: Korrekt. Für viele Menschen sind die Zeiten nie einfach, aber die letzten Jahre waren extrem: Corona-Pandemie, Krieg in Europa, Krieg im Nahen Osten, es gibt eine ganz neue Konstellation der Angst. Ich wünsche mir für uns so etwas wie diesen Song. Und da kommt die Fotografie ins Spiel, denn sie ist die Einladung, uns auf Dinge einzulassen, die uns fremd sind. Sie ermutigt uns, Unterschiede zu akzeptieren, »just to love«, ohne Bedingungen, »and be loved in return« . Es geht nicht um Schmetterlinge im Bauch, sondern um Liebe als die bewusste Entscheidung, füreinander einzustehen. ZEIT: Sie haben in Ihrem Buch Decolonizing the Camera beschrieben, wie Fotografie als Werkzeug rassistischer Gewalt diente. Man könnte zu dem Schluss kommen: Die Fotografie ist nicht mehr zu retten. Wieso halten Sie an ihr fest? Sealy: Menschen haben ein Verlangen danach, zu schauen. Deshalb sind wir von Fotos umgeben, das können wir nicht ignorieren. Die Geschichte der Fotografie ist voller Sexismus, Homophobie, Abwertung von Armen und Marginalisierten. Es gibt aber auch eine andere Geschichte der Fotografie, Menschen wie Seydou Keïta, Malick Sidibé und Samuel Fosso, die mit ihren Bildern die afrikanische Moderne feierten und den Aufbruch in die politische Unabhängigkeit. Die Frage ist also nicht: Wieso Fotografie? Sondern: Was leisten Bilder? Und für wen? Wie Mark Sealy an die Triennale der Photographie heranging, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Das Programm der Triennale, die heute beginnt, finden Sie hier online . SCHON GELESEN? 100 Dinge, die ich in der Bahn gelernt habe Etwa 15 Stunden pro Woche sitzt Martin Machowecz im Zug. Genug Zeit, um unfreiwillig zum DB-Experten zu werden. Hier seine gesammelten Weisheiten → Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Das Metropolis Kino zeigt anlässlich des 100. Geburtstags von Marilyn Monroe eine Retrospektive ihrer Filme: Mythos Marilyn . Neben den Filmvorführungen gibt es begleitend Einführungen, Filmgespräche und Diskussionen, das umfangreiche Programm läuft bis in den August. Zum Beispiel läuft am 6. Juni Asphalt Jungle von John Huston und Don’t Bother to Knock von Roy Ward Baker, zu Gast ist der Hamburger Schauspieler Jens Wawrczeck. Am 12. Juni folgt nach Billy Wilders Das verflixte 7. Jahr eine Kurzlesung von Jenni Zylka, die kürzlich eine Monroe-Monografie veröffentlicht hat. »Mythos Marilyn«, Metropolis Kino, Kleine Theaterstraße 10; das vollständige Programm finden Sie hier MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Hundebegegnung im Jenischpark: Eine Frau mittleren Alters führt einen größeren Hund an der Leine. Neben ihr geht ein Mann, der einen Maulkorb in der Hand trägt. Als das Paar einem Mann mit einem kleinen Hund begegnet, fragt dieser: »Warum hat Ihr Hund denn einen Maulkorb? Frisst er Sachen?« Während die Hunde sich beschnuppern, antwortet die Frau: »Nein, er mag keine Menschen ohne Hund.« Ihr Begleiter ergänzt: »Und keine Radfahrer.« Gehört von Dirk Liedtke Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .