Zeit 09.03.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Auch Kellner brauchen Dirigenten


Die Elbvertiefung am Montag – Mit dem Menü vom Matthiae-Mahl, den Folgen von Chameneis Tod in Hamburg und einer Promifriseurin

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Auch Kellner brauchen Dirigenten
Liebe Maria, du warst am Freitagabend einer der 400 Gäste beim Matthiae-Mahl im Rathaus und hattest vergangene Woche schon in diesem Newsletter dazu geschrieben . Viele Leserinnen und Leser wollten daraufhin mehr zum Menü wissen. Also: Was lag denn nun auf deinem Teller? Liebe Viola, Als Vorspeise gab es unter anderem Rote-Bete-Ziegenkäse-Crumble, gefülltes Ei mit Kaviar, Eisgarnelenkuchen und violettes Süßkartoffelpüree. Zum Hauptgang dann gebackenes Beef-Medaillon, Brombeer-Bordelais-Jus, gebratene Jakobsmuschel, Gelbe Bete und noch einiges mehr. Bei uns am Tisch saß Finanzsenator Andreas Dressel. Meine nette Sitznachbarin hat mir irgendwann zugeflüstert: "Der Senator hat angefangen zu essen, jetzt dürfen wir auch." Ihr wurdet von 80 Kellnerinnen und Kellnern bedient! Ja, das war schon beeindruckend. Die Kellner trugen weiße Hemden und schwarze Westen, manche auch schwarze Handschuhe. Sie kamen alle hintereinander in den Saal und stellten sich in einer Reihe hinter uns auf. Wenn dann der Chef-Kellner vorne neben dem Rednerpult seine Hände senkte, setzten alle gleichzeitig die Teller vor uns auf den Tisch. Eine Choreografie wie im Ballett. Angela Merkel und EU-Ratspräsident António Costa waren die Ehrengäste des Abends und saßen an der Tafel mit Bürgermeister Tschentscher. Die drei hielten die Reden. Was ist dir in Erinnerung geblieben? Es waren sehr staatstragende Reden, in denen es darum ging, wie wichtig demokratische Werte sind, der Rechtsstaat, ein respektvoller internationaler Handel. Und dass wir Europäer zusammenhalten müssen. Ich glaube, die Worte wären noch vor einigen Jahren als nichts Besonderes wahrgenommen worden, als selbstverständlich. Aber die Welt ist gerade eine andere, an so vielen Orten ist Krieg, selbstverständlich ist plötzlich gar nicht mehr so viel. Und das Matthiae-Mahl ist ein denkwürdiger Rahmen. Vor mehr als 30 Jahren warnte der damalige estnische Präsident Lennart Meri hier in seiner Rede vor den imperialistischen Absichten Russlands, zu Gast war auch Wladimir Putin, er war damals der stellvertretende Oberbürgermeister von St. Petersburg. Putin stürmte wütend hinaus . Sich an d iesem Abend unserer Grundwerte zu versichern, das hat doch viele bewegt. Hast du eigentlich Angela Merkel um eine signierte Serviette gebeten, wie es sich unser Kollege Michael Allmaier gewünscht hat? Nein, aber die Karte mit dem Menü habe ich ihm mitgenommen. Mal schauen, was er dazu sagt. Und damit wünschen wir Ihnen einen guten Start in die neue Woche! Ihre Viola Diem und Maria Rossbauer Was heute wichtig ist Anlässlich des Weltfrauentages am 8. März haben gestern mehrere Tausend Menschen in Hamburg demonstriert. Unter dem Motto "Internationale feministische Kämpfe vereinen" zog der Protestzug von den Landungsbrücken in Richtung Altona-Altstadt. Die Hamburgische Bürgerschaft ist das Landesparlament mit dem höchsten Frauenanteil. Laut ihrer Präsidentin Carola Veit liegt er bei 45,45 Prozent. Die SPD-Politikerin kritisierte, dass generell bislang "weder Selbstverpflichtungen der Parteien noch einzelne prominente Vorbilder das Ungleichgewicht überwunden" haben. Bei einem Brand im Hamburger Werk des Kupferproduzenten Aurubis ist ein 42-jähriger Arbeiter tödlich verletzt worden. In einer Werkshalle war laut Feuerwehr am Freitagabend heiße Schlacke auf den Gabelstapler des Mannes geflossen, wodurch das Fahrzeug in Brand geriet. Nach dem tödlichen Fahrradunfall eines 63-Jährigen am vergangenen Donnerstag haben sich an der Unglücksstelle in Moorfleet bis zu Hundert Menschen zu einer Mahnwache versammelt. Dazu aufgerufen hatte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club. Der Mann war von einem abbiegenden Lastwagen erfasst worden. Auf der U-Bahnlinie U2 fahren wegen Bauarbeiten weniger Züge: Bis Donnerstagabend verkehren sie zwischen Niendorf-Nord und Hagenbecks Tierpark nur im 20-Minuten-Takt. Aus Hamburg "Am liebsten würde ich ein Etikett in die Frisuren einnähen" Als Kind flüchtete Andrea Wolf vom Friseurstuhl. Später schnitt sie Berühmtheiten wie Helmut Schmidt, Muhammad Ali und Sylvie Meis die Haare. ZEIT-Autorin Miriam Amro war zum Interview im Salon der Promifriseurin. Lesen Sie hier einen Auszug. Der Eingang zum Salon von Andrea Wolf liegt versteckt zwischen Luxusboutiquen am Neuen Wall, in der Nachbarschaft von Prada, Dior und Cartier. Im ersten Stock der Hausnummer 15 muss man an einem grimmig schauenden Wolf auf einer rubinroten Fußmatte vorbei, dann klingeln. Andrea Wolfs Salon Wolf Hairstyling zählt zu den besten Adressen Hamburgs. In einem hohen, hellen Raum stehen sechs Ledersessel vor großen, beleuchteten Spiegeln. Seit mehr als zwei Jahrzehnten werden hier Haare geschnitten, geföhnt und Menschen verwandelt. Für das Interview lässt sich Andrea Wolf in ein schwarzes Ledersofa fallen und zündet sich eine Zigarette an, so könne sie besser denken, sagt sie. DIE ZEIT: Frau Wolf, warum liegt denn Ihr Salon so versteckt? Andrea Wolf: Ich nenne das hier die Beletage. Ist doch fürchterlich, wenn man als Kundin im Parterre beim Friseur sitzt wie auf einem Präsentierteller, die Alufolien noch im Haar. Deswegen habe ich damals gesagt, als ich mich selbstständig gemacht habe: erster Stock! Für die Privatsphäre. Aber ab und zu laufe ich selbst an meinem Eingang vorbei, auch nach 21 Jahren noch. ZEIT: Sie haben weder ein Schild an der Tür noch einen Werbeaufsteller auf der Straße. Wie wird man auf Sie aufmerksam? Wolf: Meine Kundinnen empfehlen mich weiter. Einige von ihnen werden auf der Straße angesprochen: "Sie haben aber tolle Haare und Strähnen!", heißt es dann. Am liebsten würde ich ein Etikett in die Frisuren meiner Kundinnen einnähen mit meinem Namen wie die Designer bei ihren Kleidungsstücken. ZEIT: Was glauben Sie, ist bei Ihnen besonders? Wolf: Für mich verkauft ein Friseur nicht nur einen Haarschnitt, sondern ein Erlebnis, das sollte er zumindest. Viele meiner Stammkundinnen sagen, sie würden am liebsten ihre Hausschuhe mitbringen, so wohl fühlen sie sich hier. Und sie können bei mir ihr Herz ausschütten. Ich bin absolut diskret. Warum Andrea Wolf als Kind Friseurbesuche hasste , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? Sie halten Chamenei für einen Märtyrer Was bedeutet Chameneis Tod für die schiitische Gemeinde und das inzwischen verbotene Islamische Zentrum Hamburg? Redakteur Christoph Heinemann und ZEIT-Autor Tom Kroll haben sich für diesen Text umgehört. → Zum Artikel (Z+) Darauf können Sie sich freuen Zum 100. Geburtstag von Siegfried Lenz bringen die Kammerspiele unter Regie von Kai Hufnagel eine Uraufführung auf die Bühne: "Der Überläufer", nach einem Roman, der erst 2016 veröffentlicht wurde. Es handelt sich um die Geschichte eines jungen Wehrmachtsoldaten, der in den letzten Kriegsmonaten zur Roten Armee überläuft. "Der Überläufer", ab 15.3., Hamburger Kammerspiele, Hartungstraße 9–11; Tickets und weitere Termine finden Sie hier . Meine Stadt Unterwegs am Alsterlauf. Gänse in Zweier- und Dreierformationen fliegen lauthals schreiend den Kanal entlang. Ein Mann, der mir entgegenkommt, meint mit Blick auf die Vögel: "Sabbelbüdel." Gehört von Horst-Dieter Martinkus Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .