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26.05.2026
06:00 Uhr
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Die Elbvertiefung am Dienstag – Mit vollen Stränden an der Nord- und Ostsee, einem Brand auf einem Frachtschiff und einem Podcast zum Olympia-Referendum

Liebe Leserin, lieber Leser, es war eine dieser etwas lästigen Fragen, um Zuhörer zum Mitdenken zu bewegen: »Wie viel Kilo Müll erzeugt Dänemark pro Person im Jahr?«, hatte der dänische Guide gefragt. Wir Hamburger schwiegen. Schließlich preschte Katharina Fegebank vor: »Mehr als 700 Kilo«, rief Hamburgs Umweltsenatorin und lächelte stolz: »Das habe ich mir gemerkt.« Die Zahl saß: Laut der jüngsten Statistik sind es 759 Kilo Hausmüll in Dänemark – der Nachbar ist einer der größten Müllsünder der EU. In Deutschland sind es 613 Kilo. Beide Länder schaden damit doppelt der Umwelt, denn bei der Verbrennung von Abfall entsteht Kohlendioxid. Ich merke mir das mit einer Faustformel: Pro Tonne verbrannten Mülls entsteht etwa eine Tonne CO2. Hamburg will bis 2040 klimaneutral sein, aber wie soll das klappen bei den Abfallbergen? Wie löst Dänemark das Problem denn? Mit solchen Fragen war die Grünen-Politikerin Fegebank kürzlich drei Tage nach Kopenhagen gereist, begleitet von etwa 20 Vertretern aus Firmen wie Hamburg Wasser oder der Stadtreinigung, der Wissenschaft und den Medien. An Tag zwei ging es mit dem Leihrad vom Hotel zur Müllverbrennungsanlage Amage Bakker. Fegebank strampelte auf einem rosa Rad mitten in der Gruppe und schimpfte, als einer bei Rot über die Ampel heizte. Nach einer halben Stunde erreichten wir Amage Bakker. Das silberne Gebäude mit dem schrägen Dach fällt auf, auch viele Touristen kennen es: Von oben verläuft eine künstliche Skipiste hinab. An diesem Frühlingstag nieselte es, es roch süß-faulig nach Müll. Skifahrer sah ich keine, nur Jogger trabten die Treppen zum Skilift hoch und wieder runter. Drinnen bekamen wir einen orangen Helm und eine gelbe Warnweste, Fegebank trommelte zum Foto zusammen (»Alle mal herkommen, Guys«), dann ging es ins Innere der Anlage. Ringsherum waren Rohre, Stahlbalken und Leitungen, über Metallstege und Treppen näherten wir uns dem Ziel der Führung: eine Abscheideanlage für Kohlenstoffdioxid. Pro Tag hatte diese Anlage zuletzt etwa vier Tonnen CO2 aus dem Rauchgas der Müllverbrennung separiert und dafür gesorgt, dass es nicht in die Luft geht. Das Ganze war ein Pilotversuch, gestartet im Juni 2021. Die Dänen sind uns da fast um fünf Jahre voraus: In Hamburg gibt es seit Januar ein ähnliches Pilotprojekt. Anders als viele grüne Parteikollegen befürwortet Katharina Fegebank das Speichern von CO2, die Gründe hat sie mir abends nach der Tour erklärt. Während manche schon neben der Hotelbar saßen, führte ich ein Interview mit ihr in der Lobby, Für Hamburgs Energiewende gibt es diverse Hürden, habe ich gelernt: Selbst wenn wir künftig weniger wegwerfen, laufen die Öfen der städtischen Müllverbrennungen weiter – gefüttert mit Abfall aus der Region. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Kristina Läsker Was heute wichtig ist Der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß, fordert, dass die Seehäfen auch Geld aus dem Sondervermögen des Bundes bekommen . Der CDU-Politiker schließt sich damit den Seehafenbetrieben an: Sie kämpfen dafür, dass die Häfen 15 Milliarden aus dem 300 Milliarden Euro schweren Sondervermögen bekommen, das bisher für Straßen und Schienen vorgesehen ist. Bei einem Brand auf einem Frachtschiff im Hamburger Hafen sind am Sonntagnachmittag acht Menschen schwer verletzt worden. Laut Feuerwehr waren etwa 80 Einsatzkräfte drei Stunden vor Ort. Die Brandursache ist unklar. Drei Häftlinge haben am Samstag drei Mitarbeiter des Jugendgefängnisses auf Hahnöfersand angegriffen ; zwei wurden verletzt, einer schwer. Laut Justizbehörde soll es kein Ausbruchversuch gewesen sein. Nach einem Oberleitungsschaden und einem Böschungsbrand bei Buchholz in der Nordheide wurde am Montagnachmittag die Bahnstrecke zwischen Bremen und Hamburg drei Stunden voll gesperrt . Mehr als 500 Fahrgäste aus einem Metronom mussten evakuiert werden. Das Sommerwetter hat über Pfingsten viele Menschen an Nord- und Ostsee und an Elbe und Alster gelockt. Timmendorfer Strand, Warnemünde und Binz meldeten volle Strände. Heute erwartet der DWD in Hamburg bis zu 30 Grad. AUS HAMBURG »Die Dänen sehen vieles pragmatischer« Seit dem Klimaentscheid im Herbst 2025 steht fest: Hamburg soll schon im Jahr 2040 und nicht erst 2045 klimaneutral sein. Das erhöht den Zeitdruck auf den rot-grünen Senat – und auf Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Denn Hamburg hat ein Problem: Laut einer Studie des TÜV Nord wird die Hansestadt 2040 weiterhin erhebliche Mengen schädliches CO₂ ausstoßen und damit gegen die eigenen Klimaziele verstoßen. Auf der Suche nach Lösungen ist Fegebank nach Dänemark gereist. Das Land ist einer der weltweiten Pioniere beim Abscheiden und Speichern von CO₂. Im Interview erklärt Fegebank, was die Hansestadt von Kopenhagen lernen kann – und warum sie sich vorstellen kann, Hamburger CO₂ in der dänischen Nordsee unterzubringen. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview ; die Fragen stellte ZEIT-Autorin Kristina Läsker. DIE ZEIT: Frau Fegebank, Sie waren vor Kurzem drei Tage in Kopenhagen, der Fokus der Reise lag auf dem Umgang mit klimaschädlichen CO₂-Emissionen. Was kann sich Hamburg den Dänen abschauen? Katharina Fegebank: Die Dänen haben eine positive Grundhaltung zum Klimaschutz. Sie sehen vieles pragmatischer. Kopenhagen will bis 2030 klimaneutral sein, zehn Jahre früher als Hamburg. Wir haben oft den Satz gehört: »Wir kennen das Ende nicht genau, aber wir gehen erst einmal los.« Dieser Optimismus hat mich beeindruckt. Wir in Deutschland schauen oft mehr auf die Hürden. Ich möchte lieber Lust auf Klimaschutz machen und neue Wege gehen. ZEIT: Nach einer neuen TÜV-Nord-Studie wird Hamburg allein durch seine Industrieprozesse, etwa die Müllverbrennung, 2040 noch mindestens 1,5 Millionen Tonnen CO₂ verursachen. Wie will die Stadt mit diesen Restmengen umgehen? Fegebank: Das Wichtigste ist: Wir müssen die CO₂-Emissionen so stark senken wie möglich. CO₂ zu vermeiden, ist in der Müllverbrennung aber prozessbedingt nicht möglich. Aktuell stammen aus der Verbrennung von Haus- und Gewerbemüll mehr als fünf Prozent der CO₂-Ausstöße der Stadt, das ist extrem viel. Damit Hamburg 2040 klimaneutral ist, gibt es für dieses Problem aus meiner Sicht nur einen Weg: Man muss das CO₂ aus der Müllverbrennung abscheiden, damit es nicht in die Luft gelangt. Danach könnte man es speichern und auch weiter nutzen, das ist inzwischen erlaubt. Der Bundestag hat Ende November beschlossen, dass es unterirdische CO₂-Speicher an Land und in Teilen der Nordsee geben darf. Das halte ich für richtig. ZEIT: Die Grünen-Fraktion stimmte im Bundestag im Herbst gegen die Novelle des Gesetzes zur dauerhaften Speicherung und zum Transport von Kohlendioxid. Sie aber befürworten die Speicher. Wieso schätzen Sie das anders ein als ihre Parteikollegen im Bund? Fegebank: Der Weltklimarat hält die Speicherung für ein sicheres und nötiges Instrument, um trotz unvermeidbarer Emissionen die Klimaziele zu erreichen. Ich bin davon überzeugt, dass man den Abscheideprozess sicher hinbekommt und dass man das CO₂ auch sicher unter der Nordsee speichern kann. Das novellierte Gesetz sieht zudem Schutzzonen vor, etwa das Wattenmeer, die braucht es auch. Ob Hamburg das Treibhausgas auch auf eigener Fläche speichern will, wie groß das Risiko für Leckagen bei solchen Speichern sein könnte und wer diese Verfahren eigentlich bezahlen soll, erfahren Sie im restlichen Interview. → Zum Artikel (Z+) Schon gehört? Olympia in Hamburg: Eine gute Idee? Das Olympia-Referendum ist nächsten Sonntag. Die Frage, was das Großereignis für die Menschen in der Stadt bedeuten würde – und wie Hamburg davon profitiert, begleitet uns schon seit Längerem. Bereits im Juli vergangenen Jahres haben Florian Zinnecker und Maria Rossbauer live bei der Langen Nacht der ZEIT zusammen mit Expert:innen aus der Redaktion dazu gesprochen. → Zur Podcastfolge Das könnte Sie interessieren Am kommenden Wochenende erinnert die Veranstaltung »Denk mal am Ort« an Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt wurden. Nach dem Motto »Jedes Haus hat eine Geschichte zu erzählen« umfasst das Programm Ausstellungen, Lesungen, Stadtführungen, Vorträge und Gespräche an 17 Orten in der Stadt. »Denk mal am Ort« , 30. + 31. Mai, das Programm und die Orte finden Sie hier Meine Stadt Hamburger Schnack Im Linienbus am Jungfernstieg. Ein Kind schaut aus dem Busfenster auf die Binnenalster und sagt zu seiner Mutter: »Guck mal Mama, ein Geysir!« Gehört von Marit Mohr Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .