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18.08.2026
13:59 Uhr
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Der Regisseur David Schalko ist so etwas wie der Loriot der Österreicher. Jetzt kann man seine grandiose neue Serie »Braunschlag 1986« in Deutschland sehen.

David Schalko , der 53-jährige Filmregisseur und Autor, ist auf dem Weg, in seiner Heimat eine Bedeutung zu gewinnen, die in Deutschland immer noch der heilige Loriot hat. Bei uns erlebt man ja bis heute Situationen, die wildfremde Menschen dazu bringen, einander anzuschauen und zu sagen: Das war jetzt wie bei Loriot – wenn gerade etwas anrührend peinlich oder entwaffnend komisch war. In Österreich kann einem (fast) das Gleiche passieren. Es ereignet sich etwas Beschämendes oder in seiner Niedertracht, Erbärmlichkeit oder Verlogenheit Augenöffnendes, und zwei Menschen schauen sich an und sagen: Da geht’s zu wie bei Schalko. Berühmt wurde er mit seiner Serie Braunschlag , die 2012 herauskam. (Nun gibt es eine zweite Staffel namens Braunschlag 1986 , davon gleich mehr.) Braunschlag ist eine fiktive österreichische Gemeinde im Waldviertel, nahe der tschechischen Grenze. Bevölkert ist sie mit Menschen, die einen an die deutschen Schmunzelkrimis aus dem Voralpenland ( Hubert und Staller beziehungsweise Hubert ohne Staller , die Rosenheim-Cops ) erinnern. Unverkennbar ist vor allem eine gewisse Nähe zu den niederbayerischen Krimis um den renitenten Polizisten Franz Eberhofer. Das zeigt sich schon am Personal. Der Schauspieler Simon Schwarz ist in beiden Serien zu Hause, in Bayern als Eberhofers treuer Begleiter Rudi, im Waldviertel als windig-reaktionärer Provinzpolitiker Katzlbrunner. Auch der große Branko Samarovski hat (als irrlichternde Vaterfigur) in beiden Serien seinen Platz; ebenso wie die wunderbaren Schauspielerinnen Maria Hofstätter und Nora Waldstätten. Der Unterschied nur: Die deutschen Schmunzelkrimis werden beherrscht von Patrioten, die ihre Heimat lieben und nie wegwollen; und wenn sie, am Ende einer Folge, das jeweilige Verbrechen gelöst haben, ist die Luft rein und sie leben glücklich weiter, bis zur nächsten Episode und zum nächsten Mord. In Braunschlag herrschen ganz andere Verhältnisse. Erstens: Hier sind keine lieblichen Berge im Hintergrund zu sehen, denn das Waldviertel ist ein topografisch eher fades Gelände. Zweitens: Ein Verbrechen verschafft hier keinerlei Linderung. Und drittens: Die Einheimischen sind keine Patrioten, sie sind bloß an ihrem Ort hängen geblieben. Die Insassen von Braunschlag können Braunschlag kaum ertragen. Sie wollen dauernd fliehen – indem sie sich in einen Dauerrausch trinken, von Gott Erlösung erbitten oder mit Außerirdischen Kontakt aufnehmen, von denen sie abgeholt werden möchten. Die wahrhaft Sesshaften erkennt man daran, dass sie lieber woanders wären. Heimat ist das, woraus man nicht wegkommt. In diesem Dorf geht es zu wie in einem Betrieb, in dem lauter Leute arbeiten, die innerlich gekündigt haben. Braunschlag ist eine kleine Hölle – und doch gemütlich. Das liegt daran, dass die Schauspieler ausnahmslos grandios sind. Die erste Staffel handelt davon, wie der Bürgermeister von Braunschlag, Gerri Tschach (Robert Palfrader), gemeinsam mit dem örtlichen Discobetreiber Richard Pfeisinger (Nicholas Ofczarek) den maroden und bankrotten Ort gewissermaßen am Schopf aus dem Sumpf zieht und international bekannt macht: Sie fingieren eine Marienerscheinung im nahen Wald, woraufhin Braunschlag innerhalb kürzester Zeit von Wallfahrern überrannt und zum Touristenmagneten wird. Später erlangt das Dorf noch eine andere Art von Weltruhm: Es stellt sich heraus, dass eine Braunschlagerin mehrere Männer jahrelang im eigenen Keller gefangen gehalten hat – der Fall Josef Fritzl lässt grüßen. Am Ende der ersten Staffel muss der Ort dann fluchtartig geräumt werden, denn leider hatte einer seiner eigentlich unbescholtenen Bürger Unmengen von Atommüll hier gelagert. Kurzum: Braunschlag ist David Schalkos persönlicher Mikrokosmos, in dem er seine Kämpfe mit den Dämonen der eigenen Heimat ausficht. Als da wären: erstens der Alkoholismus, zweitens der Katholizismus, drittens die dörfliche Sexualität in allen ihren Formen der Frustration, Heimlichkeit und Peinlichkeit (Stichwort »ungeklärte Vaterschaftsfragen«) und viertens der Rechtspopulismus. Und so taugt Braunschlag auch als ein Modell für die ganze Welt: marode, immer kurz vor dem Untergang, aber bis auf Weiteres unverwüstlich.