|
06.10.2026
14:59 Uhr
|
Auch wenn es an den deutschen Hochschulen keine Protestcamps israelkritischer Studierender mehr gibt: Laut Amadeu Antonio Stiftung hat sich die Lage nicht beruhigt.

Antisemitismus gehört nach Angaben der Amadeu Antonio Stiftung zum Alltag vieler Studierender in Deutschland. In einem Lagebild der Stiftung ( PDF ) heißt es, dass 85 Prozent der jüdischen Studierenden ihre Identität schon einmal verborgen hätten. 20 Prozent gaben an, Mitstudierende zu kennen, die körperlich angegriffen wurden. Die Zahlen basieren auf einer Umfrage der US-amerikanischen Anti-Defamation League, die sich eigenen Angaben zufolge gegen die Diskriminierung von Jüdinnen und Juden einsetzt. In die Auswertung für Deutschland flossen die Antworten von 205 jüdischen Studierenden ein, die angaben, an einer deutschen Hochschule zu studieren. Die Erhebung ist nicht repräsentativ und die Daten sind mehr als ein Jahr alt. Die Vorständin der Amadeu Antonio Stiftung, Tahera Ameer, teilte mit, die »Lage« an den Hochschulen habe sich nicht »beruhigt«. Auch wenn die Protestcamps , Gebäude- und Hörsaalbesetzungen ihren Höhepunkt im Frühjahr 2024 gehabt hätten, habe sich an den alltäglichen Erfahrungen von Hass, Bedrohung und Ausgrenzung, denen jüdische Studierende ausgesetzt seien , nichts geändert. Jüdische Studierendenunion geht von hoher Dunkelziffer aus Der Präsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, Ron Dekel, sagte, seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sei es »nicht möglich, an deutschen Hochschulen zu studieren, ohne Antisemitismus zu erfahren«. Viele antisemitische Vorfälle an Hochschulen würden nie öffentlich aus Angst, dass die Situation dadurch noch schlimmer werde. Laut Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus stieg die Zahl der judenfeindlichen Vorfälle an deutschen Hochschulen von 2022 bis 2024 von 23 auf 458. Im vergangenen Jahr wurden 424 Vorfälle registriert. In den meisten Fällen (85 Prozent) ging es in den vergangenen drei Jahren um israelbezogenen Antisemitismus.