Zeit 26.05.2026
07:56 Uhr

(+) Türkei: Wie sich autoritäre Herrscher ihre Lieblingsopposition bauen


Erdoğan hat nun auch die Führung der größten Oppositionspartei in der Türkei an sich gerissen. Er nutzt eine Masche, die schon das DDR-Regime verwendete.

(+) Türkei: Wie sich autoritäre Herrscher ihre Lieblingsopposition bauen
Für autoritäre Herrscher, die nur das Beste für ihr Volk wollen, kann so eine richtige Opposition eine ärgerliche Sache sein. Die politischen Opponenten nörgeln, blockieren und wiegeln das Volk auf. Das stört den Herrscher beim Regieren. In der Türkei zieht Recep Tayyip Erdoğan nun die Konsequenzen. Er reformiert nicht etwa die siechende Wirtschaft oder den Nepotismus im Staat, sondern die Opposition. Dafür trägt der türkische Herrscher gerade die älteste Partei der türkischen Republik zu Grabe, die Republikanische Volkspartei CHP. Erdoğan-hörige Richter haben gleich mehrere Wahlen des CHP-Parteivorsitzenden Özgür Özel für ungültig erklärt. Erdoğan hat das Hauptquartier der CHP in Ankara von der Polizei stürmen lassen, Özel aus seinem Büro vertreiben und einen Vorsitzenden nach Regime-Geschmack einsetzen lassen. Es ist Kemal Kılıçdaroğlu, der gegen Erdoğan gleich mehrere Wahlen verlor. Das hat er gut gemacht, findet Erdoğan. Seither betätigt sich der glücklose Kandidat als Erfüllungsgehilfe für den Herrscher. Kılıçdaroğlu soll nun die CHP in einen handzahmen Präsident-befiel-wir-folgen-dir-Verein umbauen.