|
01.10.2026
08:29 Uhr
|
Über Jahrzehnte ersparte das Wirtschaftswachstum dem Land viele Verteilungskämpfe. Und nun? Müsste der Kanzler den Bürgern erklären, dass nicht jeder alles haben kann.

Wie viel Otto von Bismarck steckt in Friedrich Merz? Die Frage mag seltsam wirken, weil der eine sich schon als »Eiserner Kanzler« in die Geschichtsbücher eintrug und der andere noch ein bisschen Mühe damit hat. Und doch hat es Merz heute mit einem ähnlichen Problem zu tun wie einst Bismarck. Das mit der Industrialisierung einhergehende soziale Elend suchte der Kanzler von damals mit Sozialversicherungen zu mildern. Für jene Zeit war das revolutionär, aber auch nicht übermäßig komfortabel. Die Rente etwa war mehr Zuschuss denn Lohnersatz. Das Sozialbudget lag vor dem Ersten Weltkrieg bei drei Prozent der Wirtschaftsleistung.