Zeit 18.03.2026
18:38 Uhr

(+) Ameisenköder: Anna Mayr entdeckt ihren Verbraucher-Trotz


In Berlin ist es leichter, an harte Drogen zu kommen als an einen Ameisenköder. Und das ist nicht mal der größte Widerspruch, stellt unsere Autorin fest.

(+) Ameisenköder: Anna Mayr entdeckt ihren Verbraucher-Trotz
Ich wohne jetzt quasi auf dem Land. Womit ich meine: Vor dem Fenster steht einiges an Bäumen. Das birgt Herausforderungen. In meinem Arbeitszimmer lagen zum Beispiel mehrere Marienkäferkadaver. Die Käfer hatten wohl in der Wohnung überwintern wollen, erfolglos. Vermutlich ging es dann so weiter: Der Leichengeruch lockte Ameisen an. Die wohnen jetzt mit ihren Familien in der Ritze unter den Fußleisten. Auch sie haben endlich eine große Wohnung in Berlin gefunden. Ich freue mich für sie, gerade in dieser wirtschaftlichen Lage, und finde es dennoch besser, keine Ameisen in der Wohnung zu haben. Deshalb wollte ich Ameisenköder kaufen. Das geht nicht so leicht. Seit dem Jahr 2025 bekommt man Ameisenköder nur noch nach einem Beratungsgespräch im Fachhandel. Wenn man sie online bestellen will, muss man sich ein informatives Video angucken. Darin erklärt eine Frau, wie schlimm Biozide sind und dass man Ameisen auch auf natürliche Weise vertreiben kann. Nachdem man die Bestellung aufgegeben hat, wird man noch einmal angerufen und gefragt, ob man weitere Fragen zu den Gefahren von Ameisenködern hat. "Entschuldigen Sie den Anruf, aber auch wir müssen uns an die behördlichen Vorgaben halten", sagte die Stimme in der Leitung. Erst dann wurden die Köder verschickt. Es ist in Berlin nun also leichter, an harte Drogen zu kommen als an einen Ameisenköder.