Welt 30.05.2026
16:07 Uhr

Wolfgang Kubicki gewinnt Kampfabstimmung gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann


Mit knapp 60 Prozent der Stimmen hat Wolfgang Kubicki die Wahl zum FDP-Vorsitzenden gewonnen. Zuvor hatte Marie-Agnes Strack-Zimmermann überraschend ihre Kampfkandidatur angekündigt.

Wolfgang Kubicki gewinnt Kampfabstimmung gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann

Wolfgang Kubicki ist neuer Bundesvorsitzender der FDP. Der 74-Jährige setzte sich beim Parteitag in Berlin in einer Kampfabstimmung gegen die Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch. Diese kandidierte überraschend gegen ihn. Kubicki erhielt 390 Stimmen (59,27 Prozent), auf Strack-Zimmermann entfielen 259 Stimmen (39,36 Prozent). Vier Delegierte enthielten sich, fünf stimmten für beide mit Nein. Kubicki nahm die Wahl an – und erbat sich mehr Zeit für seine Rede als neuer Parteivorsitzender. Diese will er am Abend halten. Als erster Stellvertreter wurde Henning Höne (71 Prozent) gewählt. Weitere Stellvertreter wurden die Europapolitikerin Svenja Hahn (71 Prozent) und die frühere FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg (66,4 Prozent). Die Europapolitikerin Strack-Zimmermann hatte sich auf dem Parteitag überraschend bereit erklärt, gegen Kubicki anzutreten, der bislang der einzige Kandidat war. Die Verteidigungspolitikerin begründete ihre Kandidatur damit, dass die FDP einen neuen Aufbruch benötige, den sie besser verkörpern könne als Kubicki. Scharfe Kritik übte Strack-Zimmermann an Überlegungen von Kubicki, die strikte Ausgrenzung der AfD aufzugeben (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a1ade1fbf5b78f90d009387/fdp-parteitag-strack-zimmermann-kandidiert-gegen-kubicki-plan-wurde-bis-zuletzt-geheimgehalten.html) . Kubicki und Strack-Zimmermann gelten parteiintern seit Langem als Kontrahenten. Der neue FDP-Chef hatte in einer ersten Reaktion die Gegenkandidatur begrüßt. „Meine Danksagung geht an Marie-Agnes Strack-Zimmermann, weil ich froh darüber bin, dass die beiden alten Schlachtrösser jetzt ins Geschirr gehen“, sagte er in seiner Bewerbungsrede für den Parteivorsitz. Kubicki warb dafür, die FDP als Partei der Marktwirtschaft und der Freiheitsrechte zu profilieren. „Die FDP wird gebraucht als Kraft der sozialen Marktwirtschaft, nicht der sozialen Umverteilung“, sagte Kubicki. Die FDP leide darunter, dass sich in der Öffentlichkeit ein „völliges Zerrbild“ festgesetzt habe. Es sei die FDP selbst, „die es nicht geschafft hat, ein anderes Bild von uns zu vermitteln“, kritisierte Kubicki. Die FDP müsse wieder „die Stimme derjenigen sein, die jeden Tag anpacken – von den Handwerksmeistern bis zum Krankenpfleger, vom Imbissbesitzer in der Großstadt bis zum Landwirt, vom Angestellten bis zum Manager“. In der FDP war kurz vor dem Parteitag ein Streit über den Umgang mit der AfD entbrannt (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a193cc6672896fe8f16544c/brandmauer-streit-in-fdp-kubickis-designierter-vize-stellt-sich-gegen-ihn-will-keinerlei-zusammenarbeit-mit-afd.html) . Kubicki und sein designierter Generalsekretär Martin Hagen hatten klargestellt, dass sie eine Abkehr von der „Brandmauer“-Strategie befürworten – Hagen bezeichnete diese Strategie als „Popanz“. Die beiden Liberalen betrachten die AfD zwar als Gegner der FDP und wollen nicht mit ihr zusammenarbeiten. Sie lehnen es aber nicht grundsätzlich ab, dass in Parlamenten gemeinsame Mehrheiten mit der AfD zustande kommen, wenn inhaltlich die Positionen der FDP berücksichtigt werden. Kubicki betonte in seiner Rede: „Es wird mit Liberalen nie eine Zusammenarbeit mit der AfD geben, niemals.“ Erste Bewährungsproben schon bei Wahlen im Herbst Der frühere Fraktionschef Christian Dürr war nach dem Scheitern der Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl im Februar 2025 an die Spitze der Partei getreten. Ihm gelang es aber nicht, das Ruder herumzureißen. In diesem Jahr kassierte die FDP bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg (4,4 Prozent) und Rheinland-Pfalz (2,1 Prozent) bittere Niederlagen. In beiden Ländern kam sie nicht mehr in den Landtag. Daraufhin traten Präsidium und Bundesvorstand zurück. Die neue Führungsmannschaft wird nur für ein Jahr gewählt. Die erste Bewährungsprobe hat die neue Spitzenperson bereits im September vor sich. Dann werden in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin neue Landesparlamente gewählt. In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sitzen die Freien Demokraten noch in den Landtagen, in Magdeburg gehören sie sogar der Landesregierung an. In allen drei Ländern liegt die FDP aktuell in den Meinungsumfragen aber bei unter 5 Prozent. Noch wichtiger werden die Landtagswahlen im April kommenden Jahres in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sein. Schleswig-Holstein ist die Heimat von Kubicki, NRW die von Höne, der nun zum Stellvertreter Kubickis gewählt werden will. Misserfolge in beiden Ländern würden die neue FDP-Spitze stark beschädigen.