Welt 07.05.2026
09:54 Uhr

„Wir wurden einfach ums Verrecken nicht fertig“, sagt Özdemir


Es waren zähe Gespräche und ein Abend, der anders als geplant verlief: Der designierte Ministerpräsident Cem Özdemir erzählt, wie die letzte Sitzung Ende April lief.

„Wir wurden einfach ums Verrecken nicht fertig“, sagt Özdemir

Die Koalitionsverhandlungen zwischen Grünen und CDU sind nach Worten des designierten Ministerpräsidenten Cem Özdemir (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/cem-oezdemir/) auf den letzten Metern viel zäher verlaufen als erwartet. Eigentlich hatte man sich bei der letzten Sitzung am vergangenen Donnerstag, dem 30. April, informell darauf verständigt, dass man am 1. Mai nicht verhandeln werde, verriet der Grünen-Politiker bei der Aufzeichnung des Podcasts „Politik mit Anne Will“ in Stuttgart. Die Hauptverhandlungsgruppe um Özdemir und CDU-Chef Manuel Hagel war an dem Tag zusammengekommen, um letzte Streitfragen aus dem Weg zu räumen. Man habe am darauffolgenden Feiertag nicht verhandeln wollen, das sei zudem der Geburtstag von CDU-Chef Manuel Hagel, so Özdemir. Gegen 18.00 Uhr habe er gedacht, dass die Verhandler eigentlich fertig seien. „Ich habe schon zu Hause Bescheid gegeben, ich komme zum Abendessen“, sagte er. Aber es kam anders. Grüne und CDU hätten sich bei Details richtig verhakt, berichtete der Grünen-Politiker. Er habe auf die Uhr geschaut, es habe immer länger gedauert. „Wir wurden einfach ums Verrecken nicht fertig.“ Worum es ging, verriet Özdemir nicht. Aber dem Vernehmen nach stritten Grüne und CDU an dem Abend um letzte widersprüchliche Formulierungen und die sogenannte Bundesratsklausel. Die Klausel regelt, wie sich das Bundesland im Bundesrat verhält, wenn sich die Koalitionspartner nicht einigen können. Kurz vor Mitternacht erfolgte dann der Durchbruch. Immerhin: Da man ohnehin noch vor Ort gewesen sei, habe man auch direkt in Hagels Geburtstag hineinfeiern können, so Özdemir. Grüne und CDU hatten wochenlang über die Neuauflage eines Bündnisses sondiert und verhandelt. Am Mittwoch präsentierten sie ihren Koalitionsvertrag. Özdemir soll am 13. Mai vom Parlament zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Im neuen Landtag verfügen beide Parteien über jeweils 56 Mandate – eine ungewöhnliche Pattsituation. Das hatte die Verhandlungen erschwert, ebenso wie Vorwürfe der CDU, die Grünen hätten im Wahlkampf eine „Schmutzkampagne“ betrieben.