Welt 27.05.2026
08:33 Uhr

„Wir haben Fehler gemacht“ – Grünen-Politikerin Touré übt Selbstkritik an „Woke“-Bewegung


Aminata Touré möchte Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein werden. In einem Interview blickt sie kritisch auf die Debatte um Identitätspolitik zurück – erklärt aber auch: „Wir müssen dranbleiben.“

„Wir haben Fehler gemacht“ – Grünen-Politikerin Touré übt Selbstkritik an „Woke“-Bewegung

Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article256092518/Schleswig-Holsteins-Sozialministerin-Aminata-Toure-ist-Mutter-geworden.html) (Grüne) hat mit vorsichtiger Kritik auf Debatten über Identitätspolitik und den sogenannten Woke-Diskurs der vergangenen Jahre geblickt. Im Interview mit der „ Zeit (verlinkt auf https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-05/aminata-toure-gruene-schleswig-holstein-landtag-stellvertretende-ministerpraesidentin) “ sagte Touré, diejenigen, die sich für diese Themen engagierten, hätten sich „zu lange auf Begriffsdebatten eingelassen“. Dabei gehe es bei Identitätspolitik nicht in erster Linie um Symbole oder Sprache, sondern darum, Ungerechtigkeiten gegenüber Minderheiten und Frauen zu benennen und politisch zu bekämpfen. Zugleich verteidigte Touré den Begriff der Identitätspolitik grundsätzlich. Dieser sei ursprünglich von schwarzen Frauen in den USA geprägt worden, um politische und gesellschaftliche Benachteiligung zu überwinden. Sie habe deshalb kein Problem damit, mit dem Begriff in Verbindung gebracht zu werden. Touré gab jedoch zu: „Wir haben aber auch Fehler gemacht.“ Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugen (verlinkt auf https://www.google.com/preferences/source?q=welt.de) Zum Begriff „woke“ sagte die Grünen-Politikerin: Viele hätten sich da „reingesteigert“. Vor allem Menschen, die gestört habe, dass sie Macht, die sie über Jahrzehnte als selbstverständlich betrachtet hätten, ein Stück weit abgeben sollten, hätten sich daran abgearbeitet. Touré verwies darauf, dass seit 2019 und 2020 in Medien, Politik und Unternehmen stärker auch mit Schwarzen, behinderten oder queeren Menschen gesprochen worden sei. Inzwischen beobachte sie einen „Rollback“, eine Art Rückfall. Zugleich betonte sie, dass gesellschaftliche Veränderung trotzdem kommen werde. „Aber wir müssen dranbleiben.“ Touré will Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein werden Touré will zur Landtagswahl im kommenden Jahr als alleinige Spitzenkandidatin der Grünen antreten. Der „Zeit“ sagte Touré, „Wenn Sie fragen, ob ich mir zutraue, Ministerpräsidentin zu werden, sage ich: ganz klar ja.“ Viele Parteien haben ihr Spitzenpersonal bereits festgelegt. „Ja. Ich habe lange überlegt.“ Auf Instagram schrieb die 33-Jährige: Sie kandidiere als Spitzenkandidatin für Bündnis 90/ Die Grünen. Die finale Entscheidung über Tourés Kandidatur muss noch auf einem Landesparteitag getroffen werden. Schleswig-Holstein wählt im April 2027 einen neuen Landtag. Als ihre Kollegen von SPD und CDU ihre Kandidaturen verkündet haben, habe sie gerade den Mutterschutz beendet, sagte Touré der „Zeit“. Sie habe sich Zeit gelassen, um zu schauen: „Kriege ich das hin als Ministerin und Mutter? Das Wichtigste für mich ist, dass es meiner Tochter gut geht.“ Daher habe sie sich erst nach diesem Test für die Kandidatur entschieden. Unterstützung erhält Touré, die seit 2022 die erste schwarze Landesministerin der Bundesrepublik ist, unter anderem vom schleswig-holsteinischen Umweltminister Tobias Goldschmidt. Er sei gerne im Team Touré, „weil ich Bock auf einen ehrlichen, starken und mutigen Wahlkampf habe“, schreibt der Grünen-Politiker auf Instagram. „Ich unterstütze ihre Kandidatur.“