Welt 15.05.2026
20:16 Uhr

Vergewaltigungsprozess gegen Harvey Weinstein scheitert zum dritten Mal


Mit den Vorwürfen gegen ihn begann 2017 die „Me Too“-Debatte: Neun Jahre später können sich die Geschworenen in einem Vergewaltigungsprozess gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein auf kein Urteil einigen. Bald entscheidet sich, ob es einen vierten Anlauf gibt.

Vergewaltigungsprozess gegen Harvey Weinstein scheitert zum dritten Mal

Die dritte Auflage eines Vergewaltigungsprozesses gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein ist gescheitert. Die Geschworenen hätten sich auf kein Urteil einigen können, erklärte Richter Curtis Farber am Freitag in New York. Bei einem Gerichtstermin am 24. Juni soll die Staatsanwaltschaft erklären, ob sie einen vierten Anlauf unternimmt. Der 74-jährige Weinstein bleibt aber wegen Urteilen in anderen Strafverfahren hinter Gittern. Die mehrheitlich mit Männern besetzte Jury musste entscheiden, ob Weinstein die Friseurin und Schauspielerin Jessica Mann vergewaltigt hat. Seine Anwälte argumentierten, die sexuellen Begegnungen seien einvernehmlich gewesen. In dem fast drei Wochen langen Prozess kamen mehrere Zeugen zu Wort. Mann sagte allein an fünf Tagen aus. Die heute 40-Jährige berichtete, sie habe Weinstein 2013 kennengelernt und seinen Annäherungsversuchen nachgegeben, obwohl sie ihr unangenehm gewesen seien. Bisweilen sei er charmant gewesen, doch er habe kein Nein akzeptiert. „Dann kam diese Monsterseite zum Vorschein“, sagte Mann, die bisweilen die Fassung verlor. Kurz nach Beginn ihrer Beziehung habe Weinstein sie in einem Hotelzimmer angebrüllt, sie solle sich ausziehen. Sie habe gesagt, sie wolle nicht und versucht, die Tür zu öffnen, aber der größere und schwerere Weinstein habe die Tür zugeschlagen und sie vergewaltigt. Weinstein hat eingeräumt, „falsch gehandelt“ zu haben Als sie sich in einen anderen Mann verliebt habe und die Beziehung zu Weinstein beenden wollte, habe dieser zunächst freundlich reagiert. Dann aber habe er erfahren, dass ihr neuer Freund Schauspieler war, gebrüllt, sie sei ihm „noch etwas schuldig“ und sich erneut an ihr vergangen. Weinstein hat eingeräumt, „falsch gehandelt“ zu haben. Er beteuert aber, nie jemanden angegriffen zu haben. Mann hatte bereits vor sechs Jahren in einem Prozess berichtet, dass ihre einvernehmliche, wenn auch komplizierte Beziehung zu Weinstein in eine Vergewaltigung ausgeartet sei. Weinstein wurde 2020 wegen Vergewaltigung schuldig gesprochen. Doch das Urteil wurde wegen Verfahrensfehlern aufgehoben. Bereits bei der Wiederaufnahme des Prozesses im vergangenen Jahr kamen die Geschworenen zu keiner Entscheidung. Dieses Mal beriet die Jury drei Tage lang, konnte sich aber ebenfalls auf kein Urteil einigen. Weinstein war einer der einflussreichsten Produzenten Hollywoods. Nachdem Medien im Jahr 2017 Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen ihn enthüllten, wurde er zum Gesicht des #MeToo-Skandals. In den vergangenen sechs Jahren wurde er sowohl in New York als auch in Kalifornien für Sexualverbrechen verurteilt und sitzt in Haft. Doch nicht alle Urteile hatten Bestand.