Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) treten mit Wirkung zum 1. Mai aus der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und dem Bündnis Opec+ aus. Hintergrund sei eine gründliche Abwägung auch mit Blick auf die andauernden „Störungen im Persischen Golf und der Straße von Hormus“, heißt es in einer Erklärung der staatlichen Nachrichtenagentur WAM. „Die Entscheidung folgt auf eine umfassende Prüfung der Produktionspolitik der VAE und der aktuellen und zukünftigen Kapazitäten“, hieß es. „Sie wird getrieben von nationalen Interessen und dem Ziel des Landes, aktiv zu den dringenden Bedürfnissen des Marktes beizutragen.“ Eine genauere Begründung für die Entscheidung wurde aber nicht genannt. Energieminister Suhail Al Masrui teilte mit, der Schritt sei im Einklang mit den „Grundlagen der Langzeitmärkte“ erfolgt. Der überraschende Schritt ist ein schwerer Schlag für die Opec und die Opec+. Die Opec hat ohne die Emirate einen deutlich geringeren Einfluss auf die weltweiten Ölmärkte. Mit dem Austritt eines der größten Produzenten fällt es der Organisation schwerer, Energiepreise zu kontrollieren und nach Möglichkeit stabil zu halten. Wer gehört zu Opec? Die Emirate gehörten bislang zu den größten Ölproduzenten der zwölf Opec-Staaten. Bevor der Krieg im Nahen und Mittleren Osten die Fördermengen einbrechen ließ, wurde in den Emiraten im März noch 3,4 Millionen Barrel Öl (je 159 Liter) pro Tag gepumpt – mehr als 16 Prozent der gesamten Opec-Produktion. Bis 2027 ist eine Produktion von 5 Millionen Barrel angestrebt. Zur Opec gehörten bislang: Algerien, Äquatorialguinea, Gabun, Irak, Iran, Republik Kongo, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Venezuela und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die VAE gehörten bislang auch zur Kerngruppe der Opec+, einem breiteren Bündnis von Ölförderländern unter der Führung von Saudi-Arabien und Russland, das stabile Preise sichern und Überkapazität im Markt verhindern soll. Auch aus dem Bündnis Opec+ tritt der Golfstaat aus. Anfang 2019 hatte der regionale Nachbar Katar die Opec bereits verlassen mit der Begründung, als weltweit führender Gasexporteur gebe es keinen Grund mehr für eine Mitgliedschaft. Was sind die Gründe für die Entscheidung der Emirate? Hintergrund des Ausstiegs dürften Spannungen der Emirate mit Saudi-Arabien sein. Die Emirate und Saudi-Arabien waren lange enge Verbündete, tragen seit einigen Jahren aber auch einen schweren Machtkampf zunehmend offen aus. Sie ringen um wirtschaftlichen Einfluss und unterstützen etwa bei Konflikten im Jemen und im Sudan unterschiedliche Seiten. Im Zuge des Kriegs gegen den Iran hatten die Emirate außerdem schwere Vorwürfe gegen andere arabische Staaten erhoben. Das Land, das als regionales Wirtschaftszentrum und einer der wichtigsten Verbündeten Washingtons gilt, warf seinen Nachbarn vor, es während des Kriegs nicht ausreichend vor den zahlreichen iranischen Angriffen geschützt zu haben. Die Entscheidung ist ein schwerer Schlag für die Exportländer und deren De-facto-Anführer Saudi-Arabien, zumal der Krieg im Iran bereits einen historischen Energieschock ausgelöst und die Weltwirtschaft verunsichert hat. Für US-Präsident Donald Trump ist der Austritt der VAE dagegen ein großer Erfolg. Er hatte der Organisation vorgeworfen, den Rest der Welt durch künstlich überhöhte Ölpreise „auszunehmen“. Trump hatte zudem die militärische Unterstützung der USA für die Golfstaaten mit den Ölpreisen verknüpft: Während die USA die Opec-Mitglieder verteidigten, nutzten diese die Situation durch hohe Preise aus. Anwar Gargasch, diplomatischer Berater des Präsidenten der VAE, hatte am Montag auf dem „Gulf Influencers Forum“ – einem Treffen regionaler Entscheidungsträger – das Vorgehen der arabischen Staaten und der Golfregion bemängelt. Die Länder des Golf-Kooperationsrates (GCC) hätten einander zwar logistisch unterstützt, politisch und militärisch sei ihre Position jedoch „auf einem historischen Tiefpunkt“ gewesen, sagte Gargasch. „Von der Arabischen Liga habe ich diese schwache Haltung erwartet und bin daher nicht überrascht, aber vom Kooperationsrat hätte ich sie nicht erwartet und bin darüber verwundert.“ Die Opec-Produzenten am Golf haben wegen iranischer Drohungen und Angriffe auf Schiffe ohnehin bereits Schwierigkeiten, ihre Exporte durch die Straße von Hormus zu transportieren. Durch die schmale Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman wird normalerweise ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls und Flüssiggases verschifft.