Welt 15.05.2026
07:53 Uhr

Toter Wal vor Dänemark entdeckt – Experte glaubt, es ist „höchstwahrscheinlich Timmy“


Mitten in der Ostsee wird ein toter Wal entdeckt. Ob es sich um den vor Poel geretteten Meeressäuger handelt, muss nun geklärt werden. Die dänische Umweltschutzbehörde spricht eine Warnung aus.

Toter Wal vor Dänemark entdeckt – Experte glaubt, es ist „höchstwahrscheinlich Timmy“

Vor der dänischen Insel Anholt ist ein toter Wal entdeckt worden. Das Tier liege etwa 75 Meter vor der Küste und sei vermutlich bereits seit einiger Zeit tot, berichtete die Nachrichtenagentur Ritzau unter Berufung auf die Umweltbehörde Miljøstyrelsen. Unklar ist, ob es sich tatsächlich um den Wal handelt, der Ende März erstmals vor Timmendorfer Strand gestrandet war und rund einen Monat später in den Skagerrak (Nordsee) transportiert worden war. Der Aufseher der dänischen Naturschutzbehörde in Anholt, Morten Abildstrøm, hält es durchaus für möglich, dass es sich um den Meeressäuger von Poel handelt. „Sowohl die deutschen als auch die dänischen Forscher, mit denen ich gesprochen habe, glauben, dass es sich höchstwahrscheinlich um den Buckelwal Timmy handelt“, sagte Abildstrøm laut der dänischen Nachrichtenseite DR (verlinkt auf https://www.dr.dk/nyheder/indland/strandet-hval-ved-anholts-kyst-kan-vaere-pukkelhvalen-timmy) . Demnach soll eine Gewebeprobe Gewissheit bringen. Diese muss laut Abildstrøm zur Untersuchung eingeschickt werden. Das Tier sei schätzungsweise 10 bis 15 Meter lang, sagte er zuvor dem Sender TV 2 Østjylland. Derzeit gibt es nach Angaben des „Stranded Marine Mammal Emergency Response Team“ (deutsch: „Notfallteam für gestrandete Meeressäugetiere“) und der Umweltschutzbehörde keine Pläne, den Wal zu bergen. Das könne sich ändern, falls der Kadaver näher an die Küste treibe, hieß es weiter. Bei Niedrigwasser soll laut der dänischen Zeitung „ Ekstra Bladret (verlinkt auf https://ekstrabladet.dk/nyheder/samfund/hval-strandet-ved-anholt/11178444) “ am Freitag versucht werden, dem Wal eine Gewebeprobe zu entnehmen. Meeresmuseum: Hoffen, dass der Wal untersucht wird Wenn es sich bei dem toten Wal tatsächlich um den Wismarer Buckelwal handelt, hoffen die Experten des Deutschen Meeresmuseum auf eine Untersuchung des Tieres. „Es geht darum, Erkenntnisse für künftige Strandungen und Rettungsaktionen zu gewinnen“, sagte eine Sprecherin des Museums am Morgen der Deutschen Presse-Agentur. Ob es der Buckelwal ist, könnte über die Fluke zweifelsfrei bestätigt werden. Die Schwanzflossen haben in der Regel individuelle Musterungen und Umrisse und helfen deshalb bei der zweifelsfreien Identifizierung der Tiere. Das Meeresmuseum konnte in den vergangenen Wochen allerdings keine eigenen Fotos von der Fluke des gestrandeten Buckelwals machen. Erste Aufschlüsse könnte allerdings bereits die Haut des vor der dänischen Insel treibenden toten Tieres geben. Es gebe ja verschiedene Strukturen der Haut, die bereits aufgefallen seien. Auch habe das Tier eine erkennbare Schramme beziehungsweise Beschädigung der Hautoberfläche gehabt, die von einer Schiffsschraube verursacht worden sein kann. Die Tierschutzorganisation Stranded no more veröffentlichte auf X einen Beitrag, der zeigen soll, warum es sich nicht um den vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal handelt. Dazu seien Videoaufnahmen von der rechten Brustflosse der beiden Tiere ausgewertet worden. „Der tote Buckelwal hat deutlich schwarze Pigmentierungsmarkierungen auf dieser Flosse, die Bucki/Hope/Timmy nicht hat“, schreib die Organisation auf X. Noch immer kein Lebenszeichen vom Buckelwal Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns vermisste unterdessen weiterhin ein Lebenszeichen des Meeressäugers. „Bislang liegen dem Ministerium keine belastbaren, unabhängig überprüfbaren Positions- oder Telemetriedaten vor“, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Eine rechtliche Möglichkeit, die Herausgabe zu erwirken, werde derzeit geprüft (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article69fc974d30e98e4ac324d78e/wo-ist-wal-timmy-umweltministerium-erwaegt-rechtliche-schritte-gegen-retter.html) . Ob von der Behörde jemand oder Backhaus selbst Richtung Anholt fahren werde, sei zunächst unklar, sagte ein Sprecher am Morgen der Deutschen Presse-Agentur. Das solle im Laufe des Vormittags besprochen und entschieden werden. Der Sprecher vermutete, dass es keine schnelle Identifizierung des Tieres geben werde. „Ich gehe davon aus, dass am Vormittag das Rätsel noch nicht gelöst wird.“ Die Insel Anholt liegt mitten im Kattegat – in dem Gewässer zwischen Dänemark und Schweden. Den Angaben zufolge fährt nur einmal am Tag eine Fähre auf die Insel. Der Wal war nach einer spektakulären privaten Rettungsaktion aus einer flachen Bucht der Insel Poel vor Wismar in ein geflutetes Transportschiff bugsiert, in die Nordsee gefahren und dort am Morgen des 2. Mai ins Meer entlassen worden. Unmittelbar danach wurden Bilder eines Wals veröffentlicht, der in unmittelbarer Nähe des Transportschiffs eine Fontäne ausstößt und dann abtaucht (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article6a006a67419773c332a8354b/schwierige-bilanz-experten-warnten-fans-hofften-politiker-handelten-und-der-buckelwal-verschwand.html) . Der Wal war etwa 70 Kilometer vor dem norddänischen Skagen freigesetzt worden. Tierschutzorganisationen und Wissenschaftler schätzten die langfristigen Überlebenschancen des Wals übereinstimmend als gering ein. Skagen liegt etwa 130 Kilometer Luftlinie entfernt von der Fundstelle des jetzt gestrandeteten Wals.