Welt 05.06.2026
13:13 Uhr

„Solche Tricksereien sind mehr als schäbig“ – Bezahlkarte für Migranten steht erneut in der Kritik


Die Bezahlkarte für Asylbewerber gerät wegen eines wachsenden Netzwerks von Tauschbörsen erneut unter Druck. Kritiker warnen, dass der Zweck der Karte so unterlaufen wird.

„Solche Tricksereien sind mehr als schäbig“ – Bezahlkarte für Migranten steht erneut in der Kritik

Die Bezahlkarte für Migranten gerät weiter in die Kritik. Hintergrund sind sogenannte Tauschbörsen, über die Asylbewerber Gutscheine in Bargeld umwandeln können. Nach einer Recherche von „Bild“ (verlinkt auf https://www.bild.de/politik/inland/asylkarten-betrug-so-fliesst-deutsches-steuergeld-an-schleuser-und-clans-6a17e0fc1233b05f95d0a5ef) soll sich mittlerweile ein bundesweites Netzwerk mit 58 solcher Angebote gebildet haben. Dort können Migranten Gutscheine, die sie zuvor etwa in einem Drogeriemarkt mit der Bezahlkarte erworben haben, gegen Bargeld tauschen. Kritiker dieser Praxis sehen darin eine Umgehung des eigentlichen Zwecks der Karte und die Gefahr, dass das Geld auch in kriminelle Kanäle fließt. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, sagte der „Bild“: „Solche Tricksereien sind mehr als schäbig“. Es müsse verhindert werden, „dass Migranten mit Bargeld Schleuserlöhne bezahlen“, sagte Teggatz über die Verwendung der Gelder. Das „menschenverachtende Geschäft der Schlepperbanden“ dürfe nicht weiter indirekt staatlich gefördert werden. Die Bezahlkarte wurde eingeführt, um staatliche Leistungen an Asylbewerber weitgehend bargeldlos auszuzahlen. So sollen größere Geldtransfers ins Ausland erschwert werden. In vielen Bundesländern liegt die Bargeldgrenze bei 50 Euro pro Monat. Initiativen hatten allerdings bereits kurz nach der Einführung Tauschmöglichkeiten angeboten. Verboten ist die Praxis zwar nicht, politisch aber umstritten. Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Rainer Holznagel, sagte „Bild“: „Die Bezahlkarte ist für den Lebensunterhalt in Deutschland gedacht, nicht für Geldtransfers ins Ausland.“ Umgehungstricks dürften „nicht geduldet werden“. Rekordwert bei Rücküberweisungen Tatsächlich hatten Analysten der Bundesbank für 2024 einen Rekordwert bei den sogenannten Rücküberweisungen festgestellt. Insgesamt flossen im Jahr 2024 etwa 7,7 Milliarden Euro ins Ausland. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von rund 14 Prozent. Ein Großteil ging an Angehörige in Europa (ca. 5,5 Milliarden). Allerdings wurde bei diesen Zahlen nicht erfasst, ob das Geld tatsächlich aus Leistungsbezügen für Asylbewerber stammt. Unterstützer der Tauschbörsen weisen die Kritik zurück. Flüchtlingsinitiativen wie der Flüchtlingsrat (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article69f46291ce673f8cd2abb06d/leistungsgesetz-fluechtlingsrat-fordert-abschaffung-der-bezahlkarte-fuer-asylbewerber.html) sehen in der Bezahlkarte eine Diskriminierung von Asylbewerbern, zudem sei der Verwaltungsaufwand erhöht. Nach Angaben der Organisatoren nutzen Migranten das Bargeld unter anderem für Bahntickets, Handykarten oder Rechtsanwälte. Die Bezahlkarte wird inzwischen in fast allen Bundesländern eingesetzt. Von einer flächendeckenden Nutzung kann allerdings keine Rede sein, unter anderem wegen technischer Probleme. Eine aktuelle bundesweite Gesamtzahl ausgegebener Karten liegt nicht vor. Bundesweit dürften jedoch inzwischen deutlich mehr als 100.000 Bezahlkarten im Einsatz sein. Wie unterschiedlich die Bewertung ausfällt, zeigt Mecklenburg-Vorpommern. Innenminister Christian Pegel (SPD) bezeichnete entsprechende Fälle, bei denen Bezahlkarten umgetauscht wurden, zuletzt als „absolutes Minderheitsproblem“. Im Landtag sagte er (verlinkt auf https://www.nordkurier.de/regional/mecklenburg-vorpommern/bezahlkarte-fuer-asylbewerber-mv-minister-hat-kein-problem-mit-trickserei-4312916) , die Zahl der bekannten Fälle lasse sich „an wenigen Händen abzählen“. Es sei „nur ein sehr kleiner Kreis“, der sich daran beteilige.