Kaum jemand kennt diese Inseln, dabei sehen sie ähnlich traumhaft aus wie die Malediven, deren nördlichster Punkt nur 125 Kilometer südlich liegt: von Lakshadweep ist die Rede, dem kleinsten indischen Unionsterritorium mitten im Indischen Ozean. Übersetzt bedeutet der Name so viel wie „Hunderttausend Inseln“, was etwas übertrieben ist, denn es gibt gerade mal zehn bewohnte und – je nach Überflutungslage – 17 bis 21 unbewohnte Eilande. Über Wasser zählen die zwölf Atolle 32 Quadratkilometer Land, nicht viel für 65.000 Bewohner. Die winzigen Koralleninseln ragen, wie die Malediven (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/malediven-urlaub/) , nur wenige Meter aus dem Indischen Ozean (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/indischer-ozean/) heraus. Die meisten Eilande zählen zu den Lakkadiven. Zusammen mit den Amindiven und dem südlichen Minicoy-Atoll bilden sie Indiens (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/indien-reisen/) südwestlichen Außenposten. Der wurde von der Regierung vor Kurzem auserkoren, um den Malediven als Reiseziel über und unter Wasser Konkurrenz zu machen. Besiedelt wurde Lakshadweep vor rund 1500 Jahren. Zuerst war es buddhistisch geprägt, seit dem 7. Jahrhundert ist der Islam auf den Inseln verbreitet. Im 15. Jahrhundert rissen sich die Portugiesen die Inselgruppe unter den Nagel, ihnen folgten die Briten als Kolonialherren. Heute leben die Insulaner überwiegend vom Export von Kokosnüssen (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/kokosnuesse/) und Fischfang. Tourismus wird wichtiger, erreicht aber längst noch nicht das Niveau der Malediven, zumal Ausländer eine spezielle Einreisegenehmigung brauchen und nur bestimmte Inseln besuchen dürfen. Schön wie eine Fototapete Zu den Geheimtipps von Lakshadweep gehört das Bangaram-Atoll: eine Handvoll Inselchen mit zwei Handvoll Bewohnern und drei neu eröffneten Resorts unter Kokospalmen. Sie bieten einen gewissen Luxus, mit dem sich die Abgeschiedenheit gepflegt ertragen lässt. Man gelangt nur per Boot von der Nachbarinsel Agatti hierher, wo die wenigen Flugzeuge landen, die vom indischen Festland nach Lakshadweep düsen – im Schnitt nur drei pro Tag. Die Anreise von Europa aus ist also ein mittelschweres Abenteuer. Die Hotelanlagen liegen an schneeweißen Sandstränden mit Blick auf die rund 36 Quadratkilometer große Lagune, die von einem Korallenriff umschlossen ist. Ihr Wasser leuchtet so unwirklich türkis, als habe jemand den Meeresboden angemalt. Schnorcheln und tauchen kann man natürlich auch. Abtauchen am Riff Drei Riffe und fünf Unterwasserbänke machen Lakshadweep zu einem der interessantesten Tauch- und Schnorchelreviere (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/tauchen/) des Planeten. Die Sicht ist hervorragend (bis 45 Meter weit), die Wassertemperatur liegt konstant bei 27 bis 28 Grad – schließlich sind wir in den Tropen. Tropisch üppig ist auch die Unterwasserwelt: Hier tummeln sich an die 600 Fischarten, Krebse, Seeigel und Meeresschildkröten. Zu den größten Wasserbewohnern zählen Wal- und Riffhaie, Manta- und Adlerrochen, die man laut der weltgrößten Taucherorganisation PADI häufig sichtet, vor allem in den Strömungskanälen zwischen den Riffen. Rings um die weitgehend intakten Korallen sind oft Schwärme von Papagei-, Doktor- und Drückerfischen unterwegs. Häufig unter Wasser anzutreffen sind auch die farbenprächtigen, fast runden Melonenfalterfische mit ihren gelben, blauen und schwarzen Streifen. Sie schwimmen stets paarweise durch das Korallengeäst. In Lakshadweep sind diese Fische wegen ihrer Schönheit und ihres monogamen Lebenswandels so populär, dass man sie 1985 zum offiziellen Symboltier ernannt hat. Seither zieren sie das offizielle Wappen des Unionsterritoriums. Tauchanbieter gibt es in Lakshadweep nur auf Bangaram, Kadmat, Kavaratti und Minicoy – wer abtauchen will, sollte also frühzeitig reservieren! Streit mit den Malediven Urlaub auf den abgelegenen Inseln ist allerdings längst ein Politikum, das Indiens regierende hindu-nationalistische Volkspartei im Streit mit den benachbarten Malediven für sich entdeckt hat. 2024 besuchte Indiens Premierminister Narendra Modi (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/narendra-modi/) bewusst die Lakshadweep-Inseln, um sie bekannter zu machen. „Die Herzen der Menschen sind so tief wie der Ozean“, schwärmte er nach seinem Besuch. Seine Begeisterung über die Inseln und die Gastfreundschaft ihrer Bewohner hatte auch taktische Gründe: Er wollte den Indern Urlaub im eigenen Land statt auf den benachbarten Malediven schmackhaft machen. Das brachte wiederum die Malediver auf die Palme, denen indische Touristen bisher große Einnahmen beschert haben. Die maledivische Regierung setzt nun verstärkt auf China statt auf Indien. Der Streit zeigt bereits Folgen: Die Inder sind inzwischen nicht mehr die größte Urlaubernation auf den Malediven, sondern die Chinesen. Dafür schnellte die Zahl indischer Touristen auf den Lakshadweep-Inseln um satte 47 Prozent nach oben. 0,0-Promille-Grenze gekippt Um noch mehr indische, aber auch weitere ausländische Urlauber anzulocken, erlaubt Indiens Regierung neuerdings den Verkauf und Konsum von Bier, Wein und Schnaps auf den Inseln. Zuvor galt 47 Jahre in Lakshadweep ein totales Alkoholverbot, was dem Wunsch der muslimischen Bevölkerungsmehrheit entsprach. Doch damit ist seit Juni 2026 Schluss, seither gilt die neue touristenfreundliche Regelung. Es gelten allerdings strenge Vorgaben: Niemand unter 21 Jahren darf in Lakshadweep Alkohol trinken. Und der Staat kassiert üppige Steuern – es werden bis zu 400 Prozent auf alkoholische Getränke fällig. Vor Ort wird die Liberalisierung kritisiert: Die Insel-Oberen befürchten nun eine Suchtgefahr, schließlich hat die Bevölkerung keinerlei Erfahrung mit Alkohol.