Welt 18.08.2026
18:20 Uhr

So viele Schüler wie seit 45 Jahren nicht mehr – doch der Boom endet


So viele Schüler wie seit 45 Jahren nicht mehr besuchen Hamburgs Schulen. Doch erstmals seit Jahren schrumpfen die Grundschulen. Die Stadt investiert trotzdem mehr als 500 Millionen Euro in neue Gebäude und rechnet langfristig mit sinkenden Zahlen.

So viele Schüler wie seit 45 Jahren nicht mehr – doch der Boom endet

Nach sechs Wochen Sommerferien starten Hamburgs Schulen in das neue Schuljahr – und das mit so vielen Schülern wie seit mehr als vier Jahrzehnten nicht mehr. Nach den aktuellen Planungsdaten der Schulbehörde werden im Schuljahr 2026/27 rund 274.400 Kinder und Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen der Hansestadt besuchen. Einen höheren Wert gab es zuletzt 1981. Doch hinter dem Rekord zeichnet sich bereits eine Entwicklung ab, die für Hamburgs Schulen in den kommenden Jahren prägend werden dürfte. Während die Gesamtzahl der Schüler noch leicht steigt, sinken die Zahlen an den Grundschulen erstmals seit Langem wieder. Nach Angaben der Schulbehörde liegt der Rückgang dort bei 0,1 Prozent. Bildungssenatorin Ksenija Bekeris (SPD) geht deshalb davon aus, dass die Schülerzahlen in Hamburg spätestens ab 2029 insgesamt wieder zurückgehen werden. Grund seien mehrere Jahre mit rückläufigen Geburtenzahlen und ein zuletzt schwächerer Zuzug nach Hamburg. Zwar seien die Zahlen der in Hamburg geborenen Kinder zuletzt wieder etwas gestiegen. Gleichzeitig würden aber mehr als ein Viertel der Kinder später gar nicht in der Stadt zur Schule gehen, zum Beispiel weil sie nur aufgrund der besseren Versorgung nicht in den Umlandgemeinden zur Welt kommen, ihre Eltern aber dort leben. Noch werden die rückläufigen Zahlen an den Grundschulen dadurch überlagert, dass die geburtenstarken Jahrgänge und zugezogene Kinder der vergangenen Jahre inzwischen an die weiterführenden Schulen sind oder dorthin wechseln. Dort setzt sich das Wachstum fort. Die Zahl der Schüler an Stadtteilschulen und Gymnasien steigt laut Schulbehörde noch einmal um rund zwei Prozent. Für die Schulen bedeutet das zunächst weiterhin steigende Anforderungen. Zum Schuljahresbeginn werden rund 19.000 Erstklässler eingeschult. Hinzu kommen etwa 17.400 Schüler, die neu auf Stadtteilschulen und Gymnasien wechseln. Trotz der Aussicht auf künftig sinkende Schülerzahlen hält die Stadt an ihrem umfangreichen Schulbauprogramm fest. Auch im neuen Schuljahr sollen mehr als 500 Millionen Euro in Neubauten, Erweiterungen und Sanierungen investiert werden. Geplant sind unter anderem neue Gebäude für das Gymnasium Hochrad in Othmarschen, die Stadtteilschule Winterhude, die Grundschule Alte Weiden in Neugraben sowie mehrere Großprojekte in Hummelsbüttel und Oldenfelde. Gleichzeitig werden im Laufe des Schuljahres unter anderem das neue Bille-Gymnasium in Bergedorf, der Campus Ausschläger Weg und das Gymnasium Neugraben fertiggestellt. Nach Angaben der Schulbehörde zeigt sich daran, dass der Schulentwicklungsplan längst nicht mehr nur auf Wachstum reagieren soll. Viele Projekte dienten inzwischen auch der Modernisierung bestehender Standorte, dem Ausbau des Ganztags und der Verbesserung der Lernbedingungen. Seit dem aktuellen Schulentwicklungsplan von 2019 seien 23 neue Schulen entstanden, sagte Bekeris. Auch beim Personal sieht die Senatorin Hamburg gut aufgestellt. Zum Schuljahresbeginn stehen nach Behördenangaben 16.166 Lehrerstellen an den allgemeinbildenden Schulen zur Verfügung. Das sind 112 Stellen mehr als im Vorjahr. Landesweit waren kurz vor Unterrichtsbeginn lediglich vier Lehrerstellen ausgeschrieben. „Hamburgs Schulen sind sehr gut versorgt, einen allgemeinen Lehrkräftemangel gibt es bei uns im Unterschied zu anderen Bundesländern nicht“, sagte Bekeris.