Welt 03.06.2026
20:29 Uhr

So kämpft Eberl gegen das Aus beim FC Bayern


Ende August entscheidet der Aufsichtsrat über die Zukunft von Max Eberl beim FC Bayern. Die Kritikpunkt-Liste an ihm ist lang. So kämpft der angezählte Sportvorstand um seinen Job.

So kämpft Eberl gegen das Aus beim FC Bayern

Am Abend des 20. Mai musste Max Eberl ein Gespräch führen, das ihm nicht leichtfiel. Der Sportvorstand des FC Bayern (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern-muenchen/) unterrichtete den Aufsichtsrat darüber, dass Wunschspieler Anthony Gordon nicht nach München kommen wird. Die Berater des Offensiv-Stars von Newcastle United hatten Eberl kurz zuvor darüber informiert, dass sich Gordon für einen Wechsel zum FC Barcelona entschieden hat. Die Bayern gehen im Werben um den englischen Nationalspieler leer aus. Trotzdem machte der Aufsichtsrat Eberl an jenem Mittwochabend keine Vorwürfe. Schließlich hatte das Gremium dem Sportchef für den Gordon-­Deal ein Budget von rund 60 Millionen Euro bereitgestellt. Die 80 Millionen Euro, die der FC Barcelona für den Angreifer nun auf den Tisch legt, wollten die Bayern-Bosse in keinem Fall bezahlen. Deswegen rücken jetzt die Alternativen, die die Münchner parallel zu den Gordon-Verhandlungen verfolgt haben, in den Fokus. Nach Informationen der „Sport Bild“ ist in dieser Woche ein Meeting zwischen Mitgliedern des Aufsichtsrates, CEO Jan-Christian Dreesen und Eberl angesetzt. Dabei sollen in erster Linie Spieler wie Mika Godts (Ajax Amsterdam) oder Junior Kroupi (AFC Bournemouth) besprochen werden, an denen die Bayern ebenfalls interessiert sind. Klar ist: Als Alternative zu Gordon möchte der Deutsche Meister keinen klassischen Star verpflichten, sondern vielmehr einen Back-up für den Sturm oder die Position auf dem linken Flügel. Eberl darf bis August in Ruhe weiterarbeiten Im Sommer-Transferfenster muss Eberl beweisen, dass er ein gutes Näschen hat. Denn jetzt geht es auch um seinen eigenen Job. Nach Informationen der „Sport Bild“ läuft das Bosse-Ultimatum an Eberl, dessen Vertrag 2027 ausläuft, bis Ende August. Dann soll auf der Aufsichtsratssitzung über die Zukunft des gebürtigen Niederbayern in München entschieden werden. Das Sommer-Transferfenster bekommt Eberl noch in jedem Fall. Bis zur Gremiums-Sitzung im August darf er in Ruhe weiterarbeiten. Eine Trennung zuvor wurde ausgeschlossen. Nach der Aufsichtsratssitzung ist aber alles möglich. Sogar eine sofortige Beendigung der Zusammenarbeit. Eberl weiß, dass ihn Teile des Gremiums kritisch sehen. Bei der vorletzten Aufsichtsratssitzung am 23. Februar rührte er deshalb ordentlich die Werbetrommel für sich selbst. Eberl stellte die von ihm getätigten Top-Transfers Luis Díaz und Michael Olise ins Zentrum seines Vortrags. Er präsentierte dem Aufsichtsrat einen detaillierten Vergleich zwischen dem Duo Díaz/Olise und der vorherigen Flügelzange, die aus Kingsley Coman (Al-Nassr) und Leroy Sané (Galatasaray) bestand. Dabei zeigte der Sportchef auf, wie viel effektiver Díaz und Olise im Vergleich zu Coman und Sané seien. Eberl ging nicht nur auf Tore und Assists ein. Er strich auch die geringere Verletzungsanfälligkeit und Gehaltseinsparungen heraus. Schließlich zählten Coman und Sané über Jahre zu Bayerns Spitzenverdienern. Eberl ist im Kampfmodus Eberls Rede zeigt: Der Sportvorstand ist im Kampfmodus, wird seinen Posten auf keinen Fall freiwillig räumen. Doch die Kritikpunkt-Liste des Aufsichtsrates ist lang und beinhaltet folgende Kernvorwürfe: Eberl möchte bei Transfers zu schnell zum Abschluss kommen, die Deals werden dadurch zu teuer. Vergangenen Sommer wollte Eberl Spieler wie Xavi Simons oder Jamie Gittens holen, die dem Aufsichtsrat nicht gefielen und die finanziell nicht abgesegnet wurden. Eine weitere Forderung der Bosse ist zudem: Eberl müsse auch mal hart bleiben, wenn es um Gehälter geht. In seiner Amtszeit gab es teure Vertragsverlängerungen mit Joshua Kimmich, Jamal Musiala, Alphonso Davies, Dayot Upamecano oder Alexander Nübel. Die Führung hat das Gefühl, dass das ganz große Vertrauensverhältnis von Eberl zum Aufsichtsrat nicht vorhanden ist. Der Sportvorstand kommuniziere zu wenig bei der Umsetzung seiner Transfer- und Kader-Pläne. Er würde erst vorstellig werden, wenn er die Deals eigentlich schon fertig verhandelt hat. Es herrscht das Gefühl in der Führung, Eberl könne die Streitkultur des FC Bayern, im Sinne der Sache, nicht aushalten wie früher Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Er nehme die Kritik stattdessen persönlich. Hoeneß sieht Eberls Chance für eine Vertragsverlängerung bei „60 zu 40“ Ehrenpräsident Hoeneß soll zudem Eberls Arbeitsauffassung missfallen. Dass Eberl am Sonntag für Spaziergänge mit seinem Hund und oft auch mit seiner Ehefrau Natascha das Handy zu Hause lässt, stört den Klub-Patron. Hoeneß und Eberl wohnen beide am Tegernsee. Mit dem Auto sind es vom einen Anwesen zum anderen knapp zehn Minuten. Doch die Chance, sich im Haus von Hoeneß oberhalb von Bad Wiessee regelmäßig auszutauschen, lässt Eberl meist ungenutzt. In einem Gespräch mit dem „Spiegel“ gab Hoeneß vor eineinhalb Wochen zu Protokoll, dass Eberls Chancen auf eine Verlängerung aktuell bei „60 zu 40“ lägen und es im Aufsichtsrat weiter Zweifel am Sportboss gebe. Die Vorgaben des Gremiums an Eberl sind für diesen Sommer jedenfalls klar formuliert: Er soll Leihspieler wie Nübel, João Palhinha, Sacha Boey oder Bryan Zaragoza von der Gehaltsliste bekommen. Für die Bayern hätte das Gehalts-Einsparungen von geschätzt rund 30 Millionen Euro zur Folge. Auch in der Abwehr würden die Münchner gerne personelle Veränderungen vornehmen. Verkaufskandidaten sind Minjae Kim und Hiroki Ito. Nach Innenverteidiger Yann Aurel Bisseck von Inter Mailand haben sich die Bayern kürzlich konkret erkundigt. Fest steht aber: Bevor Eberl in der Defensive neue Spieler holen darf, muss er erst verkaufen. Auch hier übten die Bosse im vergangenen Sommer Kritik an seiner Arbeit. Beim 25-Millionen-Euro-­Verkauf von Coman wurde Eberl intern vorgeworfen, sich bei der Ablöse gegenüber Al-Nassr zu schnell zufriedengegeben zu haben. Dreesen verhandelte damals nach und holte noch mal fünf Millionen Euro mehr raus. Ohnehin gilt Eberls Verhältnis zu seinem Vorstands-Kollegen als unterkühlt. Die beiden pflegen einen deutlich distanzierteren Umgang miteinander, als es zwischen Dreesen und Sportdirektor Christoph Freund der Fall ist. Intern kommuniziert Eberl deutlich weniger als etwa sein Vorgänger Hasan Salihamidžić. Und auch auf dem Transfermarkt agieren die beiden unterschiedlich. Eberl gibt erheblich weniger Geld aus, als es Salihamidžić tat. Dafür gelang es Salihamidžić seinerzeit, teure Ladenhüter wie Med­hi Benatia, Douglas Costa, Renato Sanches oder Sebastian Rudy zu verkaufen. Diese Vorgabe hat in diesem Sommer auch Eberl. Salihamidžić war insgesamt drei Jahre Sportvorstand des FC Bayern. Eberl ist seit etwas mehr als zwei Jahren im Amt. Ob weitere hinzukommen werden, hängt maßgeblich vom Erfolg auf dem ab dem 1. Juli geöffneten Transferfenster ab. Die finale Entscheidung fällt auf der nächsten Aufsichtsratssitzung Ende August.