Welt 03.09.2026
15:22 Uhr

Sie sollen ihr Opfer misshandelt haben – Großrazzia gegen Erpresser-Bande


Über Monate sollen sie Geld von einem Mann gefordert haben. Als das Opfer nicht zahlte, griffen die Verdächtigen laut Ermittlern zu Gewalt. Nun durchsuchten rund 150 Polizisten neun Wohnungen in Berlin. Ein Haftbefehl wurde vollstreckt.

Sie sollen ihr Opfer misshandelt haben – Großrazzia gegen Erpresser-Bande

Gegen 5.30 Uhr setzen sich die Kolonnen in Bewegung. Über ganz Berlin verteilt fahren Einsatzfahrzeuge unauffällig Wohnanschriften in Neukölln, Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf, Mitte und Tempelhof-Schöneberg an. Vor vielen Häusern ist zu diesem Zeitpunkt noch alles ruhig. Die Straßen sind weitgehend leer. Wenige Minuten später kommt die Freigabe für den Zugriff. Über Funk wird der Beginn des Einsatzes koordiniert. Nahezu zeitgleich schlagen die Beamten an neun Adressen zu. Schwer bewaffnete Polizisten sichern Eingangsbereiche und Treppenhäuser. Mit Türrammen verschaffen sich Einsatzkräfte Zugang zu Wohnungen. Ziel der koordinierten Maßnahmen ist es, mögliche Beweismittel zu sichern, bevor Verdächtige gewarnt werden oder Unterlagen und Datenträger verschwinden können. Auch in der Krausenstraße in Berlin-Mitte beziehen die Beamten kurz vor sechs Uhr Stellung vor einem Neubau. Wenige Augenblicke später erfolgt der Zugriff. Während Einsatzkräfte die Wohnungen sichern, beginnen Ermittler des Landeskriminalamtes mit der Durchsuchung der Räume. Mehrere Stunden lang tragen Beamte Kisten, Taschen und beschlagnahmte Gegenstände aus dem Gebäude. Hintergrund des Großeinsatzes ist ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Berlin gegen acht Beschuldigte im Alter zwischen 27 und 48 Jahren. Ihnen werden räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Nach Angaben der Ermittler sollen die Männer über einen längeren Zeitraum unberechtigte Geldforderungen an einen Geschädigten gerichtet haben. Im Februar dieses Jahres soll die Situation schließlich eskaliert sein. Die Beschuldigten sollen den Mann körperlich angegriffen und dabei nicht unerheblich verletzt haben. Gleichzeitig sollen sie weitere Geldforderungen gestellt haben. Um die Vorwürfe aufzuklären und mögliche Hintergründe der Tat zu rekonstruieren, durchsuchten die Ermittler am Mittwoch insgesamt neun Wohnanschriften in Berlin. Ein zuvor erwirkter Haftbefehl gegen einen 23-Jährigen wurde vollstreckt. Die Ermittler stellten zudem zahlreiche Beweismittel sicher. Dazu gehören nach Informationen der Staatsanwaltschaft unter anderem Mobiltelefone, Computer, weitere elektronische Datenträger, schriftliche Unterlagen sowie Bargeld im unteren fünfstelligen Bereich. Insbesondere die beschlagnahmten Kommunikationsgeräte dürften für die Ermittler von Interesse sein. Die Auswertung der Mobiltelefone und Computer könnte Aufschluss darüber geben, wie die Tatverdächtigen miteinander kommunizierten, welche Rollen die einzelnen Beschuldigten gespielt haben und ob weitere Personen beteiligt gewesen sein könnten. Insgesamt waren rund 150 Polizeibeamte aus Berlin und Brandenburg an den Maßnahmen beteiligt. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat, dem genauen Ablauf und möglichen weiteren Tatbeteiligten dauern an. Weitere Einzelheiten wollten die Behörden zunächst nicht bekannt geben. Wir sind das WELT-Investigativteam: Sie haben Hinweise für uns? Dann melden Sie sich gerne, auch vertraulich – per E-Mail (verlinkt auf mailto:investigativ@welt.de) oder über den verschlüsselten Messenger Threema (8SNK792J).