Es ist ein geheimes Treffen zu einem brisanten Zeitpunkt: Inmitten russischer Drohungen über (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/ukraine-krise/) „systematische“ Luftangriffe auf Kiew und der amerikanischen Ankündigung eines zumindest vorübergehenden Rückzugs aus den Friedensgesprächen ist der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow am Dienstag in Berlin eingetroffen. Im Kanzleramt trifft er sich im sogenannten „E3“-Format mit dem außenpolitischen Berater von Friedrich Merz, Günter Sautter, sowie den sicherheitspolitischen Beratern des französischen Präsidenten (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/frankreich-politik/) und des britischen Premierministers. Zwei mit den Gesprächen vertraute Personen bestätigten das Treffen gegenüber „Politico“. Ein Regierungssprecher wollte sich auf Anfrage nicht äußern und verwies auf ein „vertrauliches Treffen“. Die ukrainische Botschaft in Berlin lehnte einen Kommentar ab. Die diplomatischen Bemühungen kommen nur kurz nach einem massiven russischen Angriff auf Kiew am Wochenende sowie der russischen Drohung, die ukrainische Hauptstadt mit weiteren „konsequenten und systematischen Schlägen“ zu treffen. Das russische Außenministerium forderte am Sonntag ausländische Staatsbürger „einschließlich des Personals diplomatischer Vertretungen und internationaler Organisationen“ auf, die Stadt „so schnell wie möglich“ zu verlassen. Die EU-Botschafterin (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/europaeische-union/) in der Ukraine wies diese Forderung mit den Worten zurück: „Wir bleiben in Kiew. Wir stehen an der Seite der Ukraine.“ Die USA ziehen sich zurück US-Außenminister Marco Rubio (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/donald-trump/) hatte am Freitag angedeutet, dass sich Washington vorerst aus den US-geführten Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine zurückziehen wolle, da diese „leider nicht fruchtbar“ gewesen seien. „Wenn jemand anderes sich darum kümmern möchte, soll er das tun“, fügte Rubio hinzu. Die Bundesregierung (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/bundesregierung/) versucht schon länger, den Ukraine-Gesprächen neuen Schwung zu geben. Außenminister Johann Wadephul erklärte Anfang des Monats im WELT-Interview, die E3-Gruppe aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien unternehme „einen neuen Anlauf, wieder in Verhandlungen hineinzukommen – mit einer größeren Rolle Europas in den nächsten Wochen und Monaten“. Merz hatte bereits im Dezember Ukraine-Friedensgespräche im Kanzleramt organisiert. Diese hatten jedoch zu keinem Durchbruch geführt.Auf europäischer Seite gibt es vermehrt Diskussionen, ob man anstelle der Amerikaner in direkte Verhandlungen auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eintreten solle. Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte vergangene Woche einen Einsatz als Unterhändlerin ab und verwies darauf, dass die Aufgabe von einem amtierenden Regierungschef mit entsprechender Verhandlungsmacht wahrgenommen werden müsse. Die neuen E3-Gespräche mit Umerow werden jedoch von gewissen Spannungen zwischen Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj überschattet. Vergangene Woche hatte der Kanzler der Ukraine in einem Schreiben eine eingeschränkte „assoziierte“ EU-Mitgliedschaft (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/eu-erweiterung/) angeboten, bevor sie zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise vollständiges Mitglied werden könne. Selenskyj lehnte Merz’ Vorstoß am Wochenende ab und betonte, die Ukraine müsse „vollwertig und gleichberechtigt“ in die EU aufgenommen werden. Merz hatte zuvor angeregt, Kiew diese assoziierte Mitgliedschaft als Zugeständnis zu gewähren, um Selenskyj die Möglichkeit zu geben, im Rahmen eines möglichen Friedensabkommens Unterstützung in der ukrainischen Bevölkerung für den Verzicht auf von Russland besetzten Gebiete zu gewinnen. „Letzte Woche fragten sich viele in Brüssel (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/bruessel/) , warum Merz gerade jetzt öffentlich auf die assoziierte Mitgliedschaft der Ukraine drängt“, sagte ein EU-Diplomat. „Die Tatsache, dass Umerow heute in Berlin ist, deutet darauf hin, dass es einen klaren Zusammenhang gibt.“ Hans von der Burchard (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/hans-von-der-burchard/) ist Senior Playbook Author bei „Politico“.