Welt 05.06.2026
11:45 Uhr

„Schwierig, schwarze Zahlen zu schreiben“ – DFB warnt vor wirtschaftlichen Verlusten


104 Spiele in drei Ländern – die WM wird für die Fifa zur Gelddruckmaschine. Anders sieht es für die Teilnehmer aus. DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig skizziert, dass es für europäische Verbände ernüchternd werden könnte. Es gebe nur einen Gewinner.

„Schwierig, schwarze Zahlen zu schreiben“ – DFB warnt vor wirtschaftlichen Verlusten

Die WM 2026 wird zur teuersten und lukrativsten der Fußball-Geschichte. Während der Weltverband Fifa durch das XXL-Turnier (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/article6a16c606bd0d0e58e09d9530/fussball-wm-2026-ticker-fifa-fuehrt-aenderung-bei-der-nationalhymnen-zeremonie-ein.html) auf Rekordeinnahmen zusteuert, ist bei vielen Verbänden die Sorge vor einem Verlustgeschäft groß. „Auch wenn der Weltverband die Prämien nach Intervention der Föderationen angepasst hat, kann man schon heute absehen, dass es für eine europäische Nation, die nicht ins Halbfinale kommt, schwer wird, wirtschaftlich schwarze Zahlen zu schreiben“, sagte DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig. 48 Teams, 104 Spiele, 3 Länder, (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/article6a21b380b20db0d89b6557ca/wm-2026-wenn-es-keine-loesung-gibt-wird-der-ball-nicht-rollen-proteste-in-mexiko-eskalieren.html) enorme Distanzen – die Weltmeisterschaft vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada geht nicht nur sportlich neue Wege. „Die WM wird Rekorde aufstellen im Bereich Kommerzialisierung. Es wird, begünstigt durch die Vergrößerung des Turniers, so hohe Einnahmen wie noch nie geben, aber auch die Kosten werden auf ein Rekordniveau klettern“, sagte Sportökonom Professor Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln. „Sicher ist auch schon jetzt, dass in dieser Gemengelage die Fifa am besten abschneiden wird.“ Erwartete Fifa-Einnahmen für das gesamte WM-Jahr 2026: 8,911 Milliarden Dollar (7,65 Milliarden Euro). Infantino sieht beispiellose Hilfe für Verbände Die Fifa verweist darauf, dass sie zugleich Rekordgelder an die Teilnehmer (verlinkt auf https://editorial.one/editor/welt/article/6a16c606bd0d0e58e09d9530/edit) ausschüttet. Die Fifa sei „stolz darauf, sich in der finanziell stabilsten Position ihrer Geschichte zu befinden, was es uns ermöglicht, all unseren Mitgliedsverbänden auf beispiellose Weise zu helfen. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Ressourcen der Fifa wieder in den Sport reinvestiert werden“, sagte Präsident Gianni Infantino Ende April. Den Verbänden entstehen jedoch höhere Ausgaben für Reisen, Personal, Unterkünfte und wegen steuerlicher Anforderungen. Rettig hielte es für „wünschenswert, wenn die Fifa aus Fairnessgründen eine individualisierte Kostenerstattung für den jeweiligen Nationalverband (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/wm/article69f1c758792e2c3e9d47d6e3/wm-spielplan-2026-alle-spiele-gruppen-und-deutschland-partien-im-ueberblick.html) bezogen auf die unterschiedlichen logistischen Herausforderungen vornehmen würde. Hier kann es zu großen wirtschaftlichen Unterschieden kommen.“ Trotz organisatorischer und finanzieller Unterstützung durch die Fifa tragen die Verbände nämlich weiterhin erhebliche Eigenkosten. Nach Kritik hatte der Weltverband bereits die Prämienzahlungen erhöht. Insgesamt werden nun 871 statt 727 Millionen Dollar an die 48 Teams ausgeschüttet. Fix planen konnte jeder Teilnehmer mit 10 Millionen Dollar Startgeld und 2,5 Millionen Dollar für Vorbereitungskosten. „Die Verbände haben selbst einen großen Einfluss auf die Kostenstruktur, wenn es um die Wahl der Unterkünfte, die Reisemittel und die Größen der Reisegruppen geht. Da sieht man einen deutlichen Unterschied zwischen den Mitgliedsverbänden aus reicheren und ärmeren Ländern“, sagte Breuer. Steuerrecht als X-Faktor Nicht alle Nationalteams werden die WM mit einem finanziellen Gewinn verlassen. „Am härtesten wird es die Nationen treffen, die groß planen, feudal wohnen, aber dann schnell ausscheiden. Ein frühes WM-Aus durchkreuzt bei großen Nationen in der Regel die Finanzplanung, denn dann weichen die erwarteten und tatsächlichen Einnahmen zum Teil gravierend voneinander ab“, sagte der Sportökonom. Zwar ist der Gesamttopf so prall gefüllt wie noch nie. Am Turnier in den USA, Mexiko und Kanada (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/wm/) nehmen aber auch 16 Teams mehr als noch beim vergangenen Turnier 2022 in Katar teil. Für große Verbände kann die WM ein Zuschussgeschäft werden, wenn frühes Ausscheiden, hohe Spielerprämien, Steuerfragen und Nordamerika-Kosten zusammentreffen. Hinzu kommt ein Wechselkursrisiko: Ein starker Dollar kann Hotels, Dienstleistungen oder Reisen zusätzlich verteuern. „Diese WM 2026 mit erstmals drei Gastgeberländern bringt besondere Herausforderungen mit sich – dazu zählen insbesondere die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen der Bundesstaaten“, sagte Rettig. Anders als bei vielen früheren Turnieren treffen die Teilnehmer auf ein komplexes System aus Bundessteuern, einzelstaatlichen Steuern und teils unterschiedlichen lokalen Regelungen. Verbänden drohen Beratungskosten im siebenstelligen Bereich. Je nachdem, wie Prämien oder Werbeeinnahmen steuerlich eingeordnet werden, könnten Verbände – und auch Spieler – mit unterschiedlichen Steuerpflichten konfrontiert werden. Zwar versucht die Fifa bei Großturnieren regelmäßig, steuerliche Erleichterungen mit den Gastgebern auszuhandeln, doch wegen des föderalen Systems in den USA gilt die Lage als deutlich komplizierter als etwa in Katar. Weltmeister wird auch finanziell besonders profitieren Für den neuen Weltmeister wird sich die WM nicht nur wegen des stolzen Fifa-Preisgeldes von 50 Millionen Dollar finanziell lohnen. „Erfolgreiche Nationen verdienen durch die Erfolgsprämien mit einer WM auch mehr Geld. Dazu gibt es einen Imagegewinn, der weitere ökonomische Erlöse zur Folge haben kann“, erklärte Breuer. Für den WM-Sieg 2014 kassierte der DFB 35 Millionen Dollar. Durch das Vorrundenaus 2018 und 2022 gab es dagegen erhebliche Einbußen. Erfolge erleichtern die Sponsorensuche – erst recht für den Weltmeister. Bei aller Bedeutung für die Verbände: Im Fußball sei das Kostenthema nicht so gravierend wie in anderen Sportarten, sagte Breuer. „Es hat zumindest im Fußball noch nie eine Nation die WM-Teilnahme wegen zu hoher Kosten abgesagt.“ Gleichwohl sollten Turnierdauer und Entfernungen bei künftigen Vergaben stärker berücksichtigt werden. „Schließlich hat sich der Sport der finanziellen und der ökonomischen Nachhaltigkeit verpflichtet“, sagte Breuer.