Welt 27.04.2026
11:53 Uhr

Russland bestellt deutschen Botschafter ein – Auswärtiges Amt kritisiert „haltlose Maßnahme“


CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter soll „antirussische Aktivitäten“ einer tschetschenischen Gruppe befürworten. Das Auswärtige Amt bezeichnet die erhobenen Vorwürfe als „unbegründet“.

Russland bestellt deutschen Botschafter ein – Auswärtiges Amt kritisiert „haltlose Maßnahme“

Russland hat am Montag den deutschen Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff, einbestellt. Als Begründung nannte das russische Außenministerium die angebliche Unterstützung eines deutschen Abgeordneten für eine tschetschenische „Terrororganisation“. Konkret warf Moskau CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter vor, sich kürzlich in Kiew mit dem Anführer der in Russland verbotenen Gruppierung „Tschetschenische Republik Itschkerien“ getroffen und ihre „antirussischen Aktivitäten“ befürwortet zu haben. Das russische Außenministerium wertete das Treffen als Beleg dafür, „dass die deutschen Behörden beabsichtigen, sich in die inneren Angelegenheiten Russlands einzumischen und Gefahren für dessen nationale Sicherheit zu schaffen“. Lambsdorff (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article698b6af8830250c46b918f99/neue-botschafter-in-moskau-peking-und-tel-aviv-medienbericht-nennt-alle-namen.html) sei vor den „verhängnisvollen Folgen solcher Handlungen gewarnt“ worden. „Russlandfeindliche Schritte werden unweigerlich die gebührende Gegenwehr erfahren“, heißt es laut einer Mitteilung. Lambsdorff hatte vor dem Termin im Ministerium seiner Sprecherin zufolge gesagt: „Der Einbestellung werde ich selbstverständlich Folge leisten. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die russische Seite ihre Vorwürfe belegen kann.“ Die Bundesregierung hat die Einbestellung durch das russische Außenministerium als „haltlose Maßnahme“ kritisiert. Die Sprecherin des Auswärtigen Amts, Kathrin Deschauer, nannte am Montag die von Moskau erhobenen Vorwürfe „unbegründet“. Tschetschenische Separatisten an der Seite ukrainischer Streitkräfte Die „Tschetschenische Republik Itschkeria“ bildete sich im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion. Sie wird von der Ukraine, aber nicht international anerkannt. Sie erklärte unter ihrem damaligen Anführer Dschochar Dudajew 1991 ihre Unabhängigkeit, was wiederum zu einem Krieg zwischen Russland und den Separatisten führte. Der auch für Terroranschläge verantwortliche Separatistenführer war 1996 bei einem russischen Raketenangriff getötet worden. Heute kämpfen Mitglieder der Itschkeria-Bewegung an der Seite der Ukrainer gegen den russischen Angriffskrieg. Sie waren auch beteiligt an den Kämpfen in den russischen Grenzregionen Kursk und Belgorod, in die ukrainische Streitkräfte in der Vergangenheit eingedrungen waren. Die Beziehungen zwischen Moskau und Berlin sind seit der russischen Offensive in der Ukraine auf dem Tiefpunkt. Deutschland ist einer der stärksten Unterstützer der Ukraine. Botschafter Lambsdorff wurde bereits 2025 einbestellt Im Juni 2025 war Lambsdorff vom russischen Außenministerium wegen einer angeblichen „Verfolgung“ russischer Journalisten (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article256314852/Russland-bestellt-deutschen-Botschafter-ein-und-droht-mit-Vergeltungsmassnahmen.html) in Deutschland einbestellt worden. Russischen Medienberichten zufolge ging es um den Mitarbeiter einer russischen staatlichen Medienholding, der Deutschland verlassen soll. Die Einwanderungsbehörde der Stadt Berlin verlängerte demnach die Aufenthaltspapiere des Mannes nicht. Frau und Kind seien ebenfalls vorübergehend die Pässe abgenommen worden, hieß es. Das Auswärtige Amt in Berlin wies die Vorwürfe damals als „haltlos“ zurück. „Im Gegensatz zur immer schärferen russischen Repression gegen Journalistinnen und Journalisten gelten in Deutschland rechtsstaatliche Prinzipien und Pressefreiheit“, hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Das habe auch der deutsche Botschafter im russischen Außenministerium in aller Klarheit unterstrichen.