Russlands Präsident Wladimir Putin (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/wladimir-putin/) hat westlichen Ländern vorgeworfen, die Weltwirtschaft durch einseitige Sanktionen zu schwächen. Durch das Einfrieren russischer Vermögenswerte im Ausland hätten westliche Nationen das Vertrauen in ihre eigenen Währungen untergraben, sagte er bei seiner Rede auf dem alljährlichen internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) in St. Petersburg. „Die Sanktionen und die Sperrung der russischen Staatsreserven haben das Ansehen internationaler Währungen, des Dollars und des Euros, unwiderruflich beeinträchtigt“, sagte er und schickte eine Warnung an andere Länder. „Genau wie Russland könnte jedes andere Land den Zugang zu seinen rechtmäßigen Vermögenswerten in Dollar oder Euro sowie zu westlichen Finanz- und Zahlungssystemen verlieren.“ „Die Wurzeln der aktuellen globalen Turbulenzen liegen im Übergang von einem vertikalen, hierarchischen Modell, das den Interessen einer kleinen Zahl von Staaten diente, zu einem komplexeren, dezentralisierten und multipolaren Modell“, sagte Putin. Russland betrachte die globalen Veränderungen „nicht nur als Bedrohung, sondern auch als enorme Chancen“. Man wolle „schnell und pragmatisch handeln“, um diese zu nutzen. Den Zustand der russischen Wirtschaft spielte er herunter. „Von allen Seiten wird uns gesagt, dass bei uns alles schlecht läuft“, sagte Putin und fügte an: „Ja, die wirtschaftliche Dynamik ist derzeit verhalten.“ Russland sei nun „auf das gleiche Niveau gesunken“, auf dem sich die Länder in der Eurozone seit mehreren Jahren befänden. Putin sagte, Russland stärke „in einem angespannten und schwierigen Umfeld“ weiterhin seine Souveränität (...)“, indem es seinen Partnerkreis erweitere. Putin verwies insbesondere auf die Zusammenarbeit mit Ländern im sogenannten globalen Süden. Das Wirtschaftsforum wird seit 1997 jährlich von der russischen Regierung veranstaltet. Insgesamt werden bei der bis Samstag andauernden Konferenz rund 20.000 Besucher aus 130 Ländern erwartet. Am Donnerstag hatte Putin sich mit Vertretern internationaler Nachrichtenagenturen getroffen (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6a21bd2f3807a686af77dfb5/wladimir-putin-beim-treffen-mit-auslaendischen-journalisten-lobt-er-ploetzlich-die-afd.html) und sich auch zum Ukraine-Krieg geäußert. Dort erklärte er seine Bereitschaft zum Dialog auch mit Europa zur Beendigung des von ihm begonnenen Kriegs. Als Vermittler kämen aber nur neutrale „Leute“ infrage, „denen man vertrauen kann“, so Putin. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte fast zeitgleich in einem offenen Brief an Putin ein persönliches Treffen mit dem russischen Staatschef vorgeschlagen. Der Kreml erklärte daraufhin, der ukrainische Präsident könne „jederzeit nach Moskau kommen“. Die von den USA vermittelten Verhandlungen zwischen beiden Ländern liegen wegen des Iran-Kriegs praktisch auf Eis.