Welt 28.07.2026
15:04 Uhr

Protest mitten in der Runde – Golf-Star auf Socken


Es ist eine der kuriosesten Szenen des Golfjahres. Lucas Glover läuft auf Socken über das Grün. Es ist ein Protest: Der Traditionalist sieht sich zu Unrecht kritisiert und verweist auf die geltenden Regeln.

Protest mitten in der Runde – Golf-Star auf Socken

Es waren merkwürdige Bilder, die sich am zehnten Grün des TPC Twin Cities Golfplatzes in Minnesota abspielten. Golfprofi (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/golf/) Lucas Glover hatte in der Finalrunde des PGA-Turniers 3M Open gerade einen langen Putt zum Birdie gelocht, als sich der Tour-Veteran publikumswirksam die Schuhe auszog. Auf Socken schritt Glover über das Grün, fischte den Ball aus dem Loch, ging zurück und zog sich seine Schuhe wieder an. Dass der 46-jährige Amerikaner damit etwas sagen wollte, war mehr als offensichtlich. TV-Kommentatoren spekulierten zunächst, dies sei ein Protest gegen das AimPoint-System zur Grünanalyse, das von vielen PGA-Tour-Spielern genutzt wird. Bei diesem Vorgehen wird die Neigung des Grüns mit den Füßen erspürt. Gegner monieren, dass die Spielbahn durch das Umherlaufen mehr als nötig beansprucht und geschädigt wird. Tatsächlich hatte Glovers Socken-Auftritt aber einen anderen Grund: Er wollte verhindern, dass seine Metallspikes nach einer Beschwerde eines Regeloffiziellen weitere Abdrücke auf den Grüns hinterlassen. Und gleichzeitig einen stillen Protest darüber zum Ausdruck bringen, dass er deswegen ermahnt worden war. „Lasst uns das klarstellen“, schrieb Glover auf Instagram: „Seit 23 Jahren trage ich auf der PGA Tour Spikes. Vor 23 Jahren haben das die meisten von uns getan. Und es ist noch gar nicht so lange her, dass wir Spike-Abdrücke auf den Grüns nicht einmal ausbessern durften. Gestern war das erste Mal, dass sich überhaupt jemand beschwert hat.“ Sein Tourkollege Michael Kim schrieb in den sozialen Medien, mehrere Spieler hätten sich bei den Regeloffiziellen über Spike-Abdrücke auf den Grüns von Minnesota (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/minnesota/) beschwert. Sie seien davon ausgegangen, dass diese von Glover verursacht worden seien. Viele Golfklubs verbieten Metallspikes Bis Anfang der 90er-Jahre waren Metallspikes unter Golfschuhen der weltweite Standard, mittlerweile trägt sie kaum noch jemand. In den meisten Golfklubs sind sie sogar verboten, weil sie auf und abseits des Platzes zu große Schäden anrichten. Zunächst wurden sie durch Softspikes aus Kunststoff ersetzt, mittlerweile gibt es so gute Gummiprofile, dass viele Golfer (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/golf/) gar keine Spikes mehr tragen. Nicht so Glover, der nach wie vor auf Metall schwört, was er auf der Tour auch darf. Seit 2019 ist es nachfolgenden Spielern zudem erlaubt, durch Spikes verursachte Schäden auszubessern, sollten sie sich vor ihrem Putt davon gestört fühlen. „Ich habe gegen keine Regel verstoßen“, schrieb der US-Open-Champion (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/golf/article6a38f1377e682fc37fc032cf/golf-ausgebuht-und-verspottet-eklat-um-us-open-sieger-wyndham-clark.html) von 2009: „Zweitens trugen auch Spieler in den Gruppen vor und hinter mir Metallspikes. Die Grüns bei den 3M Open bestehen aus Bentgrass, waren weich und wirkten, als seien sie ziemlich stark bewässert worden – vermutlich wegen der Wettervorhersage. Es ist mir egal, ob jemand Metall- oder Softspikes trägt: Unter solchen Bedingungen werden die Grüns nun einmal in Mitleidenschaft gezogen. Rund um das Loch habe ich mein Bestes getan, um meine Spuren beim Verlassen der Stelle wieder zu glätten.“ Glover betonte mehrfach, dass die aktuellen PGA-Tour-Regeln es den Spielern erlauben, Spike-Abdrücke auf den Grüns auszubessern. Dabei verwies er auch auf das kommende Turnier in Detroit dieser Woche. „Ich werde Metallspikes tragen, und die Spieler hinter mir dürfen die Abdrücke weiterhin glätten.“ Vorteile von Metallspikes • maximale Traktion bei kräftigen Schwüngen • mehr Stabilität auf nassem Untergrund • ein direkteres Gefühl für den Bodenkontakt Nachteile von Metallspikes • stärkere Beschädigung empfindlicher Grüns • Kratzer auf Wegen und Böden in Klubhäusern • höherer Pflegeaufwand für Golfanlagen