Welt 06.09.2026
09:00 Uhr

Mit diesen Fotos fahndet die Polizei nach dem mutmaßlichen Strom-Saboteur


Nach dem Fund von zwölf neuen Sprengsätzen an Hochspannungstrassen in Sachsen intensiviert die Polizei ihre Fahndung nach dem mutmaßlichen Saboteur. Unter anderem wurde ein Foto von Daniel V. veröffentlicht.

Mit diesen Fotos fahndet die Polizei nach dem mutmaßlichen Strom-Saboteur

Im Zusammenhang mit der Sabotage an Umspannwerken in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen sucht die Polizei jetzt per Foto nach dem 48-jährigen Tatverdächtigen aus Gevelsberg. Dies teilte die Polizei in Köln am Samstag mit und bittet die Bevölkerung um Hinweise. Am Freitag hatten Spezialeinheiten der Polizei Nordrhein-Westfalen den zu einem Wohnmobil umgebauten Lkw des mutmaßlichen Verfassers (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/kriminalitaet/article6a9aeb47240b302c8a8398b3/sabotageakte-klimaextremismus-polizei-wertet-fuer-jagd-nach-daniel-v-jetzt-auch-wildkameras-aus.html) des Bekennerschreibens auf einem Parkplatz im Kreis Düren entdeckt und durchsucht. Dabei wurde laut Polizei umfangreiches Beweismaterial, darunter Pyrotechnik, sichergestellt. Laut „taz“ soll es sich bei dem Gesuchten (verlinkt auf https://taz.de/Polizei-findet-Truck-des-Verdaechtigen-am-Hambacher-Forst/!6210358/) um einen Endvierziger handeln, der Medizin studiert hat. Ob er tatsächlich praktiziert, ist jedoch unklar. Eine Verwandte gab an, Daniel V. bereits seit mehreren Wochen nicht mehr gesehen zu haben. Auch die „Zeit“ berichtet (verlinkt auf https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-09/sabotage-stromleitungen-bekennerschreiben-herbert-reul-nordrhein-westfalen-brandenburg) , dass Daniel V. vor längerer Zeit den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen habe. Nachbarn erinnern sich, dass Daniel V. „immer freundlich gegrüßt“ habe, berichtet die „Bild“-Zeitung (verlinkt auf https://www.bild.de/regional/nordrhein-westfalen/daniel-v-48-auf-der-flucht-vor-der-polizei-vom-lehrersohn-zum-strom-saboteur-6a9aea19dde98c923618210d) . Allerdings sei er schon als Kind als Einzelgänger aufgefallen. Auch später habe er sehr zurückgezogen gelebt, teilweise in dem als Wohnmobil umgebauten Lkw. Von einer Anstellung, einem Partner oder einer Familie war den Nachbarn nichts bekannt. Sein Vater, ein Architekt, sei vor 15 Jahren gestorben. Seine Mutter habe früher als Lehrerin gearbeitet. Hintergrund der Fahndung sind zwei Bekennerschreiben, die bei mehreren Medienhäusern eingingen und auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. In den Schreiben hatte der Verdächtige die Anschläge demnach mit Kritik an der Energieerzeugung mit fossilen Brennstoffen. „Eindeutiges Täterwissen“ „Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges Täterwissen“, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Zum Motiv sagte Dobrindt, es handele sich sehr wahrscheinlich um „Klimaterrorismus“ eines Einzeltäters. In einem Bekennerschreiben heißt es: „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen.“ NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, wer im Namen des Klimaschutzes die Stromversorgung von Krankenhäusern gefährde, der rette nichts, sondern gefährde Leben. „Keine Ideologie taugt als Ausrede“, betonte Reul. Auffällig ist, dass sich die betroffenen Orte in der Nähe von Gebieten befinden, in denen noch Braunkohle abgebaut wird. Aktiven Tagebau in Deutschland gibt es nach Angaben des Branchenverbandes Debriv in Nordrhein-Westfalen, im Süden Brandenburgs und Sachsen-Anhalts sowie im Osten und Westen von Sachsen. Erster Fundort im Süden Brandenburgs Am Dienstagmorgen hatte es zunächst im Süden Brandenburgs einen Angriff auf die Stromversorgung gegeben. Nach dpa-Informationen wurde mit mehr als 20 selbstgebauten Raketen leitfähiges Material in Richtung der Höchstspannungsleitungen im Umspannwerk Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde gelenkt. In zwei Fällen kam es zu einem Kurzschluss. Einen Stromausfall gab es nach Angaben des Netzbetreibers nicht. Die Polizei ermittelt nach der Sabotage des Stromnetzes unter anderem wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Zweiter Fundort in der Nähe von Köln Am selben Abend kam es dann zu einer Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln. Auch hier wurden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden. Laut RWE Power gingen fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke an den Kraftwerksstandorten Niederaußem und Neurath vom Netz. Mehrere davon gingen später wieder in Betrieb, einer soll aber erst kommende Woche wieder ans Netz gehen. Die allgemeine Stromversorgung war aber jederzeit gesichert. Weitere Fälle in NRW Am Donnerstagabend entdeckte ein Spaziergänger an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf mutmaßliche Abschussvorrichtungen und alarmierte die Polizei. Nach einem Hinweis aus einem Bekennerschreiben suchte die Polizei am Freitag auch das Gelände rund um das Kraftwerk Weisweiler bei Aachen ab. Am Freitagabend gab es dann bei einer Stromanlage in Hamm einen größeren Polizeieinsatz. Wie ein dpa-Reporter berichtete, kamen zahlreiche Polizeiwagen zu dem Ort an einer Landstraße bei einem Waldstück. Es war auch ein Hubschrauber im Einsatz. Ein Sprecher der Polizei sagte, es handele sich um eine ehemalige Stromanlage, die seit längerem außer Betrieb sei. Neue Fälle in Sachsen Auch in Ostsachsen entdeckte die Polizei insgesamt zwölf Sprengvorrichtungen im Bereich von Hochspannungstrassen. „Diese sollten Schäden an den elektrischen Hochspannungsleitungen durch einen Kurzschluss herbeiführen“, informierten die Sicherheitsbehörden. Fündig wurden die Ermittler südlich des Umspannwerks Bärwalde nahe Lippen sowie östlich des Umspannwerks Graustein nahe Schleife. Die Orte befinden sich in der Lausitzer Braunkohleregion nahe der Grenze zu Brandenburg. Am Freitag war es in der Region zu einem größeren Polizeieinsatz gekommen. Auslöser waren „behördenübergreifende Informationen“ und die Meldung eines aufmerksamen Bürgers. Aktuell werde eine Verbindung zu den anderen Fällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen geprüft, informierten die Polizei und die Generalstaatsanwaltschaft Dresden. Der Einsatz läuft weiter.