Welt 27.04.2026
05:34 Uhr

Mit „Hallo zusammen!“ beginnt der Schütze seine Schreiben – und wettert dann gegen die US-Regierung


Minuten vor den Schüssen in Washington verschickte der Angreifer Cole Tomas Allen ein verstörendes Schreiben an seine Familie. Darin stilisierte sich der hochgebildete 31-Jährige als „freundlicher Bundesattentäter“ – und machte der Regierung von Donald Trump Vorwürfe.

Mit „Hallo zusammen!“ beginnt der Schütze seine Schreiben – und wettert dann gegen die US-Regierung

Der Mann, der sich gewaltsam Zutritt zum Korrespondentendinner in Washington (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article69ed6174e5056f185e2353af/washington-schuesse-bei-trumps-presse-dinner-us-praesident-nennt-angreifer-moechtegern-moerder.html) verschaffen wollte, hat in einem Schreiben an Familienmitglieder gegen die Regierung von US-Präsident Donald Trump gewettert. Darin bezeichnete sich Cole Tomas Allen als „Friendly Federal Assassin“, auf Deutsch „freundlicher Bundesattentäter“. Seine Mitteilungen wurden nur Minuten vor dem Angriff verschickt, wie aus einem von der AP eingesehenen Dokument hervorgeht. Die von der AP geprüften Schreiben umfassen mehr als 1.000 Wörter und lesen sich wie eine wirre, persönliche Botschaft. Sie beginnen ungewöhnlich locker mit einem „Hallo zusammen!“ und wechseln dann zu Entschuldigungen gegenüber Familie, Kollegen und sogar Fremden, die von der Gewalt betroffen sein könnten. Die Texte enthielten wiederholt Verweise auf Trump, ohne ihn direkt zu nennen. Sie spielten auf eine Reihe von Vorwürfen gegen Maßnahmen der Regierung an, darunter US-Angriffe auf Boote, die mutmaßlich mit Drogen beladen sind. Ermittler werten die Schreiben zusammen mit Social-Media-Beiträgen und Aussagen von Familienmitgliedern als einen der bislang klarsten Hinweise auf die Gedankenwelt und möglichen Motive des Verdächtigen. Die Behörden fanden zudem zahlreiche Anti-Trump-Beiträge in den sozialen Medien, die dem 31-jährigen Verdächtigen aus Kalifornien zugeordnet werden. Social-Media-Profile zeigen ihn als hochgebildeten Tutor und Amateur-Entwickler von Videospielen. Er erwarb 2017 einen Bachelorabschluss in Maschinenbau am California Institute of Technology in Pasadena, wie aus seinem LinkedIn-Profil hervorgeht. Die Universität gilt als sehr renommiert und hat eine äußerst niedrige Zulassungsquote. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der 31-Jährige jemals zuvor straffällig wurde. Familienmitglieder des Verdächtigen kontaktierten die Polizei Der Bruder des Mannes hatte nach Erhalt des Schreibens die Polizei in Connecticut kontaktiert, wie ein Ermittler der AP mitteilte. Die Polizei teilte mit, sie sei um 22.49 Uhr – etwa zwei Stunden nach den Schüssen – von einer Person kontaktiert worden, die Informationen über den Vorfall übermitteln wollte. Die Behörde informierte daraufhin umgehend die Bundesbehörden. Die Schwester des Verdächtigen, die in Maryland lebt, teilte den Ermittlern mit, ihr Bruder habe legal mehrere Waffen erworben und diese im Haus der Eltern gelagert, ohne deren Wissen. Sie beschrieb ihn als jemand, der zu radikalen Äußerungen neige. Der Mann hatte am Samstagabend bei dem Gala-Dinner im Hilton-Hotel in Washington versucht, eine Sicherheitsschleuse zu durchbrechen und war vom Personal überwältigt worden. Es fielen Schüsse. Trump und andere ranghohe Gäste wurden in Sicherheit gebracht. Der amtierende Justizminister Todd Blanche erklärte, der Verdächtige sei vermutlich mit dem Zug von Kalifornien nach Chicago und anschließend nach Washington gereist, wo er sich bereits Tage vor der Veranstaltung im Hotel eingecheckt habe. Er soll allein gehandelt haben und am Montag strafrechtlich angeklagt werden.