Für die schwarz-rote Bundesregierung geht es bei den Landtagswahlen in diesem Jahr um einiges. Niederlagen für die CDU könnten die Koalition mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) schwächen. Aber vor allem die SPD muss um Ministerpräsidentenposten bangen. Die FDP könnte noch mehr an Bedeutung verlieren, die AfD und die Linke hingegen erstarken. Zuletzt erschütterte allerdings eine Vetternwirtschaftsaffäre (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article699eeb13d0c7f5820fad0572/martina-uhr-afd-bundestagsabgeordnete-beschaeftigt-lebensgefaehrten-und-dessen-tochter-im-eigenen-buero.html) die AfD. Seit immer mehr Fälle bekannt geworden sind, wie mit Beschäftigungsverhältnissen eventuell Familienangehörige und eigene Netzwerke begünstigt werden, ist die Partei in Aufruhr. Die Verwandtenaffäre betrifft mittlerweile unter anderem die Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt, in denen in diesem Jahr gewählt wird. Mit Markus Frohnmaier und Ulrich Siegmund sind sogar zwei Spitzenkandidaten betroffen. Baden-Württemberg unter Özdemir Die Grünen haben die Landtagswahl am 8. März in Baden-Württemberg knapp gewonnen . Nach der Auszählung aller Wahlkreise kamen die Grünen nach Angaben der Landeswahlleitung bei den Zweitstimmen – also den Stimmen für die Parteien – auf 30,2 und die CDU auf 29,7 Prozent. Nachdem die ersten Prognosen am Sonntag um 18 Uhr einen klaren Sieg für die Grünen ausgewiesen hatten, schmolz der Vorsprung auf die CDU im Laufe des Wahlabends. Zwischenzeitlich lagen beide Parteien fast gleichauf. Nun beträgt der Unterschied einen halben Prozentpunkt oder 27.000 Stimmen. Noch in den Umfragen hatte die CDU komfortabel vorne gelegen. Baden-Württembergs CDU-Chef Manuel Hagel hat nach seiner knappen Wahlniederlage der Partei seinen Rücktritt angeboten. Das Angebot sei aber klar und einstimmig abgelehnt worden, sagte Landesgeneralsekretär Tobias Vogt. Nach dem ultraknappen Ausgang ist die Stimmung zwischen den Parteien frostig wie lange nicht, was Koalitionsverhandlungen erschwert. Die CDU wirft den Grünen nach wie vor eine „Schmutzkampagne“ im Wahlkampf (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article69afb78364d1f5a2cd5182d0/manuel-hagel-sie-postete-das-rehaugen-video-gruenen-politikerin-zoe-mayer-aeussert-sich-zum-schmutzkampagnen-vorwurf.html) vor. Wahlsieger Cem Özdemir (Grüne) sieht nicht ein, das Amt des Regierungschefs mit Hagel zu teilen. Die AfD gewinnt von allen Parteien am meisten hinzu und erhält 18,8 Prozent. Ihrem Spitzenkandidaten Markus Frohnmaier scheint die Vetternwirtschaftsaffäre bei der Wahl also nicht geschadet zu haben. Die SPD kommt auf 5,5 Prozent – ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl. Spitzenkandidat Andreas Stoch kündigte noch am Wahlabend seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef an. Lesen Sie hier alle Entwicklungen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article69ac18ef9477a274f78019d2/landtagswahl-baden-wuerttemberg-manuel-hagel-bietet-ruecktritt-an-cdu-landesvorstand-lehnt-ab-liveticker.html) in unserem Liveticker. Alle Ergebnisse und Grafiken zur LTW in Baden-Württemberg im Überblick (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/article6973750cf5499fb954b6392e/landtagswahl-baden-wuerttemberg-das-wahlergebnis-im-ueberblick.html) . Sehen Sie hier, wer in Ihrem Wahlkreis (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/article69737474f5499fb954b63926/landtagswahl-baden-wuerttemberg-alle-wahlkreise-alle-sieger-der-bw-wahl.html) gewonnen hat. Die Wählerwanderung (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article697367e0f5499fb954b637d2/waehlerwanderung-spd-ueberzeugt-nur-nichtwaehler-afd-saugt-allen-parteien-waehlerstimmen-ab.html) : Die SPD überzeugte nur Nichtwähler Demografie: (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/article6973690b029492de1675a59a/baden-wuerttemberg-gruene-bei-beamten-mit-grossem-abstand-vorn-afd-bei-16-bis-24-jaehrigen-auf-platz-2.html) Beamte wählen die Grünen Folgt Rheinland-Pfalz dem Bundesbeispiel? Am 22. März geht es weiter in Rheinland-Pfalz (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/article695e3f479c2c98991fda32df/landtagswahl-rheinland-pfalz-das-muessen-sie-zur-wahl-2026-wissen.html) . Hier könnten die Wähler erstmals seit 35 Jahren die SPD abwählen. Ministerpräsident Alexander Schweitzer übernahm das Amt 2024 von der zurückgetretenen Malu Dreyer und stellt sich somit zum ersten Mal dem Wählervotum. Obwohl er bekräftigt, dass er mit seinen aktuellen Regierungspartnern weitermachen möchte, droht seiner Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP ebenso ein Scheitern wie auf Bundesebene. Die CDU liegt in aktuellen Umfragen vorn, gefolgt von SPD und AfD. Deren Landeschef Jan Bollinger wurde als Spitzenkandidat bestätigt und positioniert sich selbstbewusst im Wahlkampf. Die Grünen kreisen um die zehn Prozent, die Linke wäre knapp im Landtag, die FDP scheitert derzeit an der Fünf-Prozent-Hürde. Bereits 2011 flog sie aus dem Landtag. Da alle Parteien eine Koalition mit der AfD ausschließen, lässt die Koalitionsbildung aktuellen Umfragen folgend nicht viele Optionen. Rheinland-Pfalz könnte am Ende dem Beispiel Bund folgen: Nach dem Aus der Ampel bleibt für CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder am Ende nur Schwarz-Rot. Wahlforscher warnen allerdings, dass Umfragen in Landeswahlen oft noch stärker abweichen können als prognostiziert, und raten zur Vorsicht bei zu frühen Interpretationen. Und tatsächlich war das Umfrageloch der SPD vor vergangenen Landtagswahlen genauso tief und stets schafften die Sozialdemokraten auf den letzten Metern die Wende – bei den vergangenen beiden Wahlen mit Malu Dreyer an der Spitze gegen die Unions-Spitzenkandidaten Julia Klöckner und Christian Baldauf. Nun wird Dreyers Nachfolger Alexander Schweitzer zeigen müssen, ob er Endspurt kann. Eine aktuelle Umfrage von Infratest dimap deutet dies bereits an. Es deutet also viel auf eine künftige Koalition aus CDU und SPD hin, mit wem als Sieger und wem als Juniorpartner wird sich zeigen. Damit dürfte das Duell zwischen Schweitzer und seinem Unions-Herausforderer Gordon Schnieder, dem Bruder von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, in den Fokus rücken. Sachsen-Anhalt steht vor schwierigen Verhältnissen Die wohl spannendste Wahl des Jahres findet am 6. September in Sachsen-Anhalt statt, denn dort könnte die AfD erstmals stärkste Kraft werden und stabile Mehrheiten sind nicht in Sicht. In den Umfragen liegt die als gesichert rechtsextrem eingestufte Landespartei, deren Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sich zurzeit mit einer Affäre um Vetternwirtschaft herumschlägt, mit deutlichem Abstand vorn. Eine absolute Mehrheit gilt als nicht ausgeschlossen, sollten kleinere Parteien wie FDP und Grüne den Einzug ins Parlament verpassen. Die SPD verharrt in den Umfragen bei niedrigen sieben bis acht Prozent, das BSW kommt mit sechs Prozent bereits der Fünf-Prozent-Hürde nah. Die Linkspartei liegt bei elf Prozent. Der amtierende Ministerpräsident Reiner Haseloff hatte sich entschieden, nicht noch einmal anzutreten und hat inzwischen auch sein Amt abgegeben. Neuer Ministerpräsident ist nun Ex-Wirtschaftsminister Sven Schulze, der nun als Spitzenkandidat mit Amtsbonus für die CDU antritt. Ähnlich wie in Rheinland-Pfalz dürfte die Suche nach Koalitionspartnern aber schwierig werden. Eine Minderheitsregierung ist also denkbar. Linkspartei und CDU müssten sich näherkommen, wenn sie die Rechtsextremen von der Regierung fernhalten wollen. Noch gilt für die Christdemokraten ein Unvereinbarkeitsbeschluss, der eine Zusammenarbeit mit AfD und Linkspartei verbietet. Doch dieser fällt womöglich nach der Wahl. Schon jetzt haben CDU und Linke in Sachsen-Anhalt eine Form der Kooperation gefunden. So wurde etwa die Parlamentsreform von 2020 in enger Abstimmung zwischen CDU, Linkspartei, SPD und Grünen erarbeitet. Spannend wird zu sehen, ob der AfD ihre jüngste Vetternwirtschaftsaffäre schadet und sie in den Umfragen an Zuspruch verliert. Die Partei hat inzwischen eine Kommission zum „Verhalten im politischen Betrieb“ eingesetzt. Diese soll sich mit den Anstellungsverhältnissen bei Abgeordneten beschäftigen. Zugleich beklagte der Landesverband eine „politisch-mediale Kampagne“ gegen sich. Berlins kurze CDU-Ära? Für Berlins Regierungschef könnte nach einer bereits sehr kurzen Amtsperiode am 20. September 2026 schon wieder das Ende als Regierender Bürgermeister anstehen. Denn Kai Wegner von der CDU ist erst seit Frühjahr 2023 im Amt, nachdem wegen massiver Unregelmäßigkeiten bei der eigentlichen Wahl im Jahr 2021 neu gewählt werden musste. Aus der Wiederholungswahl ging die CDU erstmals nach 1999 als stärkste Kraft hervor. Die SPD fiel laut dem endgültigen Ergebnis mit nur 53 Stimmen Vorsprung vor den drittplatzierten Grünen auf die zweite Position zurück. Selbst wenn Wegners CDU am Wahlabend stärkste Kraft bleiben sollte, könnte sich nach den Umfragen eine Koalition aus einer starken Linken, SPD und Grünen formieren und regieren. In den Umfragen zeigt sich seit Wochen ein relativ stabiles Bild: Die CDU liegt vorn, während sich SPD, Grüne, Linke und AfD dahinter bei Werten zwischen 13 und 19 Prozent ein enges Rennen um die weiteren Plätze liefern. Aktuell würde es für eine Zweierkoalition in keiner Kombination mehr reichen. Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern wählt am 20. September 2026 zeitgleich mit Berlin einen neuen Landtag. Im Norden regiert seit der Landtagswahl 2021 eine Koalition aus SPD und Linke, angeführt von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Schwesig geht als Spitzenkandidatin ihrer Partei in die Landtagswahl. Sie fokussiert ihren Wahlkampf stark darauf, die SPD wieder konkurrenzfähig zu machen und der AfD entgegenzutreten. Diese liegt in aktuellen Umfragen deutlich vorn und ist faktisch stärkste Partei im Land, allerdings politisch ein kaum akzeptierter Koalitionspartner. Mit ihrem als gemäßigt geltenden Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm konnte sie ihr Ergebnis in den Umfragen seit der letzten Landtagswahl mehr als verdoppeln. Holm äußerte sich auch kritisch über die Verwandtenaffäre um seinen Parteikollegen Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt. Nach den letzten Umfragen würde die rot-rote Koalition ihre Mehrheit klar verlieren. Die CDU verharrt auf mäßigen Werten, Grüne und FDP kämpfen um den Einzug in den Landtag. Die AfD würde ihr Ziel „Alleinregierung“ allerdings ebenso verfehlen. Nur eine Dreier-Koalition aus SPD, CDU und Linke hätte eine stabile Mehrheit. Aufgrund des Kooperationsverbots zwischen CDU und Linke auf Bundes- und Landesebene wird dieser Tabubruch allerdings bisher politisch ausgeschlossen. Für eine mögliche Koalition aus CDU und AfD gilt ähnliches: Rechnerisch möglich, aber die CDU positioniert sich klar gegen jede Zusammenarbeit. Das BSW als Koalitionspartner bleibt unsicher, weil die Partei die 5-Prozent-Hürde überwinden muss. Eine Minderheitsregierung ist nicht ausgeschlossen.