Peter Hegemann hat kurz vor der Bekanntgabe seiner Auszeichnung mit dem Medizin-Nobelpreis eine Rückruf-Bitte des Nobelkomitees ignoriert. „Ich bekam eine E-Mail von jemandem, den ich nicht kannte. Und darin hieß es: ´Ruf mich zurück. Ich habe etwas Wichtiges für dich´“, sagte der Wissenschaftler von der Humboldt-Universität Berlin im Interview mit der Organisation Nobel Prize Outreach. Dann sei ihm die Vorwahl der hinterlegten Nummer aufgefallen. Als er genauer draufschaute, kam der 71-Jährige zu einer Feststellung: „Ich erinnere mich von meinen Segel-Erfahrungen, dass dies Schweden sein musste. Also rief ich die Person zurück und es war der Vorstand des Nobelkomitees.“ Der Anruf habe ihn um kurz vor 11.00 Uhr erreicht, also nur wenige Minuten vor der offiziellen Bekanntgabe der Auszeichnungen. Von der Nachricht über seine Auszeichnung sei Hegemann überwältigt gewesen. „Es ist unglaublich, wenn du diese Nachricht bekommst, aber du brauchst Zeit, um zu realisieren, was passiert ist“, sagte Hegemann weiter. Hegemann ist am Montag gemeinsam mit dem US-amerikanischen Forscher Karl Deisseroth (54) und dem deutschen Forscher Georg Nagel (73) für seine Entdeckungen auf dem Gebiet der Optogenetik mit dem diesjährigen Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet worden. Bei der Optogenetik werden Methoden der Optik und Genetik zur nicht-invasiven Anregung einzelner Neurone kombiniert. Mit ihr werde gezeigt, „wie Nervenzellen im Gehirn Erinnerungen, Gefühle und Verhaltensweisen formen“, erklärte das Nobelkomitee. Preisträger erhalten rund 1,2 Millionen Dollar Die Preisträger hätten den Grundstein für eine neue Ära in den Neurowissenschaften gelegt. Mittlerweile lässt sich das Verfahren bereits therapeutisch nutzen – etwa in der Augenmedizin. Die Auszeichnung ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen (umgerechnet rund 1,2 Millionen Dollar) dotiert, die sich die drei Wissenschaftler teilen.