Welt 20.04.2026
15:13 Uhr

Lufthansa Technik hält nun die deutschen U-Boot-Jäger instand


Für die Marineflieger wartet das Hamburger Luftfahrtunternehmen den neuen Seefernaufklärer des Typs Boeing P-8A Poseidon. Lange schon ist die Bundeswehr mit Flugzeugen Kunde in Fuhlsbüttel – aber bei diesen Maschinen gibt es eine Besonderheit.

Lufthansa Technik hält nun die deutschen U-Boot-Jäger instand

Lufthansa Technik hat erstmals in seiner Geschichte Wartungsarbeiten „an potenziell waffentragenden Luftfahrzeugen“ durchgeführt, teilte das Unternehmen am Montag mit. Aktuell stehen zwei der zurzeit drei Seefernaufklärer des Typs Boeing P-8A Poseidon auf der Flugzeugwerft in Fuhlsbüttel. Am ersten dieser von der Deutschen Marine neu beschafften Flugzeuge wird derzeit der 180-Tage-Check durchgeführt, dann folgt der 90-Tage-Check für die zweite Maschine der Reihe, die bereits ebenfalls in Fuhlsbüttel steht. Das Unternehmen, die Deutsche Marine und die Hamburger Politik würdigten bei einer Feierstunde am Montag die tiefere Integration von Lufthansa Technik in die deutsche Verteidigungswirtschaft. „Hamburg ist ein starker Luftfahrtstandort und kann die Kompetenz seiner Unternehmen auch im militärischen Bereich einbringen“, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). „Es ist wichtig, dass die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands unter Beteiligung deutscher Unternehmen erfolgt und damit auch positive Wertschöpfungseffekte für unsere Wirtschaft erzielt werden.“ Der Kommandeur der Marineflieger, Kapitän zur See Broder Nielsen, sagte: „Die Marineflieger sind von strategischer Bedeutung für unsere Sicherheit. Sie stehen für die Fähigkeit, große Seegebiete schnell und wirksam zu überwachen, U-Boote aufzuklären, zu verfolgen und – wenn nötig – zu bekämpfen. Mit der P-8A Poseidon verfügen wir endlich wieder über so einen weitreichenden, vernetzten und hochmodernen U-Boot-Jäger aus der Luft.“ Seit 2021 hat die Deutsche Marine in zwei Schritten insgesamt acht Boeing P-8A Poseidon bestellt, drei Maschinen stehen derzeit bei den Marinefliegern im Dienst. Das Flugzeug basiert auf der Boeing 737. „Mit den beiden ersten erfolgreich durchgeführten Checks an einer P-8A hat Lufthansa Technik bewiesen, dass das Unternehmen auch ‚Marine‘ kann“, sagte Stefan Rauscher, verantwortlicher Gruppenleiter im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw). „Ich bin sicher, dass wir auch hier die vertrauensvolle, leistungs- und termingerechte Zusammenarbeit etablieren, die wir seit Jahren bei den Transport- und Sonderflugzeugen der Luftwaffe kennen und schätzen.“ „Die ersten Poseidon-Checks stellen ein Novum für uns dar – erstmals in der Unternehmensgeschichte arbeiten unsere Kolleginnen und Kollegen hier an potenziell waffentragenden Systemen“, sagte Janna Schumacher, Chief Human Resources Officer von Lufthansa Technik. „Gemeinsam mit der Marine stärken wir nachhaltig die Einsatzbereitschaft der deutschen Poseidon-Flotte und leisten einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Zeitenwende.“ Der im vergangenen November abgeschlossene Vertrag zwischen Lufthansa Technik Defense und Boeing umfasst zahlreiche Instandhaltungsleistungen an der Poseidon-Flotte der Deutschen Marine. Dazu zählen, über die Flugzeug-Checks hinaus, auch die Komponentenversorgung, eine kontinuierliche Überwachung der Triebwerkszustände, das Betriebsmanagement und Schulungen von technischem Personal. Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit langer Zeit auch über die Luftfahrtindustrie im Norden.