Welt 04.06.2026
07:26 Uhr

„Kein erkennbarer Mehrwert für Gleichberechtigung“ – Union will Entgelttransparenzgesetz kippen


In der Union wächst der Widerstand gegen die EU-Entgelttransparenzrichtlinie. CDU- und CSU-Politiker drängen die Bundesregierung, in Brüssel über eine Rücknahme zu verhandeln.

„Kein erkennbarer Mehrwert für Gleichberechtigung“ – Union will Entgelttransparenzgesetz kippen

Aus der Unionsfraktion im Bundestag kommt die Forderung an die Bundesregierung, in Brüssel Verhandlungen über eine Aufhebung der Entgelttransparenzrichtlinie (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a1d182ebf5b78f90d00a895/lohnluecke-spd-wirft-union-affront-gegenueber-millionen-frauen-vor.html) zu führen. „Die Bundesregierung sollte noch einmal mit der Kommission sprechen. Diese Richtlinie passt weder in die Zeit noch ist sie praktikabel anwendbar“, sagte Andreas Lenz (CSU), wirtschaftspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, dem Nachrichtenmagazin „Politico“. Die Richtlinie sei „höchstens gut gemeint, der gut gemeinte Zweck wird damit aber nicht erreicht“, erklärt Lenz. „Die Regelungen führen zu mehr Bürokratie gerade für den Mittelstand. Sie sind in der Form aber generell nicht handhabbar“, so Lenz. Die familien- und frauenpolitische Sprecherin Anne König (CDU) sagte, die Richtlinie werde „keinen erkennbaren Mehrwert für die Gleichberechtigung von Frauen in der Arbeitswelt“ haben, sondern berge „neues Konfliktpotenzial in den Betrieben“. König rechnet damit, dass die Richtlinie, die „von den Befürwortern geweckten hohen Erwartungen an eine spürbare Verringerung der Lohnlücke wird diese Richtlinie in der Praxis gar nicht erfüllen“ werde. „Stattdessen stellt sie die Prinzipien der Leistungsgerechtigkeit, der unternehmerischen Freiheit und der Tarifautonomie insgesamt infrage und untergräbt damit zentrale Grundlagen unserer freiheitlichen Wirtschaftsordnung“, so die CDU-Politikerin. Die EU hat die Entgelttransparenzrichtlinie bereits 2023 verabschiedet. Sie muss bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article69563490f6fc544dba9b91b8/entgelttransparenzgesetz-arbeitgeber-muessen-ab-2026-gehaelter-offenlegen.html) . Das zuständige Bundesfamilienministerium hat jedoch bereits angekündigt, dass diese Frist nicht eingehalten werde. Maximilian Stascheit (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/maximilian-stascheit/) ist Reporter bei „Politico“ Deutschland. Für mehr Insights aus dem Kanzleramt immer wochentags um 7 Uhr können Sie sich hier kostenlos beim „Berlin Playbook“ von „Politico“ anmelden (verlinkt auf https://www.politico.eu/deutschland-berlin-playbook/) .