Welt 17.10.2026
14:44 Uhr

Jetzt beginnt das Ende der Roten Karte, wie wir sie kennen


Gelbe und Rote Karte aus Plastik könnten im Fußball bald der Vergangenheit angehören. In Uruguay wird eine Alternative getestet, die eine echte Revolution sein könnte. Nur ein Problem fällt auf.

Jetzt beginnt das Ende der Roten Karte, wie wir sie kennen

Die Schiedsrichter in den höchsten Fußball-Wettbewerben sind mit Technik vollgestopft. Headset für die Kommunikation mit Assistenten und dem Videoschiedsrichter, Uhr und Sensoren für die Torlinientechnik, Sensoren für die Funk-Linienrichterfahnen, teilweise eine kleine Kamera, um Fernsehbilder aus der Perspektive der Unparteiischen zu produzieren. Jetzt könnten auch noch einige der letzten analogen Mittel aussterben – die Gelbe und Rote Karte aus Plastik und die Spielnotizkarte aus Papier. In Uruguay jedenfalls wird aktuell die Digitalisierung massiv vorangetrieben. Beim Pokalspiel zwischen Nacional und Rentistas (3:0) zückte Schiedsrichter (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/schiedsrichter/) Eduardo Varela keine klassischen Karten mehr, sondern ein kleines Tablet, das in den entsprechenden Farben leuchtete. Schon nach zwölf Minuten sah Juan Pablo Plada von Rentistas für ein Foulspiel die erste virtuelle Gelbe. Und weil sich Nahuel Gelos von Nacional kurz vor Schluss zu einem heftigen Einsteigen mit gestrecktem Bein hinreißen ließ, kamen die Zuschauer auch in den Genuss der digitalen Roten Karte. So richtig gut ließ sich diese übrigens noch nicht erkennen, weil sie auf dem Bildschirm des Tablets eher dunkel schimmerte. Ein Problem, dessen man sich im uruguayischen Fußballverband bewusst ist. „Wir haben einige Tests durchgeführt und hatten dabei Probleme mit der Beleuchtung“, sagte Marcelo de León, Leiter der Schiedsrichterabteilung des Verbandes. Bislang ist die Nutzung der Tablets nur ein Pilotprojekt, es könnte aber für eine echte Revolution sorgen. Kein Übertragen in Spielbericht mehr notwendig Denn das Gerät kann nicht nur Gelbe und Rote Karten anzeigen, sondern sie genauso wie alle weiteren Ereignisse des Spiels – Auswechslungen, Tore oder Elfmeter – erfassen. Stift und Papier wären damit überflüssig, auch müssten die Ereignisse nach Spielschluss vom Schiedsrichter nicht mehr in einen Spielbericht übertragen werden. WLAN braucht das Tablet dabei nicht. „Es verbessert die administrative Arbeit des Schiedsrichters“, hebt de León hervor. Auch Pressevertreter sollen profitieren – ihnen sollen die Daten aus dem Tablet direkt übermittelt werden.