Welt 31.05.2026
08:32 Uhr

Israel nimmt Burg Beaufort ein und weitet Bodenoffensive im Libanon aus


Trotz offizieller Waffenruhe verschärft sich die Lage im Libanon erneut. Israel meldet eine Ausweitung seiner Bodenoffensive und eine Einnahme der Burg Beaufort, während sich beide Seiten gegenseitig neue Angriffe vorwerfen.

Israel nimmt Burg Beaufort ein und weitet Bodenoffensive im Libanon aus

Israel hat nach eigenen Angaben im Zuge seiner ausgeweiteten Bodenoffensive gegen die Hisbollah im Süden des Libanon die Burg Beaufort eingenommen. Israelische Soldaten hätten „die Beaufort-Höhe eingenommen“, erklärte Verteidigungsminister Israel Katz am Sonntag im Onlinedienst Telegram. Die mittelalterliche Kreuzritterburg gilt wegen ihrer Lage mit Blick über weite Teile des Südlibanon als strategisch wichtiger Punkt. Katz bezog sich auf die frühere Eroberung der mittelalterlichen Kreuzritterburg im Libanonkrieg im Jahr 1982. 44 Jahre später seien israelische Soldaten „auf den Gipfel von Beaufort zurückgekehrt“ und hätten dort erneut die israelische Flagge gehisst. Auf Bildern der Nachrichtenagentur AFP war am Sonntagmorgen eine israelische Flagge über der Burg zu sehen. In der Umgebung war Artilleriefeuer zu hören, Rauch stieg auf. Nach der Einnahme von Beaufort hatten israelische Truppen die Burg bis zu ihrem Rückzug aus dem Libanon im Jahr 2000 als Stützpunkt genutzt. Verteidigungsminister Katz erklärte, die israelische Armee habe unter Führung von Regierungschef Benjamin Netanjahu „ihren Einsatz im Libanon ausgeweitet, den Fluss Litani überquert und die Beaufort-Höhe eingenommen“. Dies diene der Verteidigung der Ortschaften in Galiläa im Norden Israels und der Sicherheit israelischer Soldaten. Zugleich rief die israelische Armee die Bewohner aller libanesischen Gebiete südlich des Flusses Sahrani dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. „Bewohner des südlichen Libanon, Sie müssen sich sofort nördlich des Sahrani begeben“, erklärte der arabischsprachige Armeesprecher Avichay Adraee im Onlinedienst X. Israel verstärke seine Operationen gegen die Hisbollah, hieß es zur Begründung. Die israelische Armee meldete unterdessen den Tod eines weiteren Soldaten im Süden des Libanon. Ein 21-jähriger Unteroffizier sei am Samstag von einer Sprengstoffdrohne der Hisbollah getötet worden, erklärte ein Armeesprecher. Seit Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zwischen Israel und der pro-iranischen Hisbollah am 2. März wurden nach israelischen Angaben 25 Israelis getötet, darunter 24 Soldaten und ein ziviler Auftragnehmer. Ausweitung des Bodeneinsatzes Zuvor hatte die israelische Armee eine Ausweitung ihres Bodeneinsatzes im Libanon gemeldet. Die Offensive zur Erweiterung einer „vorgeschobenen Verteidigungslinie“ werde derzeit „auf zusätzliche Gebiete“ ausgedehnt, erklärte die Armee. Israelische Soldaten hätten zudem den Fluss Litani überquert. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte bereits am Freitag erklärt, die israelischen Streitkräfte hätten den rund 30 Kilometer nördlich der gemeinsamen Grenze verlaufenden Litani überschritten. Die Armee erklärte nun, sie habe „vor einigen Tagen“ einen Einsatz in der Gegend des Beaufort-Kamms und des Wadi al-Saluki im Süden des Libanon begonnen. Ziel sei es, „direkte Bedrohungen“ für Orte im Norden Israels und die Stadt Metula zu beseitigen und die operative Kontrolle im Südlibanon zu stärken. Zwischen Israel und der pro-iranischen Hisbollah gilt s eit dem 17. April offiziell eine Waffenruhe (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article69e108497711c440ff1d98d3/trump-verkuendet-zehntaegige-waffenruhe-zwischen-libanon-und-israel.html) . Sie wurde jedoch nie eingehalten. Beide Seiten werfen einander Verstöße gegen die Vereinbarung vor und rechtfertigen ihre Angriffe jeweils mit mutmaßlichen Verstößen der Gegenseite. Die israelische Armee hatte am Samstag die Bewohner von sieben Dörfern im Südlibanon zur sofortigen Evakuierung aufgerufen. Wegen des „Bruchs der Waffenruhe-Vereinbarung durch die Terrororganisation Hisbollah“ werde sie „entschiedene Maßnahmen“ ergreifen, erklärte Armeesprecher Avichay Adraee. Die Hisbollah erklärte ihrerseits, sie habe die nordisraelische Stadt Kirjat Schmona mit Raketen angegriffen – nach eigenen Angaben zur „Verteidigung des Libanon und seines Volkes“. Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam hatte Israel am Samstag eine Strategie „der verbrannten Erde und der Kollektivstrafe“ vorgeworfen. Diese werde Israel „weder Sicherheit noch Stabilität“ bringen, sagte Salam in einer Fernsehansprache. Zugleich verteidigte er die Fortsetzung direkter Verhandlungen mit Israel als den „am wenigsten kostspieligen Weg“ für den Libanon. Eine neue Gesprächsrunde ist für den 2. und 3. Juni in Washington geplant. Hisbollah lehnt Gespräche ab Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt die direkten Gespräche zwischen dem Libanon und Israel sowie das unter Vermittlung der USA geschlossene Waffenruhe-Abkommen ab. Der Libanon war durch neue Angriffe der Hisbollah auf Israel in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Nach Angaben der libanesischen Behörden wurden seit Beginn der Kämpfe im Libanon 3371 Menschen durch israelische Angriffe getötet. Mehr als eine Million Menschen wurden vertrieben.