Welt 06.07.2026
11:48 Uhr

„Infantino ist keine Demütigung zu peinlich“


Von London bis Stockholm: Internationale Medien kritisieren die Fifa scharf für die Aufhebung der Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun. Selbst die Amerikaner stimmen ein. Denn: Wer möchte so schon gewinnen?

„Infantino ist keine Demütigung zu peinlich“

Die Fifa hat mit der Aufhebung der Sperre für US-Torjäger Folarin Balogun eine heftige Kontroverse (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/wm/article6a4b5552ad32e994f875cfeb/wm-2026-kniefall-vor-der-us-regierung-fassungslosigkeit-nach-fifa-entscheidung.html) bei der Fußball-WM ausgelöst. Weil angeblich Donald Trump und seine Regierung Einfluss auf die Entscheidung des Weltverbandes genommen haben, gibt es auch viel Kritik aus internationalen Medien. Großbritannien The Sun: „Jetzt wissen wir, wie viel der Fifa die Integrität des Fußballs wirklich bedeutet: absolut gar nichts. Indem sie vor der offensichtlichen Forderung des Weißen Hauses eingeknickt ist, ihr eigenes Regelwerk über den Haufen zu werfen und dem US-Stürmer Folarin Balogun die Spielberechtigung für die Partie gegen Belgien zu erteilen, hat die Fifa (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/fifa/) die Vorstellung, dass der Fußball an erster Stelle steht, für immer zerstört.“ Daily Mail: „Der schamlose Donald Trump und sein unterwürfiger Handlanger Gianni Infantino (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/gianni-infantino/) haben diese Weltmeisterschaft in den Dreck gezogen, indem sie die Sperre von Folarin Balogun aufgehoben haben – nun wissen wir mit Sicherheit, dass für die USA andere Regeln gelten als für alle anderen.“ The Telegraph: „Für Infantino ist keine Demütigung zu peinlich, wenn es darum geht, dem Anführer der freien Welt zu schmeicheln (...) Als wäre es nicht schon außergewöhnlich genug, dass er öfter im Oval Office zu Gast war als Sir Keir Starmer ( Premierminister Englands, d. Red. ), kommt nun auch noch eine Entscheidung zur Weltmeisterschaft hinzu, die so stark von politischen Untertönen geprägt ist, dass es einem den Atem raubt …“ The Times: „Warum haben die Leute eine so schlechte Meinung von der Fifa? Es spart einfach Zeit. Es hat fast einen Monat gedauert, bis es so weit war, doch am Sonntag hat der Fußball-Weltverband sein eigenes Turnier ruiniert.“ USA ESPN: „Wer möchte schon gewinnen, wenn der Sieg durch undurchsichtige Eingriffe getrübt wird, die ohne jegliche Erklärung oder Transparenz erfolgen?“ New York Post: „Er hat die Trump-Karte ausgespielt! Präsident Trump bat den Fifa-Präsidenten, die Sperre des Shootingstars der US-Nationalmannschaft nach einer Roten Karte zu überprüfen – noch bevor der Verband überraschenderweise bekannt gab, dass dieser im entscheidenden Spiel am Montag gegen Belgien spielen dürfe.“ New York Times: „Präsident Donald Trump (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/donald-trump/) war während dieser Weltmeisterschaft eine schwer greifbare Persönlichkeit. Oder zumindest war er das bis Mitte letzter Woche, als er zum Telefon griff, um Gianni Infantino anzurufen und um eine Überprüfung der Sperre für ein Spiel zu bitten, die gegen den US-Stürmer Folarin Balogun verhängt worden war, nachdem dieser beim 2:0-Sieg der Mitausrichter im Sechzehntelfinale wegen eines Fouls an Tarik Muharemovic aus Bosnien und Herzegowina die Rote Karte erhalten hatte.“ Belgien Het Laatste Nieuws: „Balogun ist nicht das Problem. Das Problem ist vielmehr, dass Jung und Alt den Glauben an den Fußball zu verlieren drohen.“ Niederlande De Telegraaf: „Die 'Rote-Karte-Affäre' ist ein riesiger Skandal: Der Handelsminister startete eine Offensive, Trump regelte die Sache mit Infantino.“ Schweiz Blick: „Diese Entscheidung ist vor allem eines: ein historischer und skandalöser Eingriff in einen laufenden Wettbewerb. Eine Rote Karte gehört zu den härtesten Sanktionen im Fußball. Genau deshalb ist sie für Spieler, Trainer und Fans verständlich. Wer eine Grenze überschreitet, trägt die Konsequenzen. Wird dieses Prinzip mitten in einer Weltmeisterschaft aufgeweicht, stellt die Fifa nicht nur ihr eigenes Regelwerk infrage. Sie öffnet die Büchse der Pandora.“ Italien Corriere dello Sport: „Eine juristische Farce – wenngleich durch eine Vorschrift gedeckt (die, wie es heißt, deshalb respektiert werden muss) –, die wohl auf ganz anderen Voraussetzungen und Grundlagen beruhte. Sie schafft einen gefährlichen Präzedenzfall, da sie jahrelang etablierte Regeln (und Gepflogenheiten) bei Disziplinarstrafen aushebelt und den Erfordernissen des Augenblicks unterordnet.“ Spanien AS: „Der größte Skandal überhaupt bei einer WM.“ Schweden Aftonbladet: „So weit sind wir also gekommen; so läuft die Weltmeisterschaft heutzutage. 48 Länder nehmen teil, Fußball wird zur Schau gestellt, die ganze Welt schaut zu. Donald Trump gibt die Anweisungen; die Fifa setzt sie um.“