Welt 19.05.2026
11:16 Uhr

„Ich bin sehr besorgt“ – WHO-Chef beruft Ebola-Krisensitzung ein


Die steigende Zahl der Toten durch Ebola im Kongo alarmiert die Weltgesundheitsorganisation. Ein infizierter Arzt aus den USA soll hier behandelt werden. Auch seine Frau und die vier Kinder stehen unter Beobachtung.

„Ich bin sehr besorgt“ – WHO-Chef beruft Ebola-Krisensitzung ein

Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo zieht weitere Kreise: Ein mit dem Virus infizierter US-Bürger soll zur Behandlung nach Deutschland gebracht werden, wie das Bundesgesundheitsministerium am Dienstag bestätigte. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, äußerte sich in Genf „sehr besorgt“ über das „Ausmaß und die Geschwindigkeit“ der Ebola-Ausbreitung. Der WHO-Chef berief seinen Notfallausschuss ein. Die mit der Krankheit vertrauten unabhängigen Experten wollen heute am Nachmittag Empfehlungen ausarbeiten, wie mit dem Ausbruch umgegangen werden soll. Tedros hatte bereits eine Notlage internationaler Reichweite wegen des Ausbruchs ausgerufen. Normalerweise tagt der Ausschuss, sobald eine Bedrohung sich abzeichnet. Der WHO-Chef wartet in der Regel auf den Rat des Ausschusses, ob eine Notlage erklärt werden soll. Es sei das erste Mal gewesen, dass er dies ohne den Ausschuss getan habe, so die WHO. Dies, weil er die Lage als so dringlich betrachtete, dass er nicht warten wollte. Das Ausrufen einer Notlage soll keine Panik schüren, sagte ein WHO-Sprecher in Genf. Vielmehr soll es Länder informieren, dass es ein dringliches Problem gibt, und es soll die Zusammenarbeit stärken. Im Kongo wurde die seltene Bundibugyo-Variante des Virus festgestellt. Gegen die Variante gibt es laut WHO keinen zugelassenen Impfstoff und keine Therapie. US-Patient wird in Deutschland behandelt Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte am Dienstag, die US-Behörden hätten „die Bundesregierung um Hilfe bei der Behandlung eines US-amerikanischen Staatsbürgers gebeten, der sich im Kongo mit Ebola infiziert hat“. Dazu würden nun Vorkehrungen getroffen. Weitere Details wollte das Ministerium nicht nennen, verwies aber darauf, dass Deutschland für die Versorgung von Patienten mit hochansteckenden Krankheiten über ein bundesweites Expertennetzwerk verfüge. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte am Montag erklärt, dass ein US-Bürger sich „im Rahmen seiner Arbeit in der Demokratischen Republik Kongo“ mit dem Ebola-Virus infiziert habe. Er habe im Laufe des Wochenendes Symptome entwickelt und sei am späten Sonntagabend positiv auf das gefährliche Virus getestet worden, führte Satish Pillai aus, der bei der CDC für den Umgang mit Ebola zuständig ist. Die christliche Missionsorganisation „Serge“ (verlinkt auf https://serge.org/blog/american-medical-missionary-tests-positive-for-ebola-in-democratic-republic-of-congo/) gab inzwischen an, dass es sich um einen Arzt aus Virginia handeln soll, der während des Ausbruchs in einem kleinen Krankenhaus gearbeitet hat. Zu seinen Kontaktpersonen, die unter Beobachtung stehen, gehören demnach ein Kollege sowie seine Frau, die ebenfalls als Ärztin tätig war. Auch die vier Kinder des Paares befinden sich in Quarantäne. Der kongolesische Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba informierte in der Nacht zu Dienstag über einen deutlichen Anstieg der mutmaßlich durch Ebola verursachten Todesopfer. 131 mit dem Virus infizierte Menschen starben demnach mittlerweile, insgesamt gebe es 513 Verdachtsfälle. Zuletzt waren aus der DR Kongo 91 Tote und 350 Ansteckungen gemeldet worden. Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat bereits eine verstärkte Impfstoffforschung gegen das Virus gefordert. „Für die Unternehmen, die hier die Forschung machen, ist das nicht lukrativ“, sagte er in einem Podcast des Magazins „Stern“. Vor allem die US-amerikanische Regierung unter Donald Trump habe viel Schaden angerichtet. Die von den US-Amerikanern finanzierte Impfstoffforschung sei stark eingebrochen. Vor Ort fehlten die amerikanischen Spezialisten. Dabei hätten die Amerikaner mit die besten Pandemieexperten der Welt.