Der Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hochbahn, Deutschlands zweitgrößtem Nahverkehrsunternehmen, Robert Henrich, verlässt das Unternehmen zum Jahresende. Wie der Konzern am Montag mitteilte, hat Henrich entschieden, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Bis dahin wird er jedoch nicht im Amt bleiben: Der Manager ist mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt. Die Nachricht kam überraschend. Am Vormittag sollte der Hochbahn-Chef noch bei Terminen präsent sein – bei der Vorstellung der neuen U5-Trasse (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/hamburg/article6a1599953b7096456ac8317c/nahverkehr-neue-u-bahn-fuer-den-westen-hamburg-legt-u5-trasse-fest.html) fehlte er jedoch bereits auf dem Podium neben Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). Vom Abschied Henrichs war da jedoch noch nicht die Rede. Henrich selbst erklärte seinen Schritt am Nachmittag als persönliche Entscheidung. „Die Entscheidung, meine Tätigkeit an der Spitze der Hochbahn zu beenden, ist mir nicht leichtgefallen“, sagte er. Er sei dankbar für die Zusammenarbeit mit Mitarbeitern, Führungskräften und Partnern der Branche. Besonders wichtig seien ihm Themen wie Kundenorientierung, Digitalisierung und wirtschaftliche Effizienz gewesen. Auch Hamburgs Verkehrssenator und Aufsichtsratschef Tjarks würdigte den scheidenden Vorstand. Henrich habe die Hochbahn „mit großem Einsatz geführt und wichtige Entwicklungen vorangetrieben“, erklärte der Grünen-Politiker. Dazu zählten etwa das Großprojekt U5 sowie Initiativen beim autonomen Fahren. Hinter den knappen Worten verbirgt sich ein ebenso kurzer Abschnitt an der Spitze eines zentralen kommunalen Unternehmens. Henrich hatte den Vorstandsvorsitz erst Anfang 2024 übernommen – als externer Kandidat aus der privaten Mobilitätswirtschaft. Zuvor war er unter anderem Chef des Ridepooling-Dienstes Moia und arbeitete lange für Daimler-Mobilitätsdienste. Der Wechsel zur Hochbahn galt damals als Signal für mehr Digitalisierung und neue Mobilitätskonzepte. Doch der Auftritt des Managers blieb in Hamburg blass. Anders als sein Vorgänger Henrik Falk, der die Hochbahn über Jahre hinweg eng mit der Verkehrspolitik der Stadt verzahnte, profilierte sich Henrich weniger als öffentlicher Gestalter des Nahverkehrs. Dass er nun vorzeitig aus dem operativen Geschäft verschwindet, verstärkt diesen Eindruck. Offiziell endet sein Vertrag regulär zum Jahresende. Faktisch aber ist die Hochbahn bereits jetzt auf der Suche nach einer neuen Führung. Opposition erwartet Erklärungen In der Hamburger Parteienlandschaft wurde die Personalie mit großem Interesse verfolgt – schließlich hatte es zuletzt immer wieder Berichterstattungen darüber gegeben, dass die Mobilitätswende gerade mit Blick auf den Einsatz autonom fahrender Kleinbusse wohl nicht im angekündigten Zeitrahmen umgesetzt werden kann. Damit verbindet die Linke nun die Demission des Hochbahn-Chefs: „Es ist das gute Recht von Herrn Henrich, keine Verlängerung seines Vertrags anzustreben. Dass jedoch eine sofortige Freistellung von seinen Tätigkeiten erfolgt, ist ein Zeichen dafür, dass es große Probleme gegeben haben muss. Wer sich erinnert, mit welcher Begeisterung Senator Tjarks Herrn Henrich als Motor für das autonome Fahren vorgestellt hat, fragt sich, was denn jetzt davon geblieben ist\", so Heike Sudmann, verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion. Man sei sehr gespannt auf eine Antwort des Verkehrssenators. Auf diese setzt auch die CDU: „Henrichs sofortige Freistellung, während das Unternehmen sich mitten in einem Umstrukturierungsprogramm befindet, wirkt chaotisch und gleichzeitig wie ein öffentlicher Schlag ins Gesicht eines verdienten Managers. Als Aufsichtsratsvorsitzender trägt dafür auch der grüne Verkehrssenator die Verantwortung“, so Philipp Heißner, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.