Welt 30.09.2026
23:45 Uhr

Hinrichtung nach zwei Giftspritzen abgebrochen – „Sie schnarcht“


Die Hinrichtung der 50-jährigen Christa Pike in Tennessee nimmt einen dramatischen Verlauf. Erst stoppt ein Gericht den Vollzug, dann wird die Hinrichtung neu angesetzt, und schließlich überlebt Pike beide Giftspritzen.

Hinrichtung nach zwei Giftspritzen abgebrochen – „Sie schnarcht“

Bei der ersten geplanten Hinrichtung einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren ist es zu dramatischen Komplikationen gekommen. Nach Darstellung von Christa Pikes Verteidigern lebt die 50-Jährige auch nach der Verabreichung zweier Giftspritzen noch, wie aus einem entsprechenden Gerichtsdokument hervorgeht. Darin heißt es wörtlich: „Um 20:26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche.“ Um 20.53 Uhr, mehr als 40 Minuten nach der Verabreichung der zweiten Dosis des Medikaments Pentobarbital, war Pike noch immer bei Bewusstsein. Wenig später teilte Richter Kyle Hixson mit, in einer Telefonkonferenz mit den Anwälten aller Beteiligten habe der Staat das Gericht informiert, „dass Frau Pike nicht für tot erklärt worden sei“. Die Justizvollzugsbehörde habe daraufhin die medizinische Notfallversorgung angeordnet. Pike sei in ein Krankenhaus transportiert worden. Pike war 1996 als 18-Jährige für den Mord an der damals 19-jährigen Klassenkameradin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie hatte mit zwei weiteren Teenagern das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert. Die beiden anderen Teenager waren 17 Jahre alt, weshalb nur Pike zum Tode verurteilt wurde. Der Fall erregte US-weites Aufsehen, weil Slemmers Leiche mit einem Pentagramm auf der Brust aufgefunden wurde, das als satanisches Zeichen gilt. Erste Hinrichtung einer Frau seit 200 Jahren Pike war nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des US-Bundesstaates eine Strafe verbüßte. Sie ist laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide die erste Frau seit 1819, die in Tennessee hingerichtet werden sollte. Der Vollstreckung am Mittwochabend (Ortszeit) war ein juristisches Tauziehen vorausgegangen. Zunächst war die Hinrichtung per Giftspritze kurz vor dem Vollzug gestoppt worden. Dann gab der Supreme Court, das oberste US-Gericht, einem Eilantrag der für die Gefängnisse zuständigen Behörde des Bundesstaates statt und setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft. Kritik von Richterinnen am Entscheid Die drei liberalen Richterinnen am Supreme Court hatten die Mehrheitsentscheidung des Gerichts kritisiert. In ihrer abweichenden Meinung argumentierte Sonia Sotomayor, die Entscheidung ebne dem Bundesstaat den Weg, Pike hinzurichten, bevor die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäß geprüft werden könnten. Die Richterinnen Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen sich dem an. Sotomayor schrieb weiter, sie sehe keinen Grund dafür, den üblichen Weg dieser Überprüfung zu umgehen, „insbesondere angesichts der schwerwiegenden Folgen einer fehlerhaften Entscheidung“. Sie bezeichnete das Vorgehen als „außergewöhnlich“. Mord liegt mehr als 30 Jahre zurück Die heute 50-jährige Christa Pike wurde 1996 für den Mord zum Tode verurteilt. Pike war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Die zum Tode verurteilte Pike habe Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorigen Verfahrens dargelegt, die nun geprüft werden müssten, hatte ein Berufungsgericht am Mittwoch noch entschieden. Zentraler Punkt dabei war die gerichtliche Würdigung von Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge als Kind erlitten habe. Die Verurteilte machte vor Gericht geltend, der Bundesstaat Tennessee habe sie als Lügnerin abgetan und ihre Angaben zu erlittenem Missbrauch für fabriziert gehalten. Dann habe der Bundesstaat den Missbrauch später jedoch doch als solchen anerkannt. Eilantrag erfolgreich In seinem Eilantrag an das Oberste US-Gericht warf der Staat Tennessee der Verteidigung Pikes unter anderem eine bewusste Verzögerungstaktik in letzter Minute vor, um die Vollstreckung zu verhindern. Zudem sahen die Kläger geringe Erfolgsaussichten für die Verurteilte: Die Grausamkeit und Schwere des Mordes wogen rechtlich so schwer, dass selbst das vor Gericht geltend gemachte Kindheitstrauma die Todesstrafe nicht verhindert hätte. Pike hingegen argumentierte in einer Antwort vor dem Supreme Court, dass dem Bundesstaat kein irreparabler Schaden entstehe, wenn der Eilantrag abgelehnt werde. Sollte ihm dagegen stattgegeben werden, würde Pike ihr Leben verlieren.