Welt 16.05.2026
13:24 Uhr

„Hände auf Rücken und Gesäß unangebracht“ – Medizinstudentinnen prangern Übergriffe beim Ärztetag an


Vorwürfe gegen Ärzte beim Deutschen Ärztetag sorgen für Empörung. Medizinstudentinnen berichten von sexuellen Belästigungen und Machtmissbrauch. Die Ärztekammer Niedersachsen kündigt nun Konsequenzen an.

„Hände auf Rücken und Gesäß unangebracht“ – Medizinstudentinnen prangern Übergriffe beim Ärztetag an

Die Ärztekammer Niedersachsen will gegen Machtmissbrauch und sexuelle Belästigungen in den eigenen Reihen vorgehen. Medizinstudentinnen hätten beim 130. Deutschen Ärztetag in Hannover von sexualisierten Belästigungen, Einladungen auf Hotelzimmer sowie sexistische Gesprächssituationen während der Tagung berichtet. Die Studentinnen sagten vor den Delegierten: „Kommentare über unser hübsches Auftreten sind unangebracht. Kommentare über unsere Ausschnitte sind unangebracht. Hände auf Rücken und Gesäßen sind unangebracht.“ Fünf weibliche Mitglieder aus der Delegation der Bundesvertretung der Medizinstudierenden ( BVMD (verlinkt auf https://www.bvmd.de/) ) hatten außerdem in einer persönlichen Erklärung von einem übergriffigen Verhalten vor Ort berichtet. Darin hieß es laut dem Deutschen Ärzteblatt (verlinkt auf https://www.aerzteblatt.de/news/deutscher-arztetag-medizinstudentinnen-berichten-von-ubergriffen-f53123d0-b9f7-4b53-a992-b43c6d6f12eb) : „Uns allen fünf weiblichen Mitgliedern unserer Delegation sind in den letzten drei Tagen Übergriffe passiert. Einige der hier Anwesenden haben sich uns und sicherlich auch anderen Personen gegenüber übergriffig und inakzeptabel verhalten.“ Es handle sich nicht um einen Einzelfall, beklagten die Studentinnen. „Wir möchten uns bewusst nicht als Einzelfälle hinstellen, sondern auf ein systemisches Problem hinweisen und aufmerksam machen. 73,5 Prozent der Studentinnen erleben im Praktischen Jahr sexualisierte Gewalt.“ Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Marion Charlotte Renneberg, zeigte sich entsetzt. „Die Schilderungen der Kolleginnen und Studentinnen haben mich tief erschüttert und sprachlos gemacht. Es ist absolut inakzeptabel, dass Frauen derart in ihrer Würde verletzt werden, indem man sie auf ihr Äußeres reduziert“, sagte Renneberg. Umfrage des Marburger Bunds Sexuelle Belästigungen und körperliche Übergriffe seien nicht zu tolerieren, unterstrich Renneberg. „Solch ein Verhalten ist mit dem ärztlichen Berufsethos nicht vereinbar.“ Der Ärztetag habe Beschlüsse zum Schutz vor sexualisierter Belästigung und Diskriminierung gefasst. Im April hatte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund eine bundesweite Umfrage veröffentlicht, wonach Ärztinnen in Kliniken häufig Machtmissbrauch und sexuelle Gewalt erleben.